Die Pläne sind fertig: Laut Stadtwerke-Leiter Jan Dühring sollen die Bauarbeiten in diesem Monat beginnen. foto: sh

Stadtwerke bauen am Schulzentrum 

Ein Heizkraftwerk für drei Millionen Euro

Mitte Februar geht es los: Die Stadtwerke bauen auf dem Gelände des Schulzentrums ein Blockheizkraftwerk. Ab Oktober soll die Anlage die Schulen, die Bücherei und das Jugendzentrum sowie später das neue Hallenbad mit Nahwärme versorgen.

Geretsried – Das geplante Heizkraftwerk mit 600 Kilowatt Leistung stellt einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz dar. Zu rund 60 Prozent wird dort Wärme aus Hackschnitzeln erzeugt, die übrigen 40 Prozent liefern zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und ein Spitzenlast-Gaskessel. Der Bauantrag für das Projekt wurde kürzlich vom Stadtrat abgesegnet und liegt jetzt beim Landratsamt.

Nach Auskunft von Stadtwerke-Leiter Jan Dühring wird in den kommenden Tagen eine Kampfmittelerkundung auf dem Grundstück durchgeführt – eine übliche Maßnahme in Geretsried, wo Munitions- und Bombenreste unter der Erde liegen könnten. Finden die Fachleute nichts, können am 12. Februar die Bagger anrücken und den ehemaligen Hausmeisterpavillon, in dem niemand mehr wohnt, abbrechen.

Energie aus waldfrischem Hackgut

Ein Stück dahinter, auf dem jetzigen Parkplatz vor der Stifter-Turnhalle, soll das Blockheizkraftwerk entstehen. Das Gebäude mit Pultdach hat eine Größe von rund 18 mal 15 Metern und ist an der höchsten Stelle sieben Meter hoch, genau wie die Turnhalle. Die Anlieferung des Brennmaterials erfolgt über eine neu zu bauende Zufahrt.

Betrieben wird das Werk mit waldfrischem Hackgut, das heißt mit ungetrockneten Ästen und Zweigen. Die regenerative Energie wird aus der Region stammen. Auch die Verwertung von Holz aus dem Stadtwald sei möglich, sagt Dühring. Das Erdgas für die zwei BHKW werde von der 17er Oberlandenergie bezogen. „Der zusätzliche Erdgaskessel springt bei Störungen ein und an den paar Tagen im Jahr, wo es minus 15 Grad hat und die Spitzenlast erreicht wird.“

Durch Kraft-Wärme-Koppelung werden Wärme und Strom erzeugt. Beheizt werden das neue Hallenbad als Hauptabnehmer sowie die Mittelschule, die Musikschule, die Bücherei und das Jugendzentrum Saftladen. Der Landkreis wird von den Stadtwerken Wärme für sein Gymnasium und seine Realschule beziehen. Die Heizanlage im Keller der Realschule kann damit abgebaut werden.

In unter 20 Jahren sollen sich die Investitionskosten von zirka drei Millionen Euro amortisiert haben

Fernwärmeleitungen sollen außerdem bis zum TuS-Vereinsheim und zum Schützenheim an der Jahnstraße führen. Ob das Eisstadion ebenfalls angeschlossen werden kann, prüft die Stadt noch. Der erzeugte Strom wird im Heizwerk selbst sowie im Hallenbad verwendet. Das kommunale Nahwärmenetz ist nicht nur ökologisch ein Vorzeigeprojekt. „Es soll natürlich auch wirtschaftlich sein“, sagt Dühring. In deutlich weniger als 20 Jahren würden sich die Investitionskosten von zirka drei Millionen Euro amortisiert haben.

Nachdem sich der Traum von der Fernwärme aus Geothermie nicht erfüllt habe, sei das kleine kommunale Nahwärmenetz eine gute Lösung für den Standort, findet Dühring. Die Schulen und Anwohner bräuchten keine Sorge wegen Emissionen zu haben. Die Anlage verursache wenig Lärm. Die Hackschnitzel würden zweimal in der Woche von einem Lastwagen angeliefert, im Sommer seltener. Durch eine spezielle Abgasreinigung werde der Staub, der nach der Verbrennung des Waldguts aus dem Schornstein geblasen wird, gefiltert. Dühring: „Es bleibt ein sehr niedriger Reststaubgehalt.“ Dank einer sogenannten Entschwadungsanlage würden auch keine weißen Rauchfahnen aufsteigen. Eine geräuscharme und saubere Sache also.

Einziger Wermutstropfen, das räumt der Stadtwerke-Leiter ein, seien die 20 wegfallenden Parkplätze vor der Mittelschul-Turnhalle. Sobald das Waldstück für das interkommunale Hallenbad ab März gerodet sei, werde man einen Teil davon vorübergehend als Parkplatz herrichten. Insgesamt müssten für die Heizkraftanlage und die Zufahrt 13 Bäume gefällt werden, die man an anderer Stelle neu pflanze.

Tanja Lühr

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