Dutzende Verletzte bei S-Bahn-Unfall in Barcelona

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Gemeinsame Leidenschaft: Gerhard Keilwerth, Fußballtrainer beim FC Geretsried, hatte unter anderem zwei Afghanen und einen Nigerianer zu einem Turnier des Klubs eingeladen. Das Trio will nun zum Training der Fußballer kommen. „Ich sehe mich vielleicht als guten Menschen, aber nicht als ,Gutmenschen‘“, stellt Keilwerth fest. 

"Gutmensch" ist das Unwort des Jahres 2015

Ehrenamtliche fühlen sich verunglimpft

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Gutmensch“ ist das Unwort des Jahres 2015. Wie reagieren diejenigen, die damit gemeint sind: Die vielen ehrenamtlichen Betreuer von Asylbewerbern im Landkreis?

Der Ausdruck „Gutmensch“ gefällt keinem der von unserer Zeitung Befragten. Er stehe für eine naive, womöglich an einem Helfersyndrom leidende Person. Im Zusammenhang mit den Flüchtlingsbetreuern würde diese Bezeichnung immer wieder abwertend verwendet. Ohne sich selbst loben zu wollen, sagt Gerhard Keilwerth, Kinder- und Jugendfußballtrainer beim FC Geretsried: „Ich sehe mich vielleicht als guten Menschen, aber nicht als ,Gutmenschen.‘“ Seit zehn Jahren versucht Keilwerth, ausländische, aber auch einheimische benachteiligte Jugendliche in die von ihm betreuten Mannschaften zu integrieren. Kürzlich lud der Trainer junge Asylbewerber, die in der Turnhalle der Geretsrieder Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße untergebracht sind, an einem Turnier des FC teilzunehmen. „Sie hatten voll Spaß“, berichtet Keilwerth, der den Männern aus Afghanistan und Nigeria nach dem Turniersieg eine Brotzeit spendierte. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, zu helfen und gastfreundlich zu sein.“ Wenn man ehrenamtliches Engagement mit einem Wort wie „Gutmensch“ ins Lächerliche ziehe, könne er das nicht nachvollziehen. Insofern sei das Unwort des Jahres treffend ausgewählt.

„Mich hat zum Glück noch nie jemand so bezeichnet. Mir gefällt das Wort nicht, aber es gibt schlimmere“, sagt Reinhard Gebhardt. Der 64-Jährige leitet den Helferkreis Asyl in Icking. Die Menschen, die sich dort und in anderen Gruppen einbringen, hätten sicher unterschiedliche Motive. Sie pauschal als „Gutmenschen“ zu titulieren, sei ungerecht, urteilt Gebhardt. Er selber empfindet sich weder als dumm und weltfremd noch als vom Helfersyndrom befallen – auch wenn er seit knapp einem Jahr gut zwei Stunden täglich in die Betreuung von Asylbewerbern und die Koordination des Helferkreises investiert. „Ich war beruflich in vielen Ländern in Afrika und Asien unterwegs. Ich habe dort sehr schöne Erfahrungen gesammelt. Von der Gastfreundschaft, die mir entgegengebracht wurde, möchte ich jetzt etwas zurückgeben“, beschreibt der Ickinger seine Motivation. Ein echtes Unwort ist für Gebhardt „Willkommenskultur“, denn Deutschland habe die vielen Flüchtlinge nicht gerufen. Jetzt, da sie da seien, müsse man ihnen helfen. Er würde Willkommenskultur durch Gastfreundschaft ersetzen.

In Wolfratshausen bringt sich die Ärztin Gisela Weber-Grunwald zusammen mit Ines Lobenstein von Anfang an für die in der Stadt lebenden Asylbewerber ein. Die stellvertretende Leiterin des Helferkreises meint, sie wäre froh, wenn das Unwort „Gutmensch“ mit seiner negativen Assoziation aus dem Sprachgebrauch verschwinden würde. Unter den rund 100 aktiven Ehrenamtlichen im Helferkreis der Flößerstadt kenne sie niemanden, der sich profilieren wolle oder der einen Zwang zum Helfen habe. Weber-Grunwald: „Ich würde uns als vernünftige Menschen bezeichnen.“ Ohne Freiwillige, die Sprachkurse organisierten und Familien begleiteten, würde die Integration nicht funktionieren. Wüssten andere diesen Einsatz nicht zu würdigen, indem sie abfällige Begriffe wie „Gutmensch“ für die Helfer verwendeten, werfe das ein „ungutes Licht auf unsere Gesellschaft“. Von den Wolfratshausern habe sie den Ausdruck jedoch noch nie im Zusammenhang mit den Ehrenamtlichen gehört, betont Weber-Grunwald: „Die sagen zu mir eher: Toll, dass Du das machst.“

Tanja Lühr

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