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Von kleinen Fischen und großen Büffeln erzählte Helmut Wittmann den Kindern in der Geretsrieder Stadtbücherei. An der Harfe begleitete ihn Aneta Maria Pichler.

„Vor langer Zeit, war’s gestern, war’s heut ?“

Drachengold-Erzählfestival macht Halt in Geretsried

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Geretsried – Das „Drachengold“-Erzählkunst-Festival hat in Geretsried Station gemacht. Ein Bub fieberte emsig mit.

Bereits zum vierten Mal gastierte das Erzählkunst-Festival „Drachengold“ neben Bad Tölz und Penzberg heuer wieder in Geretsried. Weil aber ausgerechnet an diesem Tag in der Grundschule am Isardamm eine Märchenstunde stattfand, kamen weit weniger Besucher als im Vorjahr in die Stadtbücherei. Mit „Märchen und Musik aus Osteuropa“ verzauberten der österreichische Märchenerzähler Helmut Wittmann (bekannt aus dem ORF) und seine Künstlerkollegin Aneta Maria Pichler den kleinen Kreis Kinder mit Eltern auf russisch-deutsch und mit Maultrommel und Harfenmusik.

Die Kinder im Vorschulalter wetzten gespannt auf den Kissen am Boden hin und her, ehe der Österreicher mit Tirolerhut herein kam und durch sein gewaltiges Horn einen lauten, röhrenden Ton durch die Bibliothek schickte. „Was meint Ihr Kinder, von welchem Tier stammt es?“, fragte er. „Vom Elefanten“, rief ein Bub emsig. „Oh Gott nein, die sind geschützt, da wäre ich im Gefängnis“, tat Wittmann entsetzt und war sogleich mitten im Erzählen vom großen Büffel und dem kleinen Fischlein – ein Volksmärchen aus Rumänien. „Vor langer Zeit, war’s gestern, war’s heut?“, mit durchdringendem Blick fixierte er die aufgerissenen Kinderaugen. Immer wieder zog der Erzähler seine Zuhörer mit Fragen ins Geschehen.

Auf wundersame Weise verflochten die Erzähler zwei Sprachen so ineinander, dass sie jeder verstehen konnte. Heuer entführte der Helmut Wittmann aus dem Salzkammergut mit seiner russischsprachigen Künstlerkollegin ins Reich der Waldbewohner. Während Wittmann auf Deutsch den Inhalt schilderte, mimte Pichler die Tiersprache auf Russisch. So könne man spielerisch Sprachgrenzen wie von selbst überwinden, erklärte Wittmann. „Fremde Märchen aus anderen Kulturkreisen sind doch unseren so ähnlich, weil wir im Grunde doch alle die gleichen Ängste und Sehnsüchte haben“. Pichler und Wittmann sind mit ihrer Erzählkunst weltweit unterwegs. Zuvor hatten sie Kinderaugen in Moskau, Warschau und im Iran zum Leuchten gebracht.

von Andrea Weber

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