Prozess vor dem Landgericht

Diebes-Quintett räumt Apotheken aus - mit perfidem Trick

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6000 Euro hat eine Bande aus einer Geretsrieder Apotheke gestohlen. Nun sitzt das Diebes-Quintett auf der Anklagebank vor dem Landgericht.

Geretsried/München Die Opfer waren ahnungslos: Am 13. April 2016 betraten mehrere Männer aus Südamerika eine Apotheke in Geretsried. Ein Chilene tat der Staatsanwaltschaft zufolge so, als sei er geistig behindert. Er warf einen Gummiball über den Kassentresen. Während andere aus der Gruppe den Verkäufer ablenkten, lief ein weiteres Bandenmitglied dem Ball nach – und stahl aus der Apotheken-Kasse gut 6000 Euro.

Ball als Masche

Seit vergangener Woche muss sich das aus Chile und Peru stammende Quintett unter anderem wegen des Vorwurfs des Bandendiebstahls vor dem Landgericht München verantworten. Den Ermittlern zufolge nutzten die vier Männer und eine Frau im Jahr 2016 die Gutmütigkeit von einer Vielzahl von Geschäftsleuten aus. In einer Holzkirchner Apotheke soll die Bande mit ihrem Trick 3000 Euro erbeutet haben, in einem Rewe-Markt in Kiefersfelden (Kreis Rosenheim) über 6000 Euro. Dabei gingen sie laut Staatsanwaltschaft immer mit der gleichen Masche vor: Der Chilene warf den Ball, ein anderer lief hinter den Tresen und griff in eine der Kassen oder stahl Geld aus dem Büroraum.

In mehreren Apotheken blieben die Angeklagten jedoch erfolglos. So etwa in einer in Wolfratshausen sowie einer weiteren in Geretsried. Die Angeklagten hätten in beiden Fällen keine Möglichkeit gehabt, „hinter den Kassentresen zu kommen, weshalb sie ihr Vorhaben abbrachen“, so der Staatsanwalt. Weil die Südamerikaner auch in anderen Apotheken im Großraum München zuletzt unverrichteter Dinge wieder hatten abziehen müssen, änderte ein Teil von ihnen nach Überzeugung der Ermittler bereits im Mai 2016 die Strategie: In den folgenden Wochen sollen mehrere der Beschuldigten in zahlreiche Häuser im Münchner Umland eingebrochen sein. Allein bei einem Einbruch in Sauerlach sollen sie Schmuck und Bargeld im Wert von gut 30 000 Euro erbeutet haben.

Bandenmitglieder stammen aus armen Verhältnissen

Auch einen Bankautomaten in Oberhaching wollten sie sprengen. „Aber wir wollten niemanden gefährden, weshalb wir das extra am späten Abend gemacht haben“, sagte einer der Angeklagten am Dienstag vor Gericht. Mehrere Angeklagte sind in weiten Teilen geständig, mitunter schieben sie sich die Schuld auch gegenseitig zu. Die meisten Bandenmitglieder stammen aus armen Verhältnissen. Deshalb suchten sie ihr Glück in Europa – zuerst in Italien, dann ab 2016 in Deutschland. Er habe nur das Beste für seine beiden Kinder gewollt, rechtfertigte sich einer der Angeklagten. Sein Baby habe dringend „ein Kinderbett und einen Kinderwagen gebraucht“. Er hat die Apotheken-Gaunereien weitgehend eingeräumt. Der Prozess wird fortgesetzt. 

Rubriklistenbild: © dpa

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