1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Geretsried

Energiekrise: Kosten in Eisstadion explodieren - Präsident mit düsterer Prognose

Erstellt:

Von: Doris Schmid

Kommentare

Heinz-Schneider-Eisstadion
Heimat für rund 250 Kinder und Jugendliche: das Heinz-Schneider-Eisstadion in Geretsried. Die Erste Mannschaft des ESC River Rats spielt in der Bayernliga, der höchsten Amateurliga, die es im bayerischen Eishockey gibt. © Hans Lippert

Von 120.000 auf 323.000 Euro sind die Betriebskosten für das Heinz-Schneider-Eisstadion heuer gestiegen. Das Defizit deckt die Stadt - wenn auch mit Zähneknirschen.

Geretsried – Der Eissport kommt die Stadt Geretsried teuer zu stehen: Über zwölf Millionen Euro kostete die Sanierung des Heinz-Schneider-Eisstadions. Jetzt explodieren die Betriebskosten. Heuer sind sie fast dreimal so hoch, wie in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats klar wurde.

Sie steigen von 120 000 Euro auf 323 000 Euro. Eine Summe, die der ESC River Rats allein nicht stemmen kann. Deshalb hatte der Verein eine Aufstockung des Zuschusses beantragt. Die bestätigte der Ausschuss zähneknirschend – mit Ausnahme der Grünen-Vertreter.

Energiekrise: Kosten für Eisstadion steigen - Defizit ist „nicht zu erwirtschaften“

Betreiber des Eisstadions ist der Verein ESC Sportstadion. Als Pächter legt er die Betriebskosten auf den ESC River Rats als Mieter und Hauptnutzer des Stadions um. Der nutzt es neun Monate im Jahr. Die Kosten für eine Trainingsstunde sind von 70 auf 190 Euro gestiegen. Das dadurch entstandene Defizit in Höhe von gut 200 000 Euro sei nicht zu erwirtschaften, heißt es im Antrag des Vereins, der von der Stadt im Rahmen der Sportförderung finanziell unterstützt wird.

Hohe Stromkosten: Komplizierte Technik in Eisstadion erfordert viel Energie

ESC-Präsident Thomas Ranft, erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, wie es zu den massiv gestiegenen Betriebskosten gekommen ist. Zum einen sei das Eisstadion ein technisch sehr aufwendiges Gebäude mit Klimatisierungsanlage, die die Luft über dem Eis kühlt und auf den Tribünen erwärmt. „Das ist ein relativ kompliziertes Verfahren“, sagt Ranft.

„Und das treibt die Kosten nach oben.“ Zum anderen sei es durch die coronabedingte Schließung zu Einnahmeausfällen gekommen. „Das muss man auch bedenken“, meint der ESC-Präsident. „Jetzt laufen wir mit den wahnsinnig hohen Energiekosten in die nächste Krise rein.“

Lesen Sie auch: Saisonauftakt bei den River Rats

Betreiberverein und Sportverein haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, „später als viele andere Stadien“ mit der Eisbereitung und damit auch mit dem Training auf dem Eis zu beginnen, heißt es in einer Stellungnahme. „Auch haben wir schon jetzt den Termin für das Saisonende vorgezogen.“

Ferner sei der Betreiberverein seit vielen Jahren dabei, die Anlagen zu optimieren. Zusammen mit Ingenieuren und IT-Spezialisten sei es gelungen, die Kälteanlagen, die bereits seit 2003 ihren Dienst tun, soweit zu optimieren, dass „eine bessere Leistungsentfaltung bei geringen Betriebskosten möglich wurde“.

Um weiter Strom zu sparen: Möglichkeiten zur Energieeinsparung werden geprüft

Um weiter Strom zu sparen, „werden die Eistemperaturen nach oben angepasst“. Die Eisbelegung will der Betreiberverein so gestalten, dass möglichst keine Leerzeiten entstehen. Die Leuchtmittel im Stadion seien vollständig auf LED-Technik umgerüstet. Angedacht sei, die Halle an eine Brauchwasserversorgung anzuschließen und die Möglichkeiten von Photovoltaik auszuloten.

Thomas Ranft
Thomas Ranft, Präsident des ESC. © MM-Archiv

Beide Vereine seien sich im Klaren darüber, dass der Eissport deutlich mehr Energie verbrauche als die meisten anderen Sportarten. „Wir arbeiten intensiv an Lösungen, wie wir kurzfristig weitere Energieeinsparungen umsetzen können“, versichern sie in ihrem Schreiben. „Mittelfristig wollen wir Investitionen in die Steigerung der Energieeffizienz oder auch eigene Energiegewinnung vorantreiben.“

Aktuelle Nachrichten aus Geretsried lesen Sie hier.

ESC-Präsident Ranft hofft, dass seine neun Mannschaften die – verkürzte – Saison auch zu Ende spielen können. „Ob uns das gelingt, steht in den Sternen.“ Denn: Der Energieversorger habe angekündigt, dass die Preise steigen werden. Ab 1. Januar werden sich laut Ranft die Stromkosten vervierfachen. „Aber es betrifft nicht nur uns, sondern auch Hallenbäder und Sporthallen in der Republik“, sagt Ranft.

Energiekrise: Werden Sportstätten generell geschlossen?

Er bedauert, dass es keine Infos von Seiten des Verbands gebe. Er will an die Politik herantreten und das Gespräch suchen, denn bislang wisse man nicht, welche Ideen es gibt. „Es kann sein, dass der Landtag oder der Bundestag beschließt, dass die Sportstätten geschlossen werden“, mutmaßt Ranft. „Wenn wir das Stadion schließen, ist der Sport erst mal tot. Bis man das wieder aufgebaut hat, das dauert Jahre.“ Nun sei die Politik gefordert. Denn: „Da kommt auf den Sport gewaltig etwas zu.“

Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare