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Für Aufregung sorgte Dominikanerpater Prof. Dr. Wolfgang Hariol Spinder beim politischen Aschermittwoch 2014. Er geißelte die Gleichstellung der Homo-Ehe.

Immer weniger Gäste in den vergangenen Jahren

Ende einer Tradition: CSU-Ortsverein veranstaltet keinen politischen Aschermittwoch in Geretsried

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Der CSU-Ortsverein verzichtet heuer auf eine traditionsreiche Veranstaltung: Es wird keinen politischen Aschermittwoch in Geretsried geben. Das Interesse war zuletzt zu gering.

Geretsried– Die Fastenzeit wird diese Woche ohne den traditionellen politischen Aschermittwoch der Geretsrieder CSU eingeläutet. Rund zehn Parteimitglieder steigen in den Bus, um mit Landkreis-Kollegen nach Passau zu fahren. In Geretsried selbst wird es keinen Gottesdienst mit anschließendem Fischessen und Festredner mehr geben. Ortschef Ewald Kailberth hat beim CSU-Stammtisch verkündet, dass „wir entschieden haben, das nicht mehr zu machen“. Der Vorstand denke über ein anderes Format nach.

„Die Gäste sind von Jahr zu Jahr weniger geworden“, erklärt Kailberth auf Nachfrage. Das sei schade, schließlich wären es immer tolle Veranstaltungen gewesen. Politische Größen wie Edmund Stoiber, Otto von Habsburg und Peter Gauweiler statteten dem Saal der Ratsstuben einen Besuch ab. Ersterer sprach im Jahr 2012 vor gut 300 Geretsriedern.

20 Gäste im vergangenen Jahr

Danach ging es aber bergab. Zuletzt kamen gerade einmal 20 Interessierte, als vergangenes Jahr Ex-Stadtrat Dominik Lamminger beim politischen Aschermittwoch sprach. Der Ortsverband der CSU war zu diesem Zeitpunkt längst in den kleineren Saal der Gaststätte gezogen. Dafür seien Aufwand und Kosten zu hoch, sagt Kailberth. Zumal man damit beim politischen Aschermittwoch weniger Menschen anspreche als bei den regelmäßigen Stammtischen der Partei.

Der CSU-Ortschef erklärt sich das gesunkene Interesse mit dem Zeitgeist. „Die meisten holen sich ihre Informationen im Netz und gehen weniger weg“, sagt er. Man könne die Menschen nicht mehr mit solchen Veranstaltungen abholen. Eine Alternative wäre möglicherweise, die Bürger zu bestimmten Themen einzuladen. „Vielleicht auch zu einer anderen Jahreszeit.“ Kailberth verspricht, dass die CSU im anstehenden Wahlkampf einige Höhepunkte plane – vielleicht gebe es eine Wiederauflage des erfolgreichen Hoffests in Gelting.

Gerhard Meinl initiierte den politischen Aschermittwoch in den 1980er Jahren

Initiiert hat den Geretsrieder politischen Aschermittwoch Gerhard Meinl in den 1980er Jahren, als er CSU-Ortschef war. „Ich glaube, der erste Redner war Lothar Späth“, sagt er. Er habe es schön gefunden, abends in Geretsried über die großen Veranstaltungen vom Vormittag zu reflektieren – „klassisch mit Fisch, Musik und deftigen Reden“. Da die großen Politiker an diesem Tag meist nicht greifbar waren, seien oft ungewöhnlichere Redner zu Gast gewesen. Dass seine Tradition heuer

nicht mehr fortgesetzt wird, stimmt den CSU-Stadtrat aber nicht traurig. Man dürfe nicht auf das pochen, was nicht mehr gefragt ist. „Es ist allgemein so, dass sich Formate ändern.“

Politischer Aschermittwoch sorgte für Gesprächsstoff

Nach Passau wird Gerhard Meinl nicht mitfahren. Ewald Kailberth schon, und er ist schon gespannt, den politischen Aschermittwoch der Drei-Flüsse-Stadt zum ersten Mal vor Ort zu erleben.

Ob der mit der Geretsrieder Tradition mithalten kann, wird Ansichtssache bleiben. Immerhin erntete Edmund Stoiber mit seiner „Geretsrieder Rede“ Standing Ovations, in der er erklärte, dass Wolfratshausen noch viel von Geretsried lernen könnte. Ilse Aigner verbreitete Optimismus im Ratsstubensaal, der bis auf wenige Plätze voll besetzt war.

In Erinnerung bleibt auch der Auftritt von Dominikanerpater Prof. Dr. Wolfgang Hariol Spinder, der darlegte, dass homosexuellen Paaren nicht dieselben Rechte zustünden wie heterosexuellen Paaren. Er erntete eine wütende Flut von Leserbriefen. Die damalige CSU-Landratskandidatin Sabine Lorenz und der Geretsrieder CSU-Bürgermeisterkandidat Michael Müller distanzierten sich einige Tage später von diesen Aussagen.

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