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Mit einem Festakt feierten die Oberland-Werkstätten am Freitag das 20-jährige Bestehen des Betriebs in Geretsried. 

Festakt zum 20-jährigen Bestehen

Oberland-Werkstätten in Geretsried: Längst keine Bastelstube mehr

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Die Oberland-Werkstätten feiern an diesem Wochenende das 20-jährige Bestehen ihres Betriebs in Geretsried. Den Auftakt bildete am Freitag ein Festakt – mit dezenter Volksmusik, geladenen Gästen und den Mitarbeitern des Betriebs.

Geretsried – Dritter Landrat Klaus Koch hatte sichtlich Freude beim Blick ins Publikum. Denn unter den Gästen, die sich im Foyer der Oberland-Werkstätten an der Gustav-Adolf-Straße versammelt hatten, waren etliche junge Frauen und Männer, die der Förderschul-Rektor schon vor Jahren als Schüler kennen gelernt hatte. Koch erinnerte in seiner Rede daran, dass ein Betrieb wie dieser vor noch gar nicht so langer Zeit kaum vorstellbar gewesen sei. „Noch Ende der 1950er-Jahre wurden Kinder mit Behinderungen von ihren Eltern auf den Höfen versteckt“, so Koch. „Nicht aus Scham, sondern weil sie Angst hatten, dass ihnen die Kinder weggenommen und ermordet würden.“ Dies habe sich binnen kurzer Zeit jedoch sehr positiv verändert. „Arbeit von und mit Menschen mit Behinderungen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagte Koch. Eine Einrichtung wie die Oberland-Werkstätten, in der „jeder dazu gehört, jeder mitgenommen wird“, hätten dazu einen großen Beitrag geleistet.

Ein Ort zum Leben und Arbeiten in behüteter Umgebung

Für Menschen mit einer geistigen Behinderung einen Ort zum Leben und Arbeiten in behüteter Umgebung zu schaffen, sei das Ziel der Gründungsväter gewesen, die vor 30 Jahren in Gaißach die Oberland-Werkstätten ins Leben riefen, erklärte Helmut Guggenmos. Der Verwaltungsratsvorsitzende ließ die Geschichte des Geretsrieder Standorts Revue passieren. Weil man den Standort in Gaißach nicht habe erweitern, sondern „näher an die Menschen herantreten wollte“, sei Geretsried 1990 als Standort auserkoren worden. 1997 wurde der Bau eröffnet und stetig weiteentwickelt. 2003 wurde ein Solarkraftwerk installiert, eine Lager- und eine Fertigungshalle folgten ein Jahr später. 2011 wurden die Sanitärräume sowie die Wäscherei erweitert.

So wie sich der Betrieb längst „von einer Bastelstube zu einer modernen Werkstätte entwickelt“ habe, haben sich auch die Menschen verändert, die hier leben und arbeiten. Von 65 am Anfang stieg die Zahl der Mitarbeiter auf heute knapp 150. „Über 35 Mitarbeite sind nicht hier beschäftigt, sondern in anderen Unternehmen“, verkündete Guggenmos stolz. „Bereit sein, Neues auszuprobieren, das zeichnet die Oberland-Werkstätten aus – und Geretsried ist in diesem Punkt vorbildlich.“

Zielgruppe wird breiter

Neben geistig Behinderten finden sich unter den Mitarbeitern immer mehr Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen und Schädel-Hirnverletzungen. „Die Zielgruppe, die bei uns nachfragt, wird breiter“, bestätigte Geschäftsführer Oliver Gosolits. Die Arbeit in den Werkstätten an diese Menschen anzupassen, sei eine Herausforderung der Zukunft, so Gosolits.

„Was bedeutet eigentlich Arbeit?“: Diese Frage warf Bürgermeister Michael Müller auf. Er empfahl, bei allem Leistungsdruck mal innezuhalten und über den Wert von Arbeit an sich nachzudenken. Es sei nicht immer entscheidend, möglichst große Effizienz zu zeigen, sich dem Leistungsdruck der globalen Welt anzupassen, sondern „auch diesen Menschen hier, Menschen mit Behinderungen, die Möglichkeit zu geben, den Wert von Arbeit zu erfahren und zu praktizieren“, sagte Müller. „Toll, dass sie so etwas hier in Geretsried möglich machen.“

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