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Am Rande notiert

„Ein Klavier, ein Klavier!“ – Vom Leid eines Konzertbesuchs

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Husten, Schnupfen, mitteilungsfreudige Sitznachbarn: Was bei einem Konzertbesuch – abgesehen vom eigentlichen Konzert – alles inklusive sein kann, hat Redaktionsleiter Carl-Christian Eick kürzlich in Geretsried erlebt. 

Nach Feierabend abschalten, das Weihnachtskonzert der Geretsrieder Gymnasiasten genießen. Diesen Plan durchkreuzt der Herr auf dem Stuhl neben mir. „Ganz schön voll hier“, raunt er seiner Ehefrau zu. „Ganz schön helles Licht. Das machen die wohl hoffentlich noch aus.“ Kurz darauf: „Gott sei Dank, das Licht ist aus.“ Verstohlen nehme ich seine Gattin ins Visier. Nein, sie ist nicht blind. „Schau mal! Da drüben ist der Dings, der Bruder von Irmis Nachbarin.“ Aha. Gut zu wissen. „Das gibt’s ja nicht: Da steht ein Klavier auf der Bühne. Ein Klavier, ein Klavier! Du kennst doch den Witz von Loriot! Der war super!“ Bitte, bitte nicht! Ich habe Glück, er rezitiert das mehrminütige Meisterwerk des großen Humoristen nicht.

„Oh, oh, die müssen aber noch ganz schön üben.“ Ja, denke ich mir. Und Du solltest üben, mal eine halbe Stunde die Klappe zu halten. „Uff. Noch 20 Minuten. Hoffentlich haben die in der Pause einen gescheiten Glühwein.“ Hoffentlich verbrennst Du Dir an dem Gesöff den Mund. „Schau mal! Das Mädchen sitzt mit einem Mikrofon an einem Klavier. Ich denke, die wird gleich singen und dabei Klavier spielen.“ Ich denke, dass ich Dir noch vor dem Ende des Stücks „The Power of Love“ mit voller Power eine Kopfnuss verpassen werde.

Was war a capella gleich nochmal? 

„Der Moderator hat gesagt, die nächsten singen jetzt a cappella. Das heißt, die singen nur. Ganz ohne Instrumente. Das ist a capella.“ Wie hält die Frau diesen dauerquasselnden Oberlehrer nur aus? Ich fasse es nicht: Nun brummt mein Nachbar den „Soul Bossa Nova“ von Quincy Jones vernehmlich mit. „So, jetzt jetzt ist Pause. Jetzt hole ich uns mal zwei Glühwein.“ Ich hole auch aus, besinne mich aber in letzter Sekunde auf meine gute Kinderstube.

Teil zwei des Konzerts verfolge ich stehend im hinteren Bereich der Schulaula. Hier lässt sich das Publikum schweigend von der Muse küssen. Herrlich, vielen Dank!

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