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Am Amtsgericht wurde der Betrug eines Mannes aus Hessen (43) verhandelt. Sein Opfer war ein Rentner aus Geretsried.

Amtsgericht Wolfratshausen 

Eine besonders fiese Masche

Mit einer Variante des berüchtigten „Enkel-Tricks“ ist im vergangenen Sommer ein Geretsrieder Rentner um sein ganzes Geld gebracht worden. Jetzt wurde der Betrüger verurteilt. Und versprach hoch und heilig, so etwas nie wieder zu tun. 

Wolfratshausen/Geretsried – Die Tat, die kürzlich am Wolfratshauser Amtsgericht verhandelt wurde, ähnelt stark dem immer wieder bei alten Leuten angewandten „Enkeltrick“. Nur, dass sich der Betrüger in diesem Fall nicht als in Not geratener Verwandter ausgab, sondern als „Rechtsanwalt Berger“. In dieser Funktion rief er am 28. August 2015 bei dem hilfebedürftigen und unter Betreuung stehenden Geretsrieder an und forderte 4000 Euro, die noch aus einem früheren Verfahren offen seien. Das Geld solle er einem „Gerichtsvollzieher“, den der Anrufer ihm vorbeischicken würde, aushändigen.

Der eingeschüchterte Rentner hob daraufhin das Geld ab und übergab es wenig später dem Unbekannten. Dieser, ein vorbestrafter Lkw-Fahrer (43) aus Hessen, saß jetzt auf der Anklagebank. Drei Wochen später meldete sich der vermeintliche „Rechtsanwalt Berger“ erneut und verlangte weitere 1600 Euro, die diesmal mittels Western Union auf eine Konto in der Türkei transferiert werden sollten. Der Rentner verfügte jedoch nicht mehr über eine solche Summe. Er offenbarte sich seiner Betreuerin, die beim nächsten Anruf zufällig zugegen war und sich in das Gespräch einschaltete. Danach hörten die Anrufe auf.

Der Betrüger unterschreibt mit dem Namen eines Rockstars

„Ich habe später festgestellt, dass er sein Konto leergeräumt hatte“, schilderte die Betreuerin vor Gericht. Auf die Spur des Angeklagten war man gekommen, weil das Opfer bei der ersten Geldübergabe eine Quittung verlangt hatte. Die hatte der Angeklagte zwar mit dem Namen des 1994 verstorbenen Nirvana-Sängers und Gitarristen Kurt Cobain unterschrieben. Anhand von Fingerabdrücken auf der Empfangsbestätigung konnte der 43-Jährige, dessen Vorstrafenregister bereits 22 Einträge umfasst, zweifelsfrei identifiziert werden.

Zur Verhandlung am Wolfratshauser Amtsgericht wurde der Mann aus der JVA Stadelheim vorgeführt. Nachdem er zum ersten Verhandlungstermin vor ein paar Monaten nicht erschienen war, war der 43-Jährige per Haftbefehl gesucht worden. Der Angeklagte räumte ein, damals nach Geretsried gefahren und das Geld in einem Umschlag entgegengenommen zu haben. Dies sei jedoch sein einziger Tatbeitrag gewesen. 300 Euro will er dafür erhalten haben. Den Namen des Mittäters wolle er aus Angst vor Repressalien nicht preisgeben. „Es tut mir sehr leid und ich möchte gerne den Schaden begleichen“, beteuerte der Mann und versprach „hoch und heilig: Es wird nie wieder so was vorkommen.“ Als besonders „verabscheuungswürdig“ stufte Staatsanwalt Michael Steinlein diese Art des Betrugs, „gezielt alte und schwache Menschen ums gesamte Vermögen zu bringen“, ein und beantragte eine Vollzugsstrafe von einem Jahr.

„Es spottet jeder Beschreibung, was sie da abgezogen haben“, hielt Richter Helmut Berger dem Angeklagten vor, setzte die Strafe jedoch zur Bewährung aus. Als Auflage muss der Verurteilte den Schaden wieder gut machen und die 4000 Euro in Raten an den Rentner zurückzahlen. Rudi Stallein

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