In unserer Serie „Gott und die Welt“ macht sich Georg März, katholischer Pfarrer in Geretsried, diesmal Gedanken übers Fasten.

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Fasten, wie es Gott gefällt

In unserer Serie „Gott und die Welt“ macht sich Georg März, katholischer Pfarrer in Geretsried, diesmal Gedanken übers Fasten.

Geretsried - „Du bist Christ, mach was draus!“ Unter diesem Motto steht die Wahl der neuen Pfarrgemeinderäte, die an diesem Sonntag zu Ende geht. Per Briefwahl können die Katholiken abstimmen und so über die Gestaltung des Lebens ihrer Pfarrgemeinde entscheiden.

Georg März Katholischer Pfarrer in Geretsried

Von diesem gemeindlichen Engagement abgesehen, steckt in diesem Motto die Aufforderung, dass wir Christen unser Christsein auch leben. Die meisten tun dies am liebsten im stillen Kämmerlein und überlassen die Diskussion zu gesellschaftlich wichtigen Themen lieber anderen. Stehe ich im Alltag zu meinem Glauben und lebe ihn auch, indem ich mich am Leben der Gemeinde aktiv beteilige? Suche ich in meinem Alltag die Beziehung zu Gott im täglichen Gebet und der Mitfeier des Gottesdienstes?

Wir stehen gerade zu Beginn der Fastenzeit, die am Aschermittwoch, also vor neun Tagen begonnen hat. Sie lädt uns ein, sich gerade dieser Fragen wieder neu bewusst zu werden und meine Beziehung zu Gott neu zu ordnen. Die Bibel entwirft ein umfassendes Bild von einem „Fasten, wie es Gott gefällt“. Im Buch Jesaja lesen wir: „Die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen“ (Jes 58,6-7).

Hatte der Prophet Jesaja die konkrete Situation in seiner Zeit im Blick, so ist es sicher auch erlaubt, dies in übertragenem Sinn für uns zu deuten. Geändert werden sollen Missstände unter den Menschen, aber auch im eigenen Leben. Unter welchem Joch lebe ich, welche Fesseln trage ich, welche konkrete Not in meiner Umgebung kann ich tatkräftig lindern? Wer fastet, versucht erstarrte Lebensgewohnheiten aufzubrechen, innerlich frei zu werden und herauszufinden, was oder wer letztlich sein Leben trägt. Ich muss mich selbst fragen: Woran hängt mein Herz, wovon bin ich so besetzt, sodass es mich unfrei macht? Von Ruhmsucht, „Ordnungsfimmel“, vom Sammeln von Dingen, dem Auto, einem Hobby, einer Gewohnheit: Jeder wird sich selbst genau kennen. Die Fastenzeit kann eine Chance sein inne zu halten, Gewohnheiten und Dinge daraufhin zu befragen, ob ich nicht auch eine Zeit ohne sie auskommen kann.

Jeder von uns wird sehr schnell merken, ob er noch Herr über sich selbst ist oder schon Diener seiner Launen und Gewohnheiten. Wirklich lebensnotwendig ist am Ende nur sehr wenig. Was zählt, ist unsere innere Bereitschaft, aus dem gewohnten Alltag für eine bestimmte Zeit herauszutreten und die Aufmerksamkeit neu auf Gott zu richten.

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