Rico Lehwald, Chef des Stadionvereins, auf „seiner" Baustelle.
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„Einfach nur geil“: Rico Lehwald, Chef des Stadionvereins, in „seiner“ Baustelle. Ende des Monats sollen alle Umbauarbeiten im Heinz-Schneider-Eisstadion beendet sein.

Umbauarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss

„Einfach nur geil“: Das alte Geretsrieder Eisstadion ist ein Prachtstück geworden

  • vonPeter Borchers
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Endspurt an der Jahnstraße in Geretsried: Anfang September soll im Eisstadion alles fertig sein. 10,6 Millionen Euro hat der Umbau gekostet.

  • Wegen akuter Einsturzgefahr musste 2006 das Dach des Geretsrieder Eisstadions abgebrochen worden.
  • Inzwischen wurde die Arena für knapp 10,6 Millionen Euro überdacht und umgebaut.
  • Ein Rundgang zeigt: Aus dem alten Stadion ist ein Prachtstück geworden.

Geretsried – Als der Autor dieser Zeilen einst von der Sport- in die Lokalredaktion wechselte, suchte er – alles hat ja zwei Seiten – natürlich nach den positiven. Eine davon: Von nun an sollte er sich winters nie mehr in dieser dunklen Betongruft namens Heinz-Schneider-Eisstadion – gelegen in der gefühlt einzigen Permafrost-Region Oberbayerns – den Allerwertesten abfrieren müssen. Wunderbar! Dieser – inzwischen ein wenig verjährte – Trost wich während seines jüngsten Besuchs allerdings purem Neid: Was Stadt und Stadionverein aus der seit dem Katastrophenwinter 2006 obendrein dachlosen Arena gemacht haben – Kostenpunkt mittlerweile knapp 10,6 Millionen Euro –, ist ohne Übertreibung ein hoch modernes Prachtstück, ein Aushängeschild für Geretsried, oder wie Rico Lehwald, Chef des Stadionvereins, es ausdrückt „einfach nur geil“. Geretsrieds Altbürgermeister und zu Lebzeiten bekennender Eishockeyfan Schneider, nach ihm ist der Bau benannt, dürfte sich freuen: Er blickt quasi aus dem Paradies in ein Paradies.

Als Rico Lehwald uns durchs Rund führt, fällt eines sofort auf: Obwohl sich auf dem Spielfeld aktuell Material und Maschinen türmen, wirkt das Stadion viel größer, lichter, freundlicher als früher. Ihm sei das gar nicht so bewusst, sagt der 48-Jährige, „aber ich bin ja jeden Tag hier“. Das sei wohl wie bei den eigenen Kindern, die man täglich sehe: „Da merkt man auch nicht, dass sie schon wieder ein Stück gewachsen sind.“

Am 23. September sollen in Geretsried die ersten Schlittschuhe über das Eis gleiten

Am 23. September soll die erste Schlittschuhkufe übers frisch bereitete Eis gleiten, bis dahin muss alles fertig sein. Ein straffer Plan, doch Lehwald glaubt ihn einhalten zu können. „Die Arbeiten wollen wir bis Ende August erledigt haben, dann möchte ich damit beginnen Eis zu machen, und parallel dazu laufen sämtliche Abnahmen.“ Zuversicht schöpft der 48-Jährige aus der ihm zur Verfügung stehenden Manpower. Eismeister Andrej Merkel, beschäftigt bei der Stadt, und die vielen Angestellten des Stadionvereins, darunter einige (pensionierte) Handwerker, klotzen ran, was das Zeug hält. Am Besuchstag schleifen sie gerade den brüchigen gelben und königsblauen Lack von den eisernen Wellenbrechern auf den Rängen. Sie sollen einen neuen Anstrich gleich dem Marineblau der Sitzschalen erhalten. Vor seinen Leuten müsse er „mehrmals täglich den Hut ziehen“, betont Lehwald, „was die wegarbeiten, ist unglaublich“.

Vor meinen Leuten muss ich mehrmals täglich den Hut ziehen. Was die wegarbeiten, ist unglaublich.

Rico Lehwald, Chef des Stadionvereins

Blau wird in der Arena künftig dominieren: An der Rückwand zum Parkplatz hin prangen rechter Hand Farbmuster in vier unterschiedlichen Blauschattierungen. Die Wahl fiel auf RAL-Ton 5003, heller als der der Wellenbrecher und Sitze. Er wird die Wand komplett einfärben. Dunklere Farben würden zu sehr drücken. Die Außenfassade soll oben in einem sehr hellen Grau erstrahlen, der Kabinentrakt unterhalb der Parkplatztribüne – Teil der alten Katakomben – wird in einem dunkleren Grau gehalten. Lehwald: „Das sieht dann so aus, als würde das Stadion auf einem Sockel thronen.“

Direkt in der südöstlichen Ecke der Arena ist die Stadionkasse integriert, dort können die Besucher Tickets für die Partien der River Rats kaufen. „Eine Kasse genügt“, sagt Lehwald. Erstens würden sich viele Fans mittlerweile Dauerkarten besorgen, und zweitens „denken wir über Online-Lösungen nach. Der Kunde soll sich hier gar nicht mehr anstellen müssen, sondern seine Karte im Internet erwerben und am Eingang scannen lassen können – fertig.“

Die Trockenbauräume, die das Stadionrestaurant mit etwa 70 Plätzen sowie die nebenan platzierte Grillstation beherbergen werden, stehen ebenfalls. Anhand dieser beiden Einrichtungen wird klar: Planung ist das eine, Praxiserfahrung das andere. Ließe man die Grillausgabe so wie ursprünglich vorgesehen, würden die Zuschauer auf der obersten Stufe der Stehtribüne und die auf eine Bratwurst wartenden Besucher sich in die Quere kommen. Manches ergebe sich eben erst in der Bauphase, sagt Lehwald, „der Architekt plant, und er macht das auch gut, aber wir als Stadionbetreiber wissen halt, wie’s während des Spielbetriebs wirklich läuft“. Die Lösung für dieses Problem: „Wir werden die oberste Stufe in diesem Bereich verbreitern, den ersten Wellenbrecher in Richtung Spielfeld verschieben, dann ist genug Platz für alle.“

Innenleben: Die Beleuchtung des künftigen Restaurants, derzeit eher an einen Operationssaal erinnernd, soll gemütlicher werden.

Auch die Beleuchtung in der Gaststätte sei nicht das Nonplusultra, sagt der Stadionchef. Die Schalter sind direkt neben dem Eingang angebracht – auf den ersten Blick sinnvoll, auf den zweiten weniger: „Jedes Kind kann da rumdrücken“, moniert Lehwald, „die Schalter müssen also hinter den Tresen.“ Außerdem sind dem 48-Jährigen die modernen, jedoch nicht dimmbaren LED-Deckenleuchten „viel zu grell“. Er möchte das ändern lassen. „Wir brauchen hier eine Wohnzimmeratmosphäre, kein Ambiente wie in einem Operationssaal.“

Der Traum von einer großen LED-Wand für Public Viewing

Einen Biergarten vor dem Stüberl wird es nicht mehr geben. „Wir hatten ja die Hoffnung, dass wir mit ihm die Radler, die an der Isar entlang fahren, anlocken können. Aber das hat nicht funktioniert.“ Fakt sei jedoch, „dass wir in Verbindung mit der Stadt im Nachgang das eine oder andere optimieren wollen“. Lehwald denkt an eine vom Architekten nicht vorgesehene Überdachung aller Zugänge. „Im Winter hast du jetzt das Problem, dass der Wind den Schnee in die Eingangsbereiche weht. In einem so modernen Stadion, denke ich, wäre es aber schöner, wenn alles im Trockenen bleibt.“ Die neuen Türen ließen sich dazu nach vorne versetzen, sagt der 48-Jährige. Völlig transparente Spieler- und Strafbänke ohne sichtbehindernde Eisenstreben würden dem Stadionchef ebenfalls gefallen; und eine große LED-Wand für Public Viewings, irgendwann einmal. Allerdings müsse der Verein die Kosten für solche Träume komplett alleine tragen, „und deshalb müssen wir erst einmal wieder Geld einnehmen“.

Vereinsmitglieder legen sich mächtig ins Zeug

Auf der Seite gegenüber dem Stüberl liegen auf Höhe der Eisfläche die Arbeiten an Jugend- und Schiedsrichterkabinen, den dazu gehörenden Sanitärräumen, den Besuchertoiletten, den Physio- und Sanitätsräumen, dem Eismeister-Büro sowie – in der Etage darüber – am VIP-Stüberl und am Büro des Stadionvereins in den letzten Zügen. „Die Nachwuchskabinen haben wir vom Verein selber gemauert und auch die Türen eingezogen“, sagt Lehwald stolz. Nur das Verputzen außen habe man einer Fachfirma überlassen „dafür haben wir leider keinen Experten in unseren Reihen“. Die derzeit freie Fläche neben dem VIP-Stüberl sollen künftig ein Fitnessraum für die Sportler sowie die Geschäftsstelle des ESC Geretsried füllen. „Auch das wollen wir in Eigenleistung ausbauen“, betont Lehwald. Was gar nicht so einfach ist: Da in der Planung des Architekten nicht einkalkuliert, musste sich der Verein dafür zunächst neue Genehmigungen im Landratsamt einholen. Und der Statiker muss jetzt noch berechnen, was in welcher Form auf der oberen Etage errichtet werden darf.

Endspurt: Arbeiter legten letzte Hand an Schiedsrichterkabinen und Toiletten (unten) sowie den VIP-Raum (oben) an.

Die Tücken des Brandschutzes

Wie kompliziert ein Bau werden kann, soll er nicht nur als Sport- sondern auch als Versammlungsstätte zugelassen werden, weiß Lehwald inzwischen nur zu gut. Letzteres ist wichtig, weil Verein und Stadt das Stadion auch für Veranstaltungen abseits des Sports nutzen und somit zusätzliche Einnahmen generieren möchten. Eine barrierefreie Toilette und viele Notausgänge sind deshalb Pflicht, ebenso ein hoch komplexer Brandschutz. Um ein Beispiel zu nennen, geht es zurück in den Kassenraum: Ein Flügelfenster dort würde sich zur einen Seite direkt vor den PC, zur anderen ins Kreuz des Kassiers öffnen. Ein Schiebefenster wäre also die Lösung. Nur: Dafür bekommt man in Bayern laut Lehwald keine Brandschutzgenehmigung. Die gebe es erst in Verbindung mit einem zusätzlichen Brandschutzvorhang, „aber der kostet Tausende“. Anderes Beispiel: Alle Stromleitungen sollten ursprünglich durch Wände und Träger führen. Verwirklichen lässt sich das jedoch nicht, „weil die Technik nach und nach immer aufwendiger wurde“, erzählt Lehwald. Irgendwann habe der Statiker die Bremse reingehauen: Diese Kabelmengen – der Elektriker schätzte sie auf insgesamt knapp 40 Kilometer Länge – dürften wegen ihres Gewichts und ihrer Brandlast nicht mehr in den Wänden laufen, so sein Verdikt. Jetzt liegen sie auf externen Stahlträgern und Kanälen.

Künftig soll im Stadion niemand mehr frieren

Sobald endlich alles fertig ist, soll die moderne Lüftungsanlage die Temperatur auf den Rängen während der Spiele auf 15 Grad erwärmen. In der vergangenen Saison war das aufgrund der ständig offenen Türen und Baulücken noch nicht möglich. Da zudem die vielen Kabinen beheizt sind, wird der Betongrund ebenfalls nicht mehr auskühlen. „Und bekommen wir noch eine gewisse Routine bei der Nutzung der Anlage, braucht in diesem Stadion keiner mehr zu frieren“, verspricht Rico Lehwald. Der Permafrost an der Jahnstraße wird dann für immer Geschichte sein.

peb

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