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Gut 35 Fahnen lagern im Keller des Geretsrieder Rathauses, natürlich auch die bayerische. Das Hissen erledigt Hausmeisterin Carola Haferkorn.

Wer hisst Fahnen? Und wer kümmert sich darum?

Fahnen, die Hoheitszeichen im Wind

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Geretsried/Wolfratshausen – Im Mai werden wieder besonders viele Fahnen gehisst. Aber wer hisst die Fahnen eigentlich? Und wer kümmert sich um sie?

„Die Fahnenmasten sind eigentlich für größere Leute als mich gemacht“, sagt Carola Haferkorn. Die Hausmeisterin des Geretsrieder Rathauses muss sich ganz schön strecken, wenn sie die Fahnen hisst. Welche Fahne sie wann aufhängen muss, steht auf einer Liste der Stadtverwaltung. Zu besonderen Anlässen kann auch der Ministerpräsident oder das Landratsamt eine Beflaggung anordnen. Das geschah zum Beispiel nach den Terroranschlägen in Brüssel oder zur Beerdigung des langjährigen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher. Bei solchen Trauerfällen versieht Haferkorn die Flaggen vor dem Hissen mit einem schwarzen Trauerflor. „Auf Halbmast hängen sie nur, wenn kein Trauerflor dran ist“, erklärt sie.

Auch wenn Wahlen anstehen – zum Bayerischen Landtag, zum Bundestag oder zum Europäischen Parlament – holt Haferkorn die Fahnen aus dem Rathauskeller. Bei kulturellen Veranstaltungen der Stadt, etwa beim Besuch einer Delegation aus einer der Partnerstädte oder zum Jahrestag der Heimatvertriebenen im April, kommt die Anregung auch oft aus dem Kulturamt. Die endgültige Entscheidung, ob, wann und welche Flaggen gehisst werden, trifft der Bürgermeister.

Gut 35 Fahnen liegen säuberlich aufgerollt im Kellerregal. „Die Bundesflagge, die bayerische Staatsflagge, die Europaflagge, die Stadtflagge mit dem Geretsrieder Wappen, die Länderflaggen von Frankreich, Norwegen, Österreich und Ungarn“, zählt Haferkorn die wichtigsten auf. Manche Partnerstädte hätten zusätzlich noch eigene Stadtflaggen. Ein paar Exoten gibt es auch: etwa die bunte Tibet-Flagge, die am internationalen Tibet-Tag am 10. März vor dem Rathaus weht, oder das grün-weiße Banner „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden).

Der Trauerflor braucht eine besondere Pflege: Er muss sorgfältig trocknen, bevor ihn die Hausmeisterin wieder ins Regal räumt: „Der ist aus Baumwolle.“ Das unterscheidet ihn von den großen Fahnen: „Die meisten sind aus Kunstfaser, die trocknen schneller.“ Die müsse man auch nicht waschen. „Flecken lassen sich einfach abwischen.“

Fünf Masten stehen auf der kleinen Wiese vor dem Rathaus. Zu bundesweiten Feier- und Jahrestagen sind in der Regel zwei besetzt: An einem der zentralen Masten hängt die Deutschlandfahne und – vom Rathaus gesehen rechts davon – die bayerische Streifenfahne. Links davon wäre laut Flaggenverordnung der Platz für die Europafahne. „Die hissen wir aber eigentlich nur am Europatag oder zur Wahl des Europaparlaments“, schränkt Haferkorn ein.

Nicht ganz an die staatlichen Empfehlungen hält sie sich auch, wenn es um den Zeitpunkt der Beflaggung geht: Statt die Fahnen in der Früh um sieben Uhr zu hissen, erledigt sie das meistens schon am Nachmittag des letzten Werktags davor. „Sonst müssten die Steuerzahler ja auch noch meine Überstunden bezahlen“, meint sie.

Das ganze Jahr über ist dagegen das Wolfratshauser Rathaus beflaggt. Welche Flaggen an den beiden Fahnenstangen an der Fassade hängen, regelt Bürgermeister Klaus Heilinglechner je nach Anlass in Eigenregie: Im Normalfall sind es die Stadt- und die Bayernfahne. Für die Deutschland- oder die Europafahne fehle am Rathaus der Platz. „Aber wir sind ja schließlich auch in Bayern“, scherzt er. Kommt offizieller Besuch aus einer der Partnerstädte, wie zum Beispiel zur Eröffnung der Iloga, flattert die jeweilige Stadtflagge neben dem schwarz-weißen Wolf.

Zu besonderen Anlässen lässt der Wolfratshauser Bürgermeister vor der Loisachhalle die Fahnen hissen, auch andere öffentliche Gebäude und die Brücken werden bei Bedarf beflaggt. Dafür, dass die guten Stücke immer ordentlich in Schuss und zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sind, sorgt Rathausmitarbeiter Gerhard Grätz. „Gewaschen werden sie in der Wäscherei. Das organisiert der Bauhof“, sagt er. 26 der insgesamt über 100 Flaggen lagern im Rathaus. Um sie zu hissen, muss sich der Hausmeister hier nur aus dem Fenster lehnen.

cw

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