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Hobby-Historiker Martin Walter starb nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren.

Nachruf

Er war ein wandelndes Stadtlexikon: Nun starb Martin Walter mit 76 Jahren

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Hobby-Historiker Martin Walter ist einer schweren Krankheit erlegen. Seine Führungen durch die Überbleibsel der Geretsrieder Rüstungswerke waren legendär.  

Geretsried – Rund 120 Menschen führte Martin Walter im April durch die Sudetenstraße und den Wald an der Isar. In einer Stofftasche der Stadt Geretsried hatte er seine Notizen, doch er brauchte sie nicht. Wie es war, als die Rüstungswerke an dieser Stelle standen, wo sich welches Gebäude befand und wie das eine mit dem anderen zusammenhing – Martin Walter hatte es im Kopf und verstand es, die komplexen Zusammenhänge anschaulich, aber mit der erforderlichen Sachlichkeit zu erläutern. Die Stadtführung im Frühling war seine letzte. Vor einer Woche ist Martin Walter im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Mit ihm hat Geretsried einen Mann verloren, der die Geschichte der Stadt wie kaum ein anderer kannte und sich unermüdlich dafür einsetzte, dass diese erforscht, bewahrt und weitergetragen wird. „Es ist ein herber und schmerzhafter Verlust“, sagt Friedrich Schumacher vom Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG). Martin Walter sei ein Motor, ein Anpacker, ein Macher gewesen.

Er engagierte sich seit seinem Ruhestand ehrenamtlich im AHG. Damals kam die Idee auf, die Zeit der Rüstungswerke zu dokumentieren. Als die Hobbyhistoriker aufgeben wollten, weil der Stoff viel zu umfangreich war, habe Martin Walter gesagt: Wir schaffen das. „Er und Franz Rudolf haben es verstanden, uns zu überzeugen“, erinnert sich Schumacher.

Für drei der bisher erschienenen Geretsrieder Hefte war Walter als Autor beziehungsweise Mitautor verantwortlich. Er beschrieb die zwei Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst, das Lager Föhrenwald und die Ortsplanung von Geretsried. Zuletzt arbeitete er an dem Thema „Wasser und Abwasser, Energieproduktion“. Das Heft sollte noch in diesem Jahr erscheinen. In Walters Namen will der AHG dieses Ziel weiterverfolgen. Sein Entwurf ist fertig. „Er hat uns vor drei Wochen alles übergeben, was er geschrieben und gesammelt hat“, berichtet Schumacher.

Martin Walter, der im Lager Föhrenwald geboren wurde, wusste vieles über die Entstehung und die Entwicklung Geretsrieds aus seinem Arbeitsleben. Zwischen 1959 und 2005 war er Verwaltungslehrling, Bauamtsleiter, Rechnungsprüfer und Geschäftsführender Beamter in der Stadtverwaltung. Auch durch die Position seines Vaters, der Werkmeister in der Pressenabteilung der Deutschen Sprengchemie und später bei der Demontagefirma Best gewesen war, hat der Geretsrieder viel mitbekommen.

Kulturamtsleiterin Anita Zwicknagl hat mit Walter zusammengearbeitet – während seiner Zeit im Rathaus und auch danach. Sie erlebte ihn als „kompetenten und immer hilfsbereiten Menschen“. Er sei für sie das wandelnde Stadtlexikon und in Sachen Stadtgeschichte der erste Ansprechpartner gewesen. „Ich durfte ihn jederzeit anrufen und nach Dingen fragen, die mit der Stadt zu tun hatten“, sagt Zwicknagl.

Martin Walter wollte, dass die Entstehung und Entwicklung der Stadt Geretsried nicht in Vergessenheit geraten. So kämpfte er nicht nur dafür, dass die Geretsrieder Hefte geschrieben werden, sondern forcierte bereits in den 1980er Jahren die Einrichtung eines Stadtarchivs. Mit seinem Einsatz hat er es geschafft, dass die besonderen Historie Geretsrieds weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand. Das Interesse an seinen Stadtführungen „Bunker im Wald – eine Wanderung in die Zeit der Rüstungswerke“, die er seit 2013 anbot, war beeindruckend. Die akribischen Recherchen von Martin Walter werden im Geretsrieder Gedächtnis bleiben

Beerdigung

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Freitag, 24. August, um 14 Uhr in der Aussegnungshalle des Waldfriedhofs Geretsried.

sw

Lesen Sie auch: Geheimnisvolle Ruinen im Wald um Geretsried: Was dahintersteckt - und wie man sie findet

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