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Ein tolles Ereignis: Die Erlebnisgottesdienste.

Von den Kindern lernen

Evangelische Pfarrei feiert 100. Erlebnis-Gottesdienst

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Geretsried – Die evangelische Kirchengemeinde feiert ein besonderes Jubiläum: Am Sonntag, 3. Juli, findet in der Petruskirche an der Egerlandstraße der 100. Erlebnisgottesdienst statt (Beginn ist um 9.30 Uhr).

Das Thema des Gottesdienstes lautet „Du bist so jung wie deine Zuversicht und so alt wie dein Missmut“. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Pfarrer Georg Bücheler, wie alles begann.

-Herr Bücheler, Sie feiern am Sonntag Ihren 100. Erlebnisgottesdienst. Wie ist die Idee entstanden?

Sie entstand aus der Frage, wie man bei Jugendlichen das Interesse und das Zugehörigkeitsgefühl an Kirche und Gemeinde wecken kann: Indem man in möglichst frühem Alter Angebote macht. Das erste Angebot waren die Krabbelgottesdienste für Kleinkinder und ihre Eltern. Dann war eine Fortsetzung notwendig für die Kinder von etwa sechs bis zwölf Jahren.

-Wann haben Sie mit den Erlebnisgottesdiensten begonnen?

Pfarrer Georg Bücheler

Die Idee entstand im Jahr 2000. So konnten wir über eine langen Zeitraum junge Menschen an die Kirchengemeinde heranführen. Das angestrebte Ziel wurde auch erreicht: Aus dieser Heranführung entstanden starke Jugendgruppen, Tutoren, Jugendgruppenleiter, enorm engagierte Jugendliche und junge Erwachsene. Kirche und Kirchengemeinde wurde zu einem positiv besetzten Erlebnisraum.
 
-Wer bereitet die Gottesdienste vor?
 
Sie werden von Frauen und Männern vorbereitet, die alle im Beruf stehen. Der Kern des Teams ist seit Beginn, also seit über zehn Jahren konstant im Einsatz. Die Themen werden in der Vorbereitung auf Erwachsenenebene erarbeitet und dann auf die Ebene der Kinder transformiert. Es ist geplant, alle bisherigen Gottesdienstentwürfe in einem Fachbuch zu veröffentlichen.

-Was unterscheidet den Erlebnisgottesdienst von einem „normalen“ Gottesdienst?

Ein Erlebnisgottesdienst richtet sich nicht nach irgendwelchen Vorgaben. Jedes Thema ist aus dem Alltag gegriffen und in eigener Arbeit entworfen. Wir hatten bisher fünf Wiederholungsthemen. Sehr häufig sind es ethische Themen, die die verschiedensten Lebensfelder betreffen: Kinder und ihre Eltern, Eltern und ihre Kinder, Umgang mit Wahrheit, Flüchtlingsthemen, Umgang mit dem, was einem fremd ist, ökologische Themen.

-Wie läuft der Erlebnisgottesdienst ab?

Es gibt zwei bis drei Rollenspiele, die vom Team gespielt werden. Mal werden Filmausschnitte oder Bildimpulse gezeigt. Es wird gebastelt, gemalt, viel gesungen und Musik gemacht. Und man tauscht sich aus. Jedes Thema wird in Gesprächen mit den Kindern und Erwachsenen vertieft. Die Kinder werden ermutigt, vor der Gruppe in der Kirche ihre Meinung zu äußern.

-Das erfordert von den Kindern durchaus Mut.

So werden schon früh Ängste vor freiem Sprechen abgebaut. Jede Aussage, jede Meinung wird gewürdigt. Das ist auch ein Lerneffekt für einen respektvollen Umgang miteinander. Ein weiteres wichtiges Ziel ist, dass Kirche ein Raum wird, den die Kinder und Erwachsenen als Raum des Miteinanders erleben, füreinander in völlig freiem Umgang. Mal in meditativer Stille, aber auch in voller Lautstärke.

-Wie viele Besucher kommen in der Regel?

Die Jahre über hatten wir konstante Besucherzahlen, bis zu 60 und mehr Kinder und Erwachsene. Es gab aber auch Zeiten mit nur 20 Besuchern. Aber es war immer jemand da. Viele Faktoren sind Voraussetzung für den Besuch: das Wetter, die Werbung an den Schulen und wie sie in der Presse wahrgenommen wird.

-Hat sich im Laufe der Jahre etwas verändert?

Im Laufe der unmittelbar zurückliegenden Jahre hat es sich so ergeben, dass immer mehr Erwachsene auch ohne Kinder kommen. Hier bestätigt sich meine Vorstellung: Was für Kinder gilt, hat für Erwachsene ebenso große Bedeutung. Und genau das melden mir die Erwachsenen zurück, dass sie aus dem Erlebnisgottesdienst ganz praktische Ideen und Gedanken für die Bewältigung und Gestaltung ihres Alltags mitnehmen.

-Erzählen Sie uns Ihr bislang schönstes Erlebnis.

Das schönste Erlebnis in diesen Jahren hat sich stetig wiederholt: Für mich und das Team war von einem auf das andere Mal wahrzunehmen, mit welcher Intensität die Kinder und die Erwachsenen präsent waren, das gegenseitige Lernen, wenn Eltern sagen, „heute habe ich von den Kindern einiges gelernt“. Oder das Vertrauen im geschützten Raum des Gottesdienstes von sich, über sich zu erzählen und zu wissen, man wird nicht ausgelacht, nicht verspottet. Es gibt keinen Hohn, keinen Spott, keine sonstigen Erniedrigungen. Jeder einzelne Gottesdienst war jedes Mal das „schönste Erlebnis“ – 100 Mal. Doch ein Erlebnis war besonders, vor wenigen Monaten, als wir uns von einem Fischer vom Starnberger See ein Boot ausgeliehen und in die Petruskirche gebracht haben. Wir haben versucht, uns in die Situation von Bootsflüchtlingen zu versetzen. Es war ein tief beeindruckendes Erlebnis.

-Was erwartet die Besucher zum Jubiläum am Sonntag?

Der Jubiläumsgottesdienst ist eingebunden in das jährliche Gemeindefest und allein deshalb schon ein besonderes Ereignis. Der Erlebnisgottesdienst wird ziemlich bunt werden und „luftig“.

Gemeindefest

Nach dem 100. Erlebnisgottesdienst am Sonntag, 3. Juli, (Beginn ist um 9.30 Uhr), feiert die evangelische Kirchengemeinde ihr Gemeindefest. Es gibt gute Musik, für Speis und Trank ist gesorgt. Um 13 Uhr wird das Kuchenbuffet, das der Elternbeirat des Kindergartens organisiert, eröffnet. Spiele für Kinder und Schminken mit der evangelischen Jugend werden am Nachmittag angeboten. Um 14 Uhr spielt das Theater Maskara mit Frieder Kahlert das Stück „Hans, mein Igel“. Das Gemeindefest findet auch bei schlechtem Wetter statt; es endet gegen 16 Uhr.

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