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Einweihung: Kaplan Thomas Neuberger (li.) segnete das frisch renovierte Wegkreuz im Beisein der Kinder und Enkel von Josef Gritzmann. Enkel Sebastian Ott (in der Mitte mit Schiebermütze und Brille) wird die Familientradition fortführen und das Marterl künftig pflegen.

Neuer Corpus Christi

Diese berührende Geschichte steckt hinter dem Wegkreuz an der B11

Seit kurzem erstrahlt das über 200 Jahre alte Marterl an der Bundesstraße 11 bei Stein in neuem Glanz. Sebastian Ott kümmert sich um das Wegkreuz, weil er einen besonderen Bezug dazu hat.

Geretsried Das Wegkreuz an der Bundesstraße 11 kurz vor der Einfahrt nach Geretsried-Stein erstrahlt in neuem Glanz. Es wurde frisch eingelassen und trägt einen neuen Corpus Christi aus hellem Eichenholz, der beim Vorbeifahren gleich ins Auge fällt.

Sebastian Ott hat den wunderschönen Corpus von einem Schnitzer in Südtirol anfertigen lassen. Ott ist der Enkel von Josef Gritzmann, der das seit etwa 200 Jahren an dieser Stelle stehende Marterl ab 1962 restauriert und gepflegt hatte. Als er 1992 verstarb, kümmerten sich seine Tochter Maria Pietruschka und deren Ehemann Bernhard um die kleine Gedenkstätte. Vor einigen Jahren übernahm deren Sohn Sebastian Ott diese Aufgabe.

Einweihung: Kaplan Thomas Neuberger (li.) segnete das frisch renovierte Wegkreuz im Beisein der Kinder und Enkel von Josef Gritzmann. Enkel Sebastian Ott (in der Mitte mit Schiebermütze und Brille) wird die Familientradition fortführen und das Marterl künftig pflegen.

„Ich habe es schon als Kind geliebt, das Beet vor dem Kreuz zu bepflanzen und alles ordentlich zu halten“, erzählt Ott, der eine enge Beziehung zu seinem Opa hatte. Der aus Schlesien stammende Josef Gritzmann hatte sich des Marterls aus Dankbarkeit darüber, Krieg und Vertreibung überstanden zu haben, angenommen. Der gläubige Katholik lebte wie so viele Heimatvertriebene zunächst im Lager Stein. Als gelernter Schreiner fügte er dem bis dato schlichten Holzkreuz Anfang der 1980er Jahre eine Figurengruppe, bestehend aus Jesus Christus, der Gottesmutter Maria und dem Jünger Johannes hinzu. Außerdem stellte er eine Sitzbank auf dem Stück Wiese auf.

1999 ersetzten die Pietruschkas das Ensemble durch einen erstmals dreidimensionalen Korpus. Weihnachten 2017 war es wieder so weit, dass auch dieser nicht mehr ansehnlich war. Sebastian Ott beauftragte einen befreundeten Schnitzer aus Südtirol damit, einen ähnlich aussehenden Ersatz zu schaffen. „Ich wollte alte Werte und Erinnerungen wahren und keinen großen Eingriff in das Vorhandene vornehmen“, sagt Ott, der einige Jahre im Pfarrgemeinderat von Maria Hilf saß. Zusammen mit seinem Vater Bernhard und einem Freund der Familie, Ewald Voth, baute er das Kreuz ab, richtete es her und passte es an den neuen Corpus an.

Am 2. März wurde das Schmuckstück wieder aufgestellt, vergangenen Samstag wurde es von Kaplan Thomas Neuberger von der katholischen Stadtkirche geweiht. „So ging mein Wunsch auf, pünktlich zur Osterzeit das geliebte Kreuz in neuem Gewand erstrahlen zu lassen“, freut sich Sebastian Ott.

Tanja Lühr

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