Ein Junge lernt mit Kopfhörern an seinem Schreibtisch
+
Lernen daheim war vor den Weihnachtsferien wieder für Schüler angesagt.

Distanzunterricht am Gymnasium Geretsried

Elternbeiratsvorsitzende im Interview: Wunsch nach einer Plattform, die auch funktioniert

Der Distanzunterricht klappt nicht reibungslos. Das ist am Gymnasium Geretsried nicht anders. Elternbeiratsvorsitzende Jennifer Kübler fordert eine Plattform, die funktioniert.

Geretsried – In ganz Bayern gab es während der letzten Schultage vor den vorgezogenen Weihnachtsferien mit dem Distanzunterricht Probleme. Einer der Gründe war, dass die Lernplattform Mebis wegen Überlastung nicht funktionierte. Unsere Mitarbeiterin Tanja Lühr sprach mit Jennifer Kübler, der neuen Elternbeiratsvorsitzenden am Geretsrieder Gymnasium, wie es dort lief.

Vorsitzende des Elternbeirats am Geretsrieder Gymnasium: Jennifer Kübler.

Frau Kübler, vom 16. bis 18. Dezember gab es aufgrund der erneut gestiegenen Covid-19-Infektionszahlen auch am Geretsrieder Gymnasium Wechselunterricht. Das heißt, ein Teil der Schüler ging in den Unterricht, der andere Teil machte „Homeschooling“. Verpflichtend vorgeschrieben war der Distanzunterricht zwar nur für die Abschlussklassen, aber auch in den anderen Jahrgangsstufen konnten die Schulen ihn anstelle des selbstständigen „Distanzlernens“ anbieten. Die Frage ist: Hat der Unterricht zuhause geklappt?

Jennifer Kübler: Aufgrund der Überlastung von Mebis saßen natürlich viele Kinder morgens, pünktlich um 7.55 Uhr vor dem Computer und waren relativ schnell demotiviert, da sie die Aufgaben für den Tag erst am Nachmittag erhielten. Damit sind wir auch schon beim nächsten Thema: Wir brauchen eine akzeptable Alternative zu Mebis wie zum Beispiel E-Mail-Verteiler oder MS Teams als Austauschplattform oder Google Suite for Education.

Andere Schulen sind auf solche alternativen Plattformen umgestiegen. Hat man darüber nachgedacht am Geretsrieder Gymnasium?

Jennifer Kübler: Dazu ist mir nichts bekannt. Ich weiß, dass an der benachbarten Realschule Schulmanager.de erfolgreich verwendet wird. Am Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium und am Gymnasium in Bad Tölz beispielsweise wird Online-Unterricht praktiziert (über MS Teams/BigBlueButton). Aufgrund einer schnell eingeholten Datenschutzerklärung der Eltern war das wohl sehr unkompliziert. An unserem Gymnasium finden natürlich auch Videokonferenzen statt, aber anscheinend nicht von allen Lehrkräften. Ich habe gehört, dass die Zeit vom ersten zum zweiten Lockdown intensiv genutzt wurde, sich im Bereich der digitalen Unterrichtsvermittlung fortzubilden. Manche Lehrkräfte waren in den drei Tagen online zum gewohnten Stundenplan für die Schülerinnen und Schüler erreichbar und beantworteten offene Fragen zum Lernstoff. Aber leider haben uns auch beunruhigte Eltern angesprochen, die genau von dem Gegenteil berichteten. Aufgrund dieser Beschwerden entsteht auch der Eindruck, dass unser Schulsystem noch nicht so gut vorbereitet ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Erwartungshaltung an einen Onlineunterricht, über welche Plattform auch immer, sehr unterschiedlich ist.

Das sind keine guten Aussichten für eine Wiederaufnahme des Unterrichts nach dem 11. Januar 2021.

Jennifer Kübler: Der Elternbeirat arbeitet eng mit der Schulleitung zusammen. Sollte der Inzidenzwert im Landkreis weiter hoch bleiben, wird es wohl vorerst beim kompletten Distanzunterricht oder Wechselunterricht bleiben. Aber leider weiß heute niemand wie wir im Januar 2021 starten können. Ein Konzept verschiedener Stufenmodelle gibt es, aber die Umsetzung sollte garantiert sein. Im Hinblick auf die interaktive Stoffvermittlung wäre ein verpflichtender Distanz-Onlineunterricht für alle Klassenstufen notwendig.

Die Kinder genießen jetzt erst einmal die Ferien. Aber die Aussicht auf chaotischen Distanzunterricht danach ist sicher nicht verlockend für sie, oder?

Jennifer Kübler: Absolut nicht. Schule soll ja Spaß machen, und die Schüler vermissen ihre Klassenkameraden sehr. Einzelne Pädagogen bemühen sich wirklich, die Klassengemeinschaft auch virtuell zu erhalten, und sind für Fragen über BigBlueButton erreichbar. Es wäre so schön, wenn mehr in dieser Richtung unternommen werden könnte, um den Kindern diese schwierige Situation zu erleichtern. Außerdem fielen dem Lockdown gerade in der Oberstufe kurzfristig viele Klausuren zum Opfer. Dies war die Entscheidung vom Kultusministerium, aber wir wünschen uns trotzdem eine Plattform, die einwandfrei im Januar 2021 zur Verfügung steht.

tal

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare