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Dunkle Wolken über dem Stadtzentrum. Nicht alle Geretsrieder sind mit den Plänen für die Neugestaltung des Karl-Lederer-Platzes und der Egerlandstraße einverstanden.

Einwendungen haben Folgen

Zentrumsplanung: Bürger haben Bedenken

Geretsried - In Geretsried gibt es erhebliche Bedenken gegen ein großes Projekt. Mit 164 Einwendungen gegen die Zentrumsneugestaltung befasste sich vor kurzem der Entwicklungs- und Planungsausschuss.

Die öffentlichen Stellen und zahlreiche Bürger haben ihre Bedenken und Anregungen zu der von der Stadt geplanten Neugestaltung des Karl-Lederer-Platzes und der Egerlandstraße eingereicht. Der Bebauungsplan lag von Anfang Juni bis Anfang Juli öffentlich aus. Rund 170 Seiten mit Einwendungen hatten die Mitglieder des Entwicklungs- und Planungsausschusses (EPA) am Dienstag durchzuackern. Die Kritikpunkte sind im Wesentlichen die Grundwasserproblematik, die befürchtete Verschattung und Verkleinerung des Karl-Lederer-Platzes durch den „Turm“ der Firma Krämmel, die Verdrängung des Rathauses als Wahrzeichen Geretsrieds durch diesen markanten, siebenstöckigen Bau sowie die Verkehrssituation.

Viele Bürger und Anwohner sorgen sich wegen der starken Verdichtung von Geretsrieds guter Stube, die zuletzt vor nicht einmal zehn Jahren aufgemöbelt worden ist. Die Stadt dagegen will mehr Flächen für Geschäfte, Gastronomie, Dienstleister und Wohnraum schaffen, um das Zentrum zu stärken und zu beleben. Das Gebäude an Stelle des ehemaligen Drogeriemarkts Schlecker soll architektonisch einen „städtebaulichen Kontrapunkt“ setzen.

Der Investor, der Wolfratshauser Bauunternehmer Reinhold Krämmel, wiederum will möglichst hoch hinaus, damit sich die Investition rentiert. „Turm“ oder „Klotz“ nennen Gegner den von Krämmel geplanten, rund 25 Meter hohen Querriegel zum Martin-Luther-Weg hin despektierlich. Sie befürchten, dass der Karl-Lederer-Platz zu einem großen Teil verschattet wird und die verbleibende Fläche zudem nicht mehr für Veranstaltungen wie den Wochenmarkt, den Christkindlmarkt und Feste ausreicht. Die Bedenken teilen der Gewerbeverband und der Geretsrieder Einzelhändlerverein ProCit. Das denkmalgeschützte Rathaus würde zudem erheblich in seiner Bedeutung herabgesetzt, das „Gesicht“ der Stadt nachhaltig beschädigt, heißt es in der Stellungnahme einer Anwohnerin.

Auch viele Bewohner des hochwassergeplagten Blumenviertels haben sich zu Wort gemeldet. Sie befürchten, dass sich das Grundwasser nach starken Regenfällen durch die Verdichtung und den Bau zweier Tiefgaragen im Zentrum – unter dem Krämmel-Bau und unter dem Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses an der Egerlandstraße 58 bis 74 – seinen Weg in ihre Keller bahnen wird. Die Stadt hat erklärt, ein Fachbüro begleite das Vorhaben. Vor der Baumaßnahme würden Messstellen eingerichtet, die Aufschluss über die Grundwassersituation geben.

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim meldet nicht nur wegen des Grundwassers Bedenken an. Es fragt sich, ob die Wasserversorgung für die entstehenden Wohnungen, für die neuen Büros und Läden ausreichen wird. Im Moment seien hohe Wasserverluste im Leitungsnetz zu beklagen. Die Polizei schließlich weist darauf hin, dass die geplante Tiefgarageneinfahrt zum Krämmel-Gebäude , die vor dem Martin-Luther-Weg abzweigen soll, wegen der Rechts-vor-links-Regelung gefährlich sein könnte.

Damit nicht genug: Lärm und Geruchsbelästigungen durch die Supermärkte samt Backshops werden von den Nachbarn sowohl am Karl-Lederer-Platz als auch an der Egerlandstraße 48 bis 74 befürchtet.

Die Reaktion der Mitglieder des städtischen Fachausschusses am Dienstag: Aufgrund der zahlreichen Einwände wird der Bebauungsplan noch einmal überarbeitet und anschließend erneut öffentlich ausgelegt.

tal

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