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Die gängigen Modelle von Vollvisieren zeigt Christian Ott. Der Geretsrieder Fachhändler für Eishockey-Ausrüstungen befürchtet jedoch, dass weitere Veränderungen am Helm den Tragekomfort einschränken.

Eishockey

ESC: Mit dem Vollvisier zurück aufs Eis

  • vonOliver Rabuser
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Laut einer Umfrage würden die Aktiven der Geretsrieder River Rats, der Tölzer Löwen und des SC Reichersbeuern den Infektionsschutz am Helm akzeptieren, um ab Herbst wieder ihrem Sport nachgehen zu können.

Bad Tölz/Geretsried/Reichersbeuern – Auch wenn der Winter noch weit ist, beschäftigen sich die Eishockeyvereine jetzt schon mit einer Vielzahl an Fragen: Geht die neue Spielzeit planmäßig über die Bühne? Verzögert sich der Beginn womöglich? Und wie viele Zuschauer dürfen überhaupt in die Stadien kommen? Für die entsprechenden Antworten braucht es vermutlich noch etwas Geduld, doch der Deutsche Eishockey-Bund um Präsidenten Franz Reindl hat bereits eine Task Force eingerichtet, um für Corona-bedingte Vorschriften gewappnet zu sein. Aktuell wird darüber diskutiert, dass alle Spieler künftig ein Vollvisier am Helm tragen sollen, um die Infektionsgefahr zu vermeiden. „Das könnte uns helfen, in den Trainings- und Spielbetrieb zu kommen“, stellt Reindl fest. Bislang kommt das so genannte Vollvisier nur bei Frauen und im Nachwuchsbereich zum Einsatz, bei den Herren ist das Modell mit Mundschlitz im Plexiglas wegen des schnellen Beschlagens nicht sehr beliebt.

Tölzer Löwen

Doch in der Not frisst der Teufel Fliegen, wie eine Umfrage bei den Eishockeyklubs im Landkreis bestätigt. „Ich muss nicht spielen, darum tue ich mich relativ leicht“, sagt beispielsweise Christian Donbeck. Allerdings stellt der Geschäftsführer der Tölzer Löwen klar: „Wenn wir so eine Auflage bekommen, braucht kein Klub anfangen darüber zu diskutieren.“ Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs dürfe keinesfalls „an so etwas“ scheitern. Das gelte auch für Trainer, Betreuer und andere Offizielle, für die ein Mundschutz im Bereich der Spielerbank im Gespräch ist. „Wir wollen alle schnellstmöglich zurück zur Realität“, betont der Donbeck.

Als „realistisches Ziel“ für einen Saisonstart hat der 48-Jährige den 1. Oktober im Auge. Sollte der Deutschland-Cup Mitte November notgedrungen abgesagt werden, könnte man den Verzug von drei Spielwochenenden zeitnah verknappen. Gleichwohl sei ein aktives Handeln aller Beteiligten erforderlich. „Ziele setzen, nicht warten und den Kopf in den Sand stecken“, fordert Donbeck. Er werde in den kommenden Wochen die Behörden in Tölz „zusammentrommeln“, um Konzepte zu erarbeiten. Vornehmlich gehe es darum, die Eishockeyspiele „vor möglichst vielen Zuschauern“ über die Bühne gehen zu lassen. Von den Fans verlangt der Löwen-Geschäftsführer präventiv „viel Disziplin“: Müssten tatsächlich Sitzplätze oder ganze Reihen freigehalten werden, beziehungsweise dürfe in der Kurve nur auf markierten Punkten gestanden werden, müssten diese Vorgaben unbedingt eingehalten werden. Die Tölzer Arena verfüge mit ihren zahlreichen Notausgängen ohnehin über außergewöhnlich gute Möglichkeiten, Hygiene- und Distanzauflagen umzusetzen. Ebenso stünden Zusatztribünen in Gerüstform zur Debatte. Denn ohne Mindestumsatz geht es nicht. „2000 bis 2500 Zuschauer wären wirtschaftlich“, rechnet Donbeck vor.

Auf seine Aktiven kann sich der DEL2-Klub in Sachen Vollvisier verlassen. „Ich hätte kein Problem damit, das müssten wir so akzeptieren“, kommentiert Markus Eberhardt relativ trocken. Hätte der Verteidiger die Wahl, würde er sich freilich für ein Halbvisier entscheiden: „Aber wir können uns keine Geisterspiele leisten.“ Eberhardt, der mutmaßlich in diesem Monat seinen Vertrag verlängern wird, kennt das Vollvisier bereits aus der Vorsaison: Nach einem Pucktreffer im Gesicht trainierte der 26-Jährige zwangsläufig einige Tage mit erweitertem Schutz. „Brutal ungewohnt“ sei das gewesen. Dennoch sei es für „alle Beteiligten sicherer“, und auch die Berufsgenossenschaft dürfte schnell Gefallen daran finden.

SC Reichersbeuern

Das glaubt auch Thomas Gams. „Ich kann mir vorstellen, dass das beibehalten wird, wenn weniger Verletzungen auftreten“, sagt der Coach des SC Reichersbeuern. Gams findet, man könne unter dem Plexiglas „trotzdem gut atmen“. Und da der Schutz dann ausnahmslos für alle Spieler gelte, wäre das „in Ordnung“. Freilich nicht ganz ohne Nachteil für die Hobbysportler: „Unsere Spieler müssten sich das Plexi selbst kaufen“, gibt der Landesliga-Trainer zu bedenken. Das Hygienekonzept sei eingedenk der überschaubaren Zuschauerzahl in der zweitniedrigsten Spielklasse derweil „leichter umzusetzen“.

ESC Geretsried

Widerspruch kommt von Christian Ott. Der Inhaber der Firma Hockeysports in Geretsried hat bereits Kontakt zu seinen Lieferanten aufgenommen und spricht von einem „schwierigen Thema.“ Mit den aktuellen Modellen könnten die Kufencracks freilich auflaufen. Veränderungen, die den Bereich unterhalb des Kinns weiter abdämmen, seien aber wohl eher nachteilig: „Du kannst nicht atmen, und das Visier beschlägt ständig.“ Der Fachhändler kann sich lediglich vorstellen, dass die gängigen Modelle einstweilen als Prophylaxe dienen, um Politik und Verband zu zeigen, dass man etwas tue.

Keine Dauerlösung: River Rats-Kapitän Martin Köhler (re.) würde ein Vollvisier kurzzeitig akzeptieren.

Martin Köhler glaubt indes gar an eine Marketing-Strategie: „Damit kannst du jetzt viel Geld verdienen.“ Der Kapitän der Geretsrieder River Rats denkt vornehmlich an die Vereine, die ihre Mannschaften bis hinunter in den Jugendbereich ausstatten müssten. Zwar würde der 32-Jährige die potenzielle Auflage notgedrungen mittragen. „Komisch“ fände der Bayernliga-Stürmer die Maßnahme mit Blick auf die Fußball-Bundesliga dennoch. „Da küssen sich die Spieler nach jedem erzielten Tor ja fast“, merkt Köhler lakonisch an. Klar ist für ihn dennoch: „Dauerhaft würde ich das Vollvisier nicht einführen.“

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