S-Bahn München: Personen im Gleis - Stammstrecke dicht

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Spezialisten in Sachen E-Bike: (v. li.) Richard und Thomas Worm sowie Ludwig Berger vom Isartaler Zweiradhaus.

Boom auf dem Fahrradmarkt

Ein Bike, das elektrisiert

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Das Thema boomt und schafft es mittlerweile locker auf die Titel renommierter Magazine: Immer mehr Radler rollen elektrisch unterstützt über Deutschlands Straßen und Wege – und sogar hohe Berge hinauf.

Geretsried/Wolfratshausen – Im vergangenen Jahr fuhren rund 600 000 so genannte E-Pedelecs – bis zu 25 Kilometer in der Stunde per Motor unterstützte Fahrräder – von den Händlern in die heimischen Keller und Garagen. Zum Vergleich: 2005 waren es schlappe 25 000. Knapp drei Millionen E-Bikes sind hierzulande aktuell unterwegs.

Im gleichen Maß, wie ihre Zahl steigt, wird der Markt unübersichtlicher. Mittel- oder Nabenmotor, Drehmoment, Akku-Wattstunden, Reichweite beziehungsweise -höhe: Das sind nur einige Fachbegriffe, die potenzielle Kunden überfordern, gar von einem Kauf zurückschrecken lassen. Diese Berührungsängste sind Richard Worm nicht fremd. In seinem Isartaler Zweiradhaus in Geretsried führt er auch E-Bikes. „Um die 40 Prozent“, so schätzt der Geschäftsführer, liege deren Anteil an den verkauften Rädern in seinem Unternehmen. Tendenz steigend. Und doch gibt es immer noch den Kunden, der verschämt, manchmal ehrfürchtig um das mit Elektronik vollgestopfte Zweirad herumschleicht. Das ändert sich erst, hat Worm ihm die Funktionsweise erklärt und zu einer Probefahrt animiert. „Drückt er dann das Knöpferl, und die Unterstützung beim Treten setzt ein, sitzt er im Sattel und lacht.“ Ein Vorurteil, das hartnäckig durch die Fahrradwelt irrlichtert, gilt es dabei auszuräumen: Von allein rollt ein Pedelec lediglich bergab. Der Fahrer muss schon treten, um vorwärts zu kommen. Nur hilft ihm der Motor mit mehreren wählbaren Unterstützungsstufen dabei.

Davon profitieren auch Menschen, die mit dem Radfahren schon abgeschlossen haben – sei es aus gesundheitlichen beziehungsweise Altersgründen oder ganz einfach, weil sie in einer hügeligen Gegend leben. Die Universität Erlangen, sagt Worm, habe eine Studie veröffentlicht, wonach sich das Fahren mit dem E-Bike positiv auf die Gesundheit auswirke. „Ob man jetzt eine Knie-OP hatte oder Probleme mit dem Herzen, man kann sanft Sport machen. Es geht um die Bewegung.“

Nicht nur Ältere pedalieren auf ihren Tiefeinsteigern grinsend durch die Lande. Sogar sportlich ambitionierte Bergradler vertrauen zunehmend der Motorkraft. Seit selbst MTB-Profis wie Guido Tschugg ungehemmt e-biken, gehen den Gegnern die Argumente aus. Nur eine Minderheit betrachtet ein Elektro-MTB als Sakrileg. Die Kunden werden zudem immer jünger. Kürzlich kam einer aus München zu Richard Worm, „der hat ein E-Mountainbike gekauft. Für seine 13-jährige Tochter.“

Entwicklung schreitet voran

Dieter Landmann bestätigt diesen Trend. Nicht nur gut situierte 50-Jährige wählen mittlerweile ein E-Bike. „Ab 35 Jahre aufwärts“ sei seine Kundschaft alt, die sich für diesen Typ Zweirad interessiert, sagt der Wolfratshauser Fahrradspezialist. Interessant sei ebenfalls, wie sich das Kaufinteresse verschiebt: „Von denen, die auf dem hochpreisigen Sektor, also ab 2500 Euro, ein Fahrrad kaufen möchten, greifen bei mir 70 bis 80 Prozent zum E-Bike.“ Und der Boom werde anhalten, zumal die Entwicklung fortschreitet: Die Akkus werden besser, und auch optisch integrieren die Hersteller Motor, Akku und Technik noch rafinierter ins Bike. Technik- und Designfans dürfen sich laut Landmann freuen: „Warten Sie mal, was 2018 alles herauskommt. Sie werden staunen.“

Wer sich für ein Elektrofahrrad interessiert, sollte sich vor dem Kauf eingehend im Fachhandel informieren. Welcher Motor – aktuell buhlen fünf große Hersteller um die Gunst der Kunden – kommt mit seiner jeweiligen Charakteristik den eigenen Fahrgewohnheiten am nächsten? Welche Ausstattung ist nötig, welche überflüssig? Diese und andere Fragen lassen sich im persönlichen Gespräch klären. Worm, seit 1973 im Fahrradgeschäft, empfiehlt aber „vor allem eine Probefahrt“. Nur so lasse sich klären, ob die Geometrie des Bikes zu der des Fahrers passt. „Man muss sich wohlfühlen auf dem Rad.“

Franz Heilinglechner und seine Frau Katharina fahren „seit gut einem Jahr“ je ein E-Bike. „Einen Tiefeinsteiger“, erklärt der Vater des Wolfratshauser Bürgermeisters, „denn mit 75 schwingt man sich nicht mehr so leicht über eine Stange.“ Seine Erfahrung? „Nur positiv.“ 1400 Kilometer sei er schon elektrisch unterstützt gefahren. Mit einem analogen Radl hätte er das nie geschafft, sagt er und nennt ein Beispiel: „Vor zwei Jahren sind wir nicht einmal mit dem Rad zum Baden an den Starnberger See gefahren. Vergangenes Jahr nicht einmal mit dem Auto.“

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