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Eine Woche Dauerarresst

Fahrscheinkontrolle endet mit Körperverletzung, Beleidigung und Erpressung

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Eine fehlende Busfahrkarte für 2,80 Euro hat für eine Reihe von Vorwürfen gesorgt, für die sich eine 20-Jährige nun vor Gericht verantworten musste. 

Geretsried/Wolfratshausen – Es brauchte einen Moment, bis die Angeklagte das Urteil richtig erfasst hatte: eine Woche Dauerarrest. Unfassbar. „Sie mögen den Kopf schütteln, aber ich halte ihre Einlassung für ziemlichen Humbug“, machte Richter Urs Wäckerlin der Geretsriederin (20) klar. Auslöser für das Verfahren war eine fehlende Busfahrkarte für 2,80 Euro. Doch das Erschleichen von Leistungen (im Volksmund Schwarzfahren) war der geringste Vorwurf: Die Anklage umfasste zudem Körperverletzung, Beleidigung und versuchte räuberische Erpressung in zwei Fällen.

Am 16. März dieses Jahres war die Frau gegen 13.25 Uhr in einem Bus der Linie 379 auf der Fahrt von Geretsried nach Wolfratshausen kontrolliert worden. Die Streifenkarte, die sie dabei vorzeigte, war zwar abgestempelt worden, allerdings erst, nachdem die Kontrolleure sich zu erkennen gegeben hatten. „Das war leider zu spät“, erläuterte der Fahrkartenprüfer (53). Die Frau konnte keinen Ausweis vorlegen (der steckte in ihrem Geldbeutel, den sie im Fastfood-Restaurant McDonald’s, wohin sie mit dem Bus unterwegs war, vergessen hatte) und verweigerte zudem eine Selbstauskunft auszufüllen. „Sie meinte, sie habe ja einen gültigen Fahrschein.“

Prellungen an Hüfte, Oberschenkel und Unterschenkel

An der nächsten Haltestelle habe „die junge Dame versucht, zu flüchten. Ich bin ein paar Mal gegen sämtliche Einrichtungen des Busses gestoßen“, wiederholte der 53-Jährige seine Vorwürfe. Nebenbei soll die 20-Jährige ihm zu verstehen gegeben haben: „Du alter Mann kommst eh nicht hinterher, wenn ich davon laufe“ – was das Gericht als Beleidigung wertete. Auch bei McDonald’s, wo man später gemeinsam die Geldbörse der Angeklagten abholte, „wollte sie ein paar Mal weglaufen, aber ich war immer schneller an der Tür“, sagte der Zeuge, der nach eigener Aussage Prellungen an Hüfte, Oberschenkel und Unterschenkel davongetragen hatte. Erst als sein jüngerer Kollege dazu kam, entspannte sich die Situation.

„Ich habe ihn nicht gestoßen und nicht bewusst verletzt. Und flüchten wollte ich auch nicht“, beteuerte die Angeklagte. Sie habe den Mann lediglich auf Abstand halten wollen. „Er kam mir ständig zu nah.“ Aus Sicht der Verteidigung war das nachvollziehbar. „Ihr Verhalten war nicht korrekt, aber sie fühlte sich in die Enge getrieben“, sagte Rechtsanwältin Ann-Charlott Wamsler. Das ihre bis zu jenem Vorfall strafrechtlich unbescholtene Mandantin dem zweiten Kontrolleur sofort ihre Daten gegeben habe, zeige, dass dem Zeugen „die Sache völlig entglitten“ war. Es liege weder eine Bereicherungsabsicht noch eine Körperverletzung vor, lediglich Schwarzfahren bleibe übrig. Von allen anderen Vorwürfen sei die 20-Jährige freizusprechen.

Gericht hält eine Woche Dauerarrest für angemessen

Das sah das Gericht völlig anders: Die Angeklagte habe sich durch ihr Verhalten das erhöhte Beförderungsentgelt von 60 Euro sparen wollen. Um das zu verhindern, habe der Kontrolleur „das Recht gehabt, sie nötigenfalls festzuhalten“, belehrte der Jugendrichter die junge Frau. „Wenn es für sie so unangenehm war, hätten sie einfach die Selbstauskunft geben können und die Sache wäre erledigt gewesen. Das Ganze so ausarten zu lassen, passt nicht zu dem, was sie uns hier weismachen wollen.“ Eine Woche Dauerarrest sei das Mindeste, bekräftigte Wäckerlin.

Der angehende Staatsanwalt, dem Augenschein nach nur wenige Jahre älter als die Angeklagte, hätte sich mit einer richterlichen Weisung und 32 Stunden Sozialdienst als erzieherische Maßnahme zufriedengegeben. Das verhängte Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

rst

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