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Herr der Klinge: Willi Bahn und sein – abgetautes – Re ich. Über Jahrzehnte hobelte und glättete der Geretsrieder die Eisfläche im Heinz-Schneider-Stadion, damit die TuS- und später ESC-Cracks ein ordentliches Spielfeld vorfanden. Foto: sh

Eis ohne Bahn

Ex-Eismeister Willi Bahn im Porträt

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Gut 30 Jahre sorgte Eismeister Willi Bahn im Heinz-Schneider-Stadion für perfekte Bedingungen. Nun ist der 65-Jährige im Ruhestand.

Geretsried – Einige Eishockeyfans werden sich erinnern: Als noch ein Dach das Heinz-Schneider-Eisstadion toppte, waren in den Platten, die es von unten verkleideten, vereinzelt Löcher zu sehen. Ganz offensichtlich gehörten die dort nicht hin. Wer sie hineingebohrt hat? Willi Bahn kennt die Antwort – und er verrät die Strolche auch. Ihre Tat ist längst verjährt, das Dach Geschichte. „Joe Gibbs und Troy Thrun waren es“, sagt der 65-Jährige und grinst. Die beiden legendären TuS-Legionäre hätten sich einst einen Spaß daraus gemacht, den Puck mittels eines kunstvollen Golfschlags ins Dach zu feuern. „Ab und zu war auch eine der Lampen im Weg, dann musste die dran glauben.“

Bei einem Bier überredet

Willi Bahn weiß so ziemlich alles, was sich in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten im und ums Eisstadion zugetragen hat. Seit 1981 arbeitete er dort als Eismeister: bis 2001 als Angestellter der Stadt, ab 2006 – nach krankheitsbedingter fünfjähriger Pause und anschließender Erwerbsunfähigkeits-Verrentung – im Auftrag des damals neu gegründeten ESC Geretsried. Bahn ließ sich von Vereinsboss Stefan Strobl und Stadionchef Christian Hempel seinerzeit „bei einem Bier“ zur Mitarbeit überreden. „Abgemacht haben wir’s per Handschlag.“

Über die Feuerwehr zum Eishockey

So ist Bahn. Geradeheraus, ein Mann der Tat. 1970 lernt der gebürtige Sauerlacher im Wolfratshauser Disco-Tempel Sound eine gewisse Marianne kennen, ein Jahr später heiratet er sie und wiederum ein Jahr später baut er mit ihr in Gartenberg ein Haus. Während dieser Zeit ist der gelernte Feinmechaniker Grenzschützer in Rosenheim. Nach dem Ende seiner Dienstzeit heuert Bahn beruflich bei der Pumpenfabrik Speck an und privat bei der Feuerwehr. Über letztere – sie stellt traditionell eine der großen Fangruppen – findet der begeisterte Fußballer den Zugang zum Geretsrieder Eishockey. Kommandant Hans Herbrik, beruflich damals Chef der Friedhofs- und Grünanlagenverwaltung, vermittelt dem 29-Jährigen schließlich eine Stelle in seiner Abteilung.

Eisbereitung „ist eine Kunst für sich“

In die Eismeisterei rutscht Bahn irgendwie rein. Er hilft zunächst aus, „wenn jemand im Urlaub oder krank“ ist. Dann hat er den Job fest. Und der stellt sich rasch als vielfältig heraus: Reinigung der Piste, der Tribünen und der Außenanlagen, die Isolierung der Heizungsrohre, das Nachspannen der Dachträger, Filterwechsel in der Lüftungsanlage, Weißeln der Kabinen, Reparatur- und Wartungsarbeiten, Linieren des Spielfelds – all dies und noch mehr gehört zu den Aufgaben Bahns und seiner Kollegen. „Das Areal ist groß“, sagt der 65-Jährige. Am nachhaltigsten wird er aber als der Mann in Erinnerung bleiben, der während der Spielpausen auf der Zamboni – nomen est omen – seine ausgetüftelten Bahnen zog und für glattes Eis sorgte – nicht selten von „Willi-Willi“-Rufen seiner Feuerwehrler angefeuert. Die Eisbereitung „ist eine Kunst für sich“, sagt Bahn. „Du brauchst Erfahrung und Gefühl dafür.“ Wer beides nicht hat, hobelt zu viel Eis ab oder schießt das heiße Wasser durchs Eis bis zum Beton.

Zwei leichte Damen und ein Revolver

An Bundesligazeiten, bis zu 1500 Zuschauer und grandiose Spieler im TuS-Trikot – Danny Naud, Rossi Vlach, Wayne Hynes, Paul Beraldo, Heinrich Korph – erinnert sich Bahn ebenso gerne wie an viele Anekdoten. Zum Beispiel die: Match des TuS gegen Hedos München. An der Bande stehen zwei Damen – ihrer Takelage nach offensichtlich vom horizontalen Gewerbe und Mitbringsel eines Münchner Akteurs. „Jeder unserer Spieler hat sie angemacht“, erzählt Bahn, „bis die eine ihre Handtasche aufgemacht und einen Revolver gezeigt hat. Dann war Ruhe.“ Etwas verschämt verrät er, wie er die Zamboni beim Rausfahren des Schnees auf einen Baumstumpf setzte. „Nix ging mehr, weder vor noch zurück, und auf’d Nacht war ein Spiel.“ Mittels Feuerwehr und Gabelstapler stand die Eismaschine aber rechtzeitig wieder dort, wo sie hingehört. Wenn Willi Bahn spricht, fallen oft die Begriffe „wir“ und „uns“. Ihm selbst fällt das sogar auf. „Dies alles ist allerweil noch meins“, sagt er und weist auf das Stadionrund. So ganz loslassen kann ich wohl nicht.“ Muss er auch nicht. Als Not-Not-Notnagel will er dem Verein „für zwei Stunden“ aushelfen, „falls es die Gesundheit mir erlaubt“.

Loslassen kann übrigens auch der ESC nicht: Stadionchef Rico Lewald gab bei Bahns offiziellem Abschied ein Versprechen ab: Die erste Fahrt mit der Zamboni beim ersten Punktspiel unter dem neuen Dach, die gehört dem Willi. Wem sonst?

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