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Seit das Möbelhaus geschlossen hat, ist Maria S. arbeitslos.

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Eine Oma schämt sich vor ihren Enkeln

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Geretsried – Viel Geld hatte Maria S. (Name geändert) nie. Doch vor gut zwei Jahren gab es einen Rückschlag nach dem anderen. Die Geretsriederin schämt sich, kann sich aber allein nicht mehr helfen.

Dieses eine Mittagessen mit ihren Enkeln wird Maria S. nie vergessen. Die Kinder waren gerade aus der Schule nach Hause gekommen und standen neben ihrer Oma, die für sie Nudelsuppe kochen wollte. So, wie sie es oft machte, weil es ein billiges Essen ist. Aber diesmal blieben die Nudeln hart und die Suppe kalt: Ein Techniker hatte der Familie mitten unterm Kochen den Strom abgedreht. „Die Kinder haben mich gefragt, wann das Essen fertig ist“, sagt Maria S. und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. „Ihnen das erklären zu müssen, war das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe.“

Schulden kann man lange verbergen, aber für einen kalten Herd gibt es keine Ausreden. Ein Wochenende lang blieb der Strom aus, weil die Rechnungen zu spät bezahlt worden waren. Auch früher hatte Maria S. nie viel Geld. An Urlaub war nicht zu denken. Aber sie hatte zumindest eine Arbeit und eine glückliche Familie. Sie konnte lächeln, war hilfsbereit und packte an, wo sie konnte.

Mit der Schließung von Möbel Mahler verlor sie ihren Job

Dann, vor gut zwei Jahren, gab es einen Rückschlag nach dem anderen. Von der Selbstständigkeit ging es für die Geretsriederin aus wirtschaftlichen Gründen in die Privatinsolvenz. Nach fast einem Jahr Arbeitslosigkeit fand Maria S. einen neuen Job als Abteilungsleiterin bei Möbel Mahler in Wolfratshausen. „Wir waren finanziell am Löcher zuflicken“, sagt die 57-Jährige. Aber dann schloss das Möbelhaus wie berichtet im vorigen Jahr und kündigte den Mitarbeitern – darunter auch Maria S. In einem anderen Job wurde sie gemobbt. „Ich bin in einem Loch. Immer wenn ich ein Stück hochklettern kann, um zu atmen, knüppelt mich jemand mit einem Gummihammer zurück.“ So umschreibt die Geretsriederin, dass sie jetzt ganz unten angekommen ist.

Gelacht hat Maria S. schon lange nicht mehr. Nach außen versucht sie, eine gute Miene zu machen, aber innerlich zerfressen sie die Sorgen. Mehr als vier Stunden kann die Geretsriederin nicht schlafen. „Nachts, da rattert es in mir“, sagt sie. Mit der Miete ist sie zwei Monate im Rückstand, und das Konto ist überzogen – wieder einmal. Die 57-Jährige schichtet die Schulden um, aber sie kann sie nicht abbauen. Die Bank hat Maria S. unterstützt, wo es geht, aber jetzt darf die Geretsriederin nichts mehr abheben. Und in bar hat sie kein Geld.

Was an Heizkosten gespart wird, wird gepfändet

Maria S. kauft Lebensmittel dank eines 20-Euro-Wertgutscheins, den sie von der Caritas bekommen hat. Ein bisschen Brot und Wurst für sich, die Enkel und ihre Kinder, die gerade eine Ausbildung machen und deswegen selbst kaum Geld haben. Sie leben mit Maria S. zusammen und sind ebenfalls schon verschuldet, weil sie bei den Mietzahlungen halfen. Die Familie hält zusammen. Um Kosten zu sparen, haben sie vorigen Winter die Heizkörper ihrer Wohnung fast nie aufgedreht. Die 400-Euro-Rückzahlung des Vermieters pfändete der Insolvenzverwalter. Ein Teufelskreis.

Maria S. schämt sich für ihre Situation, kann sich aber allein nicht mehr helfen. Sie erzählt ihre Geschichte, „weil es jedem passieren kann“, sagt sie. Sie hätte deswegen auch ihren echten Namen in der Zeitung genannt, aber sie will ihre Kinder schützen. Eigentlich möchte sie keine finanzielle Hilfe. Was Maria S. sucht, ist ein Job. „Acht Stunden am Tag. Dann würde für uns die Sonne scheinen.“ Sie hat eine Umschulung gemacht und ein Diplom als Fachbetreuungskraft für die Pflege erworben. „Weil man im Sozialbereich immer Arbeit findet“, dachte sie. Und: „Jetzt werden wir alle Probleme lösen.“ Wenn die Geretsriederin das sagt, klingt sie selbstbewusst und entschlossen. Aber die Realität sieht anders aus. Maria S. ist 57 Jahre alt – das macht die Jobsuche schwierig. „Für die Rente bin ich zu jung und fürs Arbeiten zu alt“, sagt sie. Sogar als Putzfrau sei sie schon abgelehnt worden.

Den Enkeln nichts schenken zu können, schmerzt am meisten

Am meisten Angst hat Maria S. vor Weihnachten. Dass sich die Familie keinen Christbaum leisten kann – kein Problem. Dass sie ihre Deko aus Klopapierrollen selbst basteln – in Ordnung. Aber dass sie keine Geschenke für ihre Enkel hat – das ist schmerzhaft. „Oma, Oma“, hat ihre Enkelin dieser Tage zu ihr gesagt. „Ich war so brav, bestimmt bekomme ich etwas Tolles. So wie die anderen Kinder in meiner Klasse.“ Maria S. weiß, dass sie diesen Wunsch nicht erfüllen kann.

Vielleicht aber doch: Mit Spenden aus unserer Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ soll auch dieser Familie geholfen werden.

dor

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