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Ein eingespieltes Team: Markus Dullner (li.) und Helder Moreira, genannt Eddy, arbeiten Hand in Hand.

Die Männer in Orange

Ein Arbeitstag mit der Geretsrieder Müllabfuhr

Auch wenn es den Männern in Orange manchmal stinkt: Ihre Arbeit ist besser als der Ruf, der ihr vorauseilt.

Geretsried Pawel Kuffel beobachtet die Teamarbeit an der Rückseite des Müllautos aus der Fahrerkabine: Sein Kollege Markus Dullner läuft an der linken Straßenseite entlang und zieht mit beiden Händen je eine Mülltonne. Helder Moreira, genannt Eddy, macht rechts das Gleiche. Er grinst dabei und grüßt einen Geltinger, der seine Zeitung aus dem Briefkasten holt – im Schlafanzug und mit Badelatschen. Über eine Kamera neben seinem Lenkrad sieht Kuffel, wie seine Kollegen die Tonnen an eine Kippvorrichtung hängen.

700 Mal am Tag ziehen Dullner und Moreira die 120 Liter fassenden Tonnen zum Wagen, den Kuffel durch die engen Geltinger Straßen steuert. Es gibt auch längere Touren – bis zu 1200 Behälter leeren die Müllwerker teilweise auf einer einzigen Tour. „Die Papiermüll-Route ist am anstrengendsten“, sagt der 27-jährige Lkw-Fahrer. Bevor der Pole den entsprechenden Führerschein gemacht hat, stand er selbst in orangefarbener Jacke und mit Sicherheitsschuhen auf dem Trittbrett. „Vor allem, wenn die Leute Bücher wegwerfen, kommt man ganz schön ins Schwitzen.“

Einen positiven Aspekt kann Kuffel den grünen Papiertonnen trotzdem abgewinnen. „Papier stinkt nicht“, sagt er und lacht. Gerade wenn Speisereste in den braunen Bio- oder grauen Restmülltonnen landen, ist das anders. „In den ersten Tagen in dem Job merkt man den Geruch ziemlich stark“, sagt der 27-Jährige. „Das hört aber auf. Nach einer Woche kriegt man das fast nicht mehr mit.“ Seine Frau hingegen schon. „Die konnte jeden Abend riechen, welche Tour wir gefahren sind.“

Fahrer wie Kuffel werden händeringend gesucht. Das Entsorgungsunternehmen Ehgartner aus Geretsried hat deswegen mit sieben weiteren Betrieben eine Kampagne gestartet, die um „Kreislaufpiloten“ wirbt. Eine Anspielung auf die Tatsache, dass die Beschäftigten nicht nur Müll abholen und zur Deponie bringen, sondern wichtiger Teil des Recycling-Kreislaufes sind.

Am Steuer: Pawel Kuffel freut sich über die familienfreundlichen Arbeitszeiten.

Seit fast fünf Jahren arbeitet Kuffel für das Unternehmen. Vor über einem Jahr wechselte er auf den Fahrersitz. „Ich bin zufrieden“, sagt der 27-Jährige. Vor allem die Arbeitszeiten seien für ihn angenehm. Zwar muss der Mülltrupp bereits in den frühen Morgenstunden, „meistens so um halb sechs“, ausrücken. „Dafür ist aber Schluss, sobald wir unsere Tour fertiggemacht haben.“ Meistens kann der 27-Jährige bereits am Mittag seinen Feierabend antreten. „Für Familien ist das natürlich super, wenn man den Nachmittag zu Hause verbringen kann.“

Die Entscheidung, vom Trittbrett auf den Fahrersitz zu wechseln, fiel an einem heißen Sommertag. „Wir haben den Bio-Müll eingefahren“, sagt Kuffel. In der Hitze war der Geruch aus den Tonnen schwer auszuhalten. „Da bin ich fast vom Trittbrett geflogen“, sagt Lkw-Fahrer lachend, während er den orangefarbenen Lastwagen durch die schmale Straße Am Haken manövriert. „An dem Tag habe ich für mich festgelegt, dass ich so schnell wie möglich den Führerschein machen will.“

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Die Karriere, die Kuffel eingeschlagen hat, bezeichnet Geschäftsführer Andreas Janka als „klassischen Weg“. Die meisten heutigen Fahrer haben als Müllwerker angefangen. Wie viele andere Branchen sucht das Geretsrieder Entsorgungsunternehmen händeringend nach Lkw-Fahrern. „Früher war das einfacher“, sagt Bruder Markus Janka. Viele Wehrpflichtige hätten während ihrer Zeit bei der Bundeswehr einen Führerschein der Klasse CE absolviert und konnten sofort als Fahrer einsteigen. Heute setzt das Unternehmen auf die Weiterbildung der Mitarbeiter zum Fahrer. „Dabei unterstützen wir sie natürlich.“

Auch Kuffel profitierte davon. „Vor allem als Fahrer macht der Job richtig Spaß“, sagt er. Dann hält er an, damit seine beiden Kollegen in den Wagen einsteigen können. Der Container des Müllfahrzeugs ist voll. Kuffel fährt nach Quarzbichl, wo der eingesammelte Abfall ausgeleert wird. Dann geht es zurück nach Gelting, um die übrigen Tonnen abzuholen. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt Kuffel. „In ein paar Stunden sind wir fertig.“ Es ist 9.30 Uhr. Der 27-Jährige grinst verschmitzt. „Sag’ ich doch: familienfreundliche Arbeitszeiten.“

dst

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