Dr. Peter Milde und Natallia Merkel vom Verein „Wilde Rose“.
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Wollen sich mehr nach außen öffnen: Dr. Peter Milde und Natallia Merkel vom Verein „Wilde Rose“.

Für mehr Achtsamkeit

Ein neues Inklusionsprojekt im Pfadiheim soll Grenzen überwinden

Ein neues Inklusionsprojekt wird im Pfadiheim gestartet. Geleitet wird es von Natallia Merkel aus dem Geretsrieder Ortsteil Stein.

Geretsried – Das interkulturelle Pfadfinder-Jugendnetzwerk „Wilde Rose“ mit Grundstück an der B11 startet ein neues Projekt zur Inklusion. Es wird geleitet von Natallia Merkel aus Stein. Sie wurde vom Verein eigens dafür für vier Wochenstunden eingestellt. Finanziert wird „Wilde Rose Inclusion“ für drei Jahre von der Aktion Mensch.

Oft scheitert die Inklusion sowohl von Menschen mit Behinderung als auch von ausländischen Mitbürgern gar nicht am guten Willen. „Es sind Unsicherheit und fehlendes Wissen über den anderen, die zu Missverständnissen führen“, sagt Dr. Peter Milde, Vorsitzender der Wilden Rose, im Gespräch mit unserer Zeitung. Gerade Jugendliche mit Handicap würden gerne „normal“ behandelt werden – ohne Vorurteile, ohne Mitleid oder zu viel Hilfe. Doch um zu erkennen, welche individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse sie haben, brauche es Erfahrung.

Umgestaltung vor drei Jahren

Die sollen Mitglieder und Freunde der Wilden Rose in zahlreichen Aktionen mit Menschen mit Behinderung sammeln können. Mit Jugendlichen aus anderen Ländern, mit anderen Religionen, arbeitet der Verein schon lange zusammen. Auch dieser Bereich wird ausgebaut. Vor drei Jahren wurden das Pfadiheim und der Außenbereich in einer sozialen Gemeinschaftsarbeit mit alternativen Landschaftsgärtnern barrierefrei umgestaltet. Davon sollen nun auch andere Organisationen profitieren. Sie seien herzlich willkommen, den Spielplatz, das kleine Freilufttheater und die anderen Einrichtungen zu nutzen, sagt Milde.

Natallia Merkel wird für die Vernetzung der Gruppen sorgen. Außerdem plant sie, die Schulen im Landkreis einzubeziehen. „Ich möchte Kinder und Jugendliche sensibilisieren für mehr Achtsamkeit gegenüber behinderten Mitmenschen“, sagt die gebürtige Weißrussin, von Beruf Lehrerin und selbst Mutter von drei Kindern. Zum Beispiel könne man in kleinen Gruppen herausfinden, wie es sich anfühlt, mit einer Augenbinde über den Karl-Lederer-Platz zu gehen oder wie man mit dem Rollstuhl am Neuen Platz zurechtkommt. Auf dem Pfadfinder-Gelände könne ein Hindernisparcours aufgebaut werden, den behinderte und nicht behinderte Jugendliche gemeinsam zu meistern hätten. Interessierten Jugendlichen bietet Merkel an, sie in einem Workshop zum „Assistenten für Menschen mit Behinderung“ auszubilden.

Vernetzung im Landkreis

„Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, die verschiedenen Schulen und Gruppen im Landkreis zu vernetzen“, erklärt die Projektleiterin. Demnächst wird es eine Website (www.wilderose-inclusion.de) und einen Newsletter dazu geben, jährliche Fachtage sind ebenfalls angedacht. Die Wilde Rose arbeitet dabei eng mit dem Bayerischen und dem Kreisjugendring, mit dem Behindertenbeauftragten des Landkreises, dem Verein für Integrationsförderung (VIF), der Lebenshilfe und anderen Organisationen zusammen. Erstmals konkret mitwirken können Menschen mit Handicap bei der Organisation eines Sport- und Spielefests am 24. Juli.

Inklusives Sport- und Spielfest am Pfadiheim – Kreisjugendring sucht noch Akteure

Nach einem Jahr Corona-Pause soll auf dem Gelände des Pfadiheims am Samstag, 24. Juli, wieder ein inklusives Sport- und Spielfest stattfinden. Hauptorganisatoren sind der Verein Wilde Rose, der das Pfadiheim betreibt, der Bayerische Landessportverband (BLSV) und der Kreisjugendring (KJR). Die Veranstalter sind laut Mitteilung noch auf der Suche nach weiteren Akteuren. „Vor allen fehlen uns Bands für musikalische Einlagen“, schreibt KJR-Geschäftsführerin Sandra Kresta.

Bereits 2019 fand laut Kresta ein viel beachtetes erstes Sport- und Spielefest unter der Federführung des KJR statt. „Die Schirmherrschaft hatte damals der zweimalige Weltmeister im Monoski, Georg Kreiter, übernommen.“ In diesem Jahr ist der Landkreisbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Ralph Seifert, Schirmherr. Zusätzlichen Rückenwind bekommt die Veranstaltung durch eine Förderung durch die Aktion Mensch. „Da alle Helfer ehrenamtlich aktiv sind, erhofft sich das Orgateam diesmal einen Überschuss, der für die behindertengerechte Umrüstung des KJR-Busses durch Rampe und Halterungen für Rollstühle verwendet werden soll.“

Bisher stehen eine Spielstraße, Gartenschach, Rollstuhlparcours, Bastel- und Schminkstände sowie eine Schiffschaukel auf dem Programm – ebenso wie Vorführungen einer Musikschule, eines Hundesportvereins sowie eines Rollstuhlballetts, das eigens aus Thessaloniki anreist. „Weitere Beiträge sind willkommen. Insbesondere die beiden kleinen Freilichtbühnen eignen sich super für Bandauftritte.“ Wer mitmachen will, wendet sich per E-Mail an Sandra Kresta (gf@kjr-toel.de). Dort gibt es auch die Zugangsdaten für das letzte digitale Treffen des Orgateams am Mittwoch, 21. Juli, 19 Uhr.

„Wir wollen uns generell mehr nach außen öffnen“, kündigt Milde an. Die Geretsrieder hätten bislang nicht viel von den Pfadfindern, deren Stammsitz sich in Frankfurt am Main befindet, mitbekommen. Das soll sich ändern. Natallia Merkel wird im Sommer ein Feriencamp für Sechs- bis Zwölfjährige aus Geretsried und Umgebung anbieten. Das internationale Camp „Der Große Sommer“ richtet sich an Jugendliche, auch aus dem Landkreis. Schließlich will man auf Fachtagungen, demnächst zum Thema Ernährung, auf der Homepage aufmerksam machen und Multiplikatoren dazu einladen.

tal

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