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Experte der Kripo klärt auf: Die Tricks der Telefonbetrüger - und wie man sich schützt

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Von: Dominik Stallein

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Ein Symbolfoto
Enkeltrick, Schock-Anrufe, falsche Polizisten: Telefonbetrüger haben viele Maschen. Aber man kann sich auch schützen. © Jan-Philipp Strobel/dpa (Symbolbild)

Trickbetrüger finden immer wieder Opfer – oft am Telefon und im Internet. Der Kripo-Beamte Simon Bräutigam gibt Tipps, um sich zu schützen.

Geretsried – Betrug kann eigentlich nur den anderen passieren. Man kennt die fiesen Tricks doch. Oder? Simon Bräutigam räumt mit dieser Meinung auf. Der Kriminalhauptkommissar ist Sicherheitsberater im Auftrag des Polizeipräsidiums Oberbayern und klärt Menschen über Betrugsmaschen auf, mit denen Kriminelle das schnelle Geld suchen – und oft finden. Am Donnerstag besuchte er den VdK in den Ratsstuben. Auf die Frage, wie viele der rund 50 Gäste schon dubiose Anrufe bekommen haben, gingen viele Hände nach oben. Manche davon waren sogar erfolgreich.

Publikum beim Vortrag von Simon Bräutigam
Beim Vortrag von Kripo-Berater Simon Bräutigam war der Ratsstuben-Saal fast voll. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Enkeltrick, Schockanruf, falscher Polizist: die Tricks der Telefonbetrüger und wie man sich schützt

Die Kriminellen sind nicht nur kreativ in ihren Versuchen, sondern auch hochprofessionell. „Es gibt ganze Callcenter im Ausland, von denen aus Computer jede Nummer anrufen, die sie finden. Die Leute sprechen fast akzentfreies Deutsch“ – und am schlimmsten für das potenzielle Opfer: „Sie sind skrupellos, rücksichtslos.“ Sogenannte Schockanrufe sind ein Beweis dafür: Wer den Hörer abhebt, hört ein Schluchzen und eine hysterische Stimme. Der Anrufer erzählt, dass ein grausames Unglück passiert sei, ein Verkehrsunfall mit Toten zum Beispiel.

Schockanruf folgt perfider Masche: Telefonbetrüger sind hochprofessionell

„Im ersten Moment fragen die Opfer: Anna, bist du es.“ Und dann wissen die Betrüger alles, was sie wissen müssen. Ein falscher Polizist übernimmt den Hörer, fordert eine Kaution, sofort, bar, abgeholt beim Angerufenen – sonst muss „Anna“ sofort ins Gefängnis. Es ist eine von vielen Maschen und eine der dreistesten. „Der finanzielle Schaden ist das eine“, sagt Bräutigam, „das andere ist die emotionale Situation, in der die Opfer zurückgelassen werden“.

Die Tricks der Telefonbetrüger: Das sind die häufigsten Betrugsversuche

Andere beliebte Maschen: Die Polizei muss Bargeld oder Schmuck beim Angerufenen abholen, weil sein Name auf einer Einbrecher-Liste steht. Oder ein Bankmitarbeiter hat merkwürdige Überweisungen vom Konto des Opfers bemerkt – und „rettet“ das Geld, wofür Testüberweisungen nötig sind. Jüngere Menschen gehen Anlage-Betrügern auf den Leim und investieren horrende Summen in Kryptowährungen, die gar nicht existieren. Ein Gast in den Ratsstuben in Geretsried hatte einen anderen Fall erlebt: Ein scheinbarer Microsoft-Mitarbeiter benötigte wegen eines Sicherheitslecks sofort Zugriff auf den PC des Mannes. „Das hat mich 550 Euro gekostet“, berichtete er.

Experte erklärt: So schützt man sich vor Betrügern

Das Ergebnis ist dasselbe wie bei allen Maschen: Am Ende sind die Opfer um große Geldbeträge ärmer. Viele melden den Betrug nicht der Polizei – aus Scham. „Opfer noch zu verspotten, ist leider typisch für die Region“, sagt Bräutigam. Die wenigsten Betrogenen möchten neben dem finanziellen Schaden auch noch Häme erleiden. „Ein Opfer ist aber zu 100 Prozent ein Opfer“ und nie selbst schuld an seinem Schaden.

Simon Bräutigam
Simon Bräutigam, Sicherheits-Experte der Kripo © Sabine Hermsdorf-Hiss

Tipp: Notruf 110 wählen - auch wenn nichts Schlimmes passiert ist

Der Kriminalhauptkommissar rät – nicht nur am Telefon, sondern auch bei Bettlern, Haustür-Verkäufen oder amourösen Bekanntschaften, im Internet – zur Vorsicht. „Sie müssen nicht in jeder Sekunde misstrauisch sein“, sagt er, „aber wach und aufmerksam.“ Dann würden vielleicht Zweifel aufkommen, „und beim kleinsten Zweifel legen Sie einfach auf“. Testanrufe auf dem Handy der Person, als die sich der Gesprächsteilnehmer ausgibt, könnten beispielsweise mehr Licht ins Dunkel bringen und Schaden verhindern.

Simon Bräutigam empfiehlt, in jedem Fall die 110 zu wählen. „Versuchen Sie nicht, die Kriminellen zu übertölpeln“, riet er den Gästen der VdK-Veranstaltung. „Schützen Sie nur sich selbst.“

Infos im Internet zum Thema Sicherheit findet man unter www.polizei-beratung.de.

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