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Ein Wirt und seine Wiese: Bruno Böhm eröffnete Gasthaus im Barackenlager

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Von: Doris Schmid

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Einfach, aber gemütlich: So sah die Gaststätte vor dem Brand aus. 22 Jahre lang führten Bruno und Anna Böhm die Wirtschaft im Barackenlager. 
Einfach, aber gemütlich: So sah die Gaststätte vor dem Brand aus. 22 Jahre lang führten Bruno und Anna Böhm die Wirtschaft im Barackenlager.  © Stadtarchiv

Einkehren und es sich gut gehen lassen: In Zeiten der Corona-Pandemie lernt man den Besuch in einem Gasthaus wieder richtig zu schätzen. Da werden Erinnerungen wach an die ersten Wirtschaften, die es in Geretsried gegeben hat und die man nur noch aus Erzählungen kennt, so wie das Gasthaus Böhm.

Geretsried – Im Jahr der Gemeindegründung 1950 gab es bereits vier Wirtschaften in Geretsried: Neben dem Gasthof Geiger, der seit 1812 eine Schankkonzession besaß und den es noch immer gibt, betrieben Bruno Böhm, Anna Korb und Karl Tschannerl eine Gaststätte. Bruno Böhm war einer der Graslitzer, die mit dem ersten Vertriebenentransport im April 1946 in Geretsried ankamen.

Ein gebürtiger Graslitzer war Wirt Bruno Böhm.
Ein gebürtiger Graslitzer war Wirt Bruno Böhm. © Archiv

Die vielen hundert Menschen fanden Zuflucht in den heruntergekommenen Baracken jenseits der B11, in denen während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter hausten. Böhm erhielt 1948/49 für die Lagerbewohner die Lizenz für den ersten Bier- und Mostausschank. „Bei ihm traf man sich abends im Freien und musste noch den eigenen Stuhl mitbringen, um eine Sitzgelegenheit zu haben“, ist in der Heimatzeitung nachzulesen. „Das Bierglas wurde einfach unter den Stuhl geschoben.“

Berühmt für Gulaschsuppe und böhmisches Beischerl

Nach der Währungsreform konnte Bruno Böhm in den Baracken einige Räume anmieten, die früher als Waschküche gedient hatten. Dort entstand nach und nach trotz aller Einfachheit ein bequemes und gemütliches Gasthaus. Der Wirt hatte inzwischen geheiratet, und seine Frau Anna stand ihm tatkräftig zur Seite. Berühmt waren sie für ihre Gulaschsuppe und ihr böhmisches Beischerl.

„Beim Böhm“ wurden die ersten Vereine gegründet – natürlich war der Gastwirt Mitglied. Dort entstand das erste gesellschaftliche Leben in der größtenteils aus Bunkertrümmern bestehenden Siedlung. „Erzählen alte Geretsrieder aus den ersten Jahren, bleibt die Gaststätte Böhm niemals unerwähnt.“ Sie war Mittelpunkt und Kommunikationszentrum für die Neubürger.

1965 zog sich Böhm aus gesundheitlichen Gründen zurück, seine Gattin führte die Gaststätte noch bis 1971. Dann wurde das Lokal an Rudolf Jahnel verpachtet, bis es 1973 bei einem Brand völlig zerstört wurde.

Nach dem Brand: Das Innenleben des Gasthauses war zerstört. Aber die Reklametafel hat das Feuer überlebt.
Nach dem Brand: Das Innenleben des Gasthauses war zerstört. Aber die Reklametafel hat das Feuer überlebt. © Stadtarchiv

1983 feierte man in einem Zelt den zehnten Jahrestag dieses denkwürdigen Tages. Ehemalige Stammgäste, die Wirtsleute und Bürgermeister Heinz Schneider waren mit von der Partie. Für Bruno Böhm war die Feier eine gelungene Überraschung.

Ein Jahr später starb der Wirt im Alter von 76 Jahren. Die „Böhm-Wiese“ aber, auf der das Gasthaus stand, wird immer an ihn erinnern.

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