Koalition in Österreich perfekt!

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Von der Ruine zum Juwel: Dank der Interessengemeinschaft wurde die 1722 erbaute Nikolauskapelle an der B 11 vor dem Verfall gerettet.

50 Jahre Interessengemeinschaft für die Erhaltung der NikolausKapelle 

Ein Kirchlein und seine 14 Nothelfer

Vor genau 50 Jahren wurde die Interessengemeinschaft für die Erhaltung der Nikolauskapelle gegründet. Drei Männer der ersten Stunde berichten im Gespräch mit unserer Zeitung über das zurückliegende halbe Jahrhundert.

Geretsried Dr. Otto Rothe, Walter Holzer und Harald Sachers gehörten zu den 50 Interessierten, die sich Ende Oktober 1967 auf Einladung von Bürgermeister Karl Lederer im Gasthof Geiger einfanden, um sich für die Renovierung der Nikolauskapelle stark zu machen. Dazu muss man wissen: Das 1722 erbaute, älteste und damals einzige denkmalgeschützte Gebäude der Gemeinde Geretsried befand sich damals in desolatem Zustand. Das Kreuz auf dem Dach hing weithin sichtbar schief, der Putz bröckelte innen und außen von den Wänden, die Medaillons waren von Feuchtigkeit zerstört. Pfarrer Stefan Varadi von der Pfarrei Maria Hilf – zu ihr gehört die frühere Königsdorfer Filialkirche – legte keinen Wert darauf, in der Kapelle Gottesdienste abzuhalten, geschweige denn, Geld in ihre Sanierung zu stecken.

Verein steckte viel Eigenleistung in die Sanierung

So packten die Gemeinde und die kurz nach der Versammlung im Geiger gegründete Interessengemeinschaft für die Erhaltung der St.-Nikolaus-Kapelle die Sache an. Der Gemeinderat bewilligte 10.000 Mark. Die Vereinsmitglieder sammelten weitere tausende Mark, und die Kirche gab schließlich doch einen Teil dazu, sodass die Kapelle von 1967 bis 1970 für 30.000 Mark hergerichtet werden konnte. „Damals war noch einiges an Eigenleistung möglich. Inzwischen würde der Denkmalschutz sich dagegen sperren“, sagt Walter Holzer, heute 80 Jahre alt und Schriftführer seit 50 Jahren.

Von der Ruine zum Juwel: Dank der Interessengemeinschaft wurde die 1722 erbaute Nikolauskapelle an der B 11 vor dem Verfall gerettet.

Mit dem Vorsitzenden Dr. Otto Rothe (heute 90), dessen Stellvertreter Harald Sachers (85) und elf weiteren Vorstandsmitgliedern kümmerte sich Holzer um die Sanierung. Die rührigen Frauen und Männer wurden in der Presse in Anspielung auf die 14 Heiligen, die in der kleinen Kapelle abgebildet sind, als „14 Nothelfer“ tituliert. Am 6. Dezember 1972 benedizierte Weihbischof Ernst Tewes das zu neuem Glanz erstrahlte Gotteshaus. Zwei Jahre später erhielt es eine neue Glocke mit der schönen lateinischen Inschrift „Deo gloria, urbi laetitia, orbi pax“ (Gott zur Ehre, der Stadt zur Freude, der Welt zum Frieden). Auch hier waren die „Nothelfer“ von Tür zu Tür gegangen, um Spenden zu sammeln.

Kapelle sollte originalgetreu hergestellt werden

Bei der zweiten Generalsanierung zwischen 1987 und 1990 schaltete sich das Landesamt für Denkmalpflege ein. „Diesmal ging es um die originalgetreue Wiederherstellung. Nichts wurde dem Zufall überlassen“, erinnert sich Rothe. Es wurden Proben des Uranstrichs genommen, der sich als weißer Sumpfkalk herausstellte. Die Dachschindeln mussten aus handgespaltenem Lärchenholz gefertigt werden. Der Restaurator Erwin Wiegerling aus Gaißach kümmerte sich um den Altar und die Bänke. Kosten: 300.000 Mark.

Von der Ruine zum Juwel: Dank der Interessengemeinschaft wurde die 1722 erbaute Nikolauskapelle an der B 11 vor dem Verfall gerettet.

Bis auf kleinere Reparaturen musste in den vergangenen 27 Jahren nicht viel gemacht werden. Der Erhaltungsverein legte sein Hauptaugenmerk darauf, dass die Geretsrieder Katholiken die Kapelle möglichst oft nutzten. „Immer mehr Taufen, Hochzeiten und Goldene Hochzeiten wurden in ihr gefeiert“, sagt der Vize-Vorsitzende Harald Sachers. Sein Sohn Florian Sachers steht dem Verein seit 20 Jahren vor, unterstützt von seiner Ehefrau Ute, die sich unter anderem um die Kasse kümmert.

Regelmäßige Messen, jährliche Führung

Am Nikolausabend treffen sich die aktuell knapp 60 Mitglieder alljährlich zur Hauptversammlung im Gasthof Geiger mit anschließendem Patrozinium. Seit heuer lädt Kaplan Thomas Neuberger von Mai bis September jeden zweiten Dienstagabend zur Messe in die Kapelle ein. An jedem „Tag des offenen Denkmals“ im September bietet der Ehrenvorsitzende Rothe Führungen an.

Von der Ruine zum Juwel: Dank der Interessengemeinschaft wurde die 1722 erbaute Nikolauskapelle an der B 11 vor dem Verfall gerettet.

Je mehr das Kirchlein genutzt werde, desto besser seien die Aussichten, dass das Erzbischöfliche Ordinariat bei der nächsten anstehenden Renovierung einen Großteil der Kosten übernehme, erklärt Florian Sachers. Ein entsprechender Antrag sei in Bearbeitung. Sachers zufolge muss das Dach komplett neu gedeckt werden. Im Inneren gilt es, dem Holzwurm fachmännisch zu Leibe zu rücken. Dem Verein, der sich über neue Mitstreiter freuen würde, wird also auch in Zukunft nicht die Arbeit ausgehen.

Stöbern in alten Unterlagen über die St.-Nikolaus-Kapelle: (v. li.) Schatzmeisterin Ute Sachers, Schriftführer Walter Holzer und Ehrenvorsitzender Dr. Otto Rothe.

Ausstellung

Die Stadt Geretsried widmet ihrem ältesten Gebäude und am häufigsten fotografierten Motiv anlässlich des Jubiläums des Vereins für die Erhaltung der St.-Nikolaus-Kapelle eine Sonderausstellung im Museum. Sie wird am Donnerstag, 16. November, um 18 Uhr eröffnet. Nach Auskunft von Anita Zwicknagl vom Kulturamt beleuchtet die Ausstellung die Entstehung der Kapelle und liefert Hintergrundinformationen zu den 14 Nothelfern. Der Heilige Pantaleon zum Beispiel gilt als Schutzpatron der Ärzte und Hebammen. Zwicknagl wird zusammen mit Dr. Otto Rothe die Einführungsrede halten. Im Anschluss gibt es einen Sektempfang. Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar während der üblichen Öffnungszeiten des Museums zu sehen: Dienstag und Mittwoch von 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 17 bis 19 Uhr sowie Freitag bis Sonntag von 14 bis 16 Uhr.

Tanja Lühr

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