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Quartett mit sechs Fäusten: Edelweiß-Boss Waleri Weinert (3. v. li.) mit seinen Schützlingen (v. li.) Ibrahim Ahmed, Adrian Chmielewski und Ilija Marinkovic beim Turnier in Fürstenfeldbruck.

Geretsried

Eiserne Regeln im und neben dem Ring

Bei Edelweiß Geretsried boxen mittlerweile rund 20 junge Asylbewerber – Zwei Siege bei Turnier in Fürstenfeldbruck

Edelweiß Geretsried versteht sich als ein integrativer Sportverein, der in den gut 15 Jahren seines Bestehens Sportler vieler Nationalitäten zusammengebracht hat. Kasachen, Russen, Kroaten, Italiener, Rumänen, Bosnier, Griechen, Polen, Albaner, Moldawier, Angolaner, Tschetschenen und Türkei trainierten und trainieren schon für Waleri Weinerts Verein, dessen Aushängeschild die Boxsparte ist. Und nun eben junge Asylbewerber. Über 30 sind bislang bei den Edelweißen vorstellig geworden, teils über die Mundpropaganda, teil durch die Vermittlung von Einrichtungen wie das Eurasburger Kinderheim Inselhaus. Der Sportverein hat sich halt einen Namen gemacht mit seiner wichtigen Arbeit.

Aber längst nicht alle durften bleiben. Es gebe Regeln, sagt Klubchef Weinert. Und einige hätten sich während der zwei- bis dreiwöchigen Probezeit nicht an sie gehalten. „Das fängt damit an, dass bei uns Männer und Frauen gleichberechtigt sind, geht über die Kleiderordnung weiter bis zum gegenseitigen Respekt“, sagt der gebürtige Russe und schildert eine kleine Episode: Ein junger Mann habe in der Umkleidekabine einen Kaugummi auf den Boden gespuckt; den Boden, den der Edelweiß-Boss gerade eigenhändig wischte. „Ich habe ihm gesagt, das tue man nicht“, erzählt Weinert. Der Bursche habe in seinem Verhalten aber keinen Fehler gesehen, habe vielmehr behauptet, „dass das normal sei, dort wo er herkommt“. Hier sei das anders, machte Weinert ihm deutlich. „Wenn er das begriffen hat, darf er wiederkommen. Unsere Tür steht immer offen.“ In den meisten Fällen lief die Eingliederung der Flüchtlinge, darunter zahlreiche unbegleitete Jugendliche, bislang aber reibungslos. „Wir haben gut 20 Neue, und das sind alles Musterschüler.“

Einer davon ist Ibrahim Ahmed. Ihn nahm Weinert am Samstag zu den Medaillen-Open des BC Piccolo Fürstenfeldbruck mit, bei denen der 16-jährige Eritreer sein Debüt im Ring gab. Er unterlag Noel Paruszewski in Runde eins, jedoch nicht deshalb, weil der Münchner besser war. Der Ringrichter nahm Ahmed aus dem Kampf, als er bei ihm Zeichen einer Kreislaufschwäche ausmachte. Es stellte sich heraus, dass der junge Athlet in den drei Tagen vor dem Kampf kaum etwas gegessen hatte. Ob vor Aufregung oder aufgrund einer ernsthaften psychischen Störung, wollen die Fachleute vom Inselhaus, wo Ahmed lebt, nun herausfinden.

Unstrittig waren die Duelle der beiden Edelweiß-Schwergewichte in der 91-Kilogramm-Klasse. Ilija Marinkovic bezwang in einem auch optisch ansprechenden Fight den Salzburger Koblinger, nachdem der Referee den Österreicher zweimal angezählt hatte. Adrian Chmielewski dominierte Christian Zeiter aus Landau so deutlich, dass dem Geretsrieder in Runde drei die Gäule ein wenig durchgingen. „Er hat die Deckung runtergenommen und ein bisschen arrogant geboxt“, schildert Weinert die Faxen seines Schützlings. Dafür musste sich Chmielewski trotz des Sieges einen rügenden Klaps seines Coaches gefallen lassen – übrigens mit absoluter Duldung von Papa Chmielewski, dreifacher Polnischer Box-Champion und in Fürstenfeldbruck Weinerts Sekundant in der Ringecke. Bei Edelweiß Geretsried hat man sich eben zu benehmen – auf und neben dem Seilgeviert. peb

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