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Chemieunfall: Mehr als 30 Stunden hielt im April 2013 ein Unfall bei der Geretsrieder Firma „bene pharma Chem“ die Einsatzkräfte in Atem. Beim Anschließen eines neu angelieferten Spezialtanks war Säure ausgetreten. 

„Feuerwehr ist extrem gut vorbereitet“

Pulcra probt für den Ernstfall 

Geretsried - Eine Explosion bei BASF in Ludwigshafen hat Tote und Schwerverletzte gefordert. Die Unglücksursache ist noch nicht ermittelt. Auch Geretsried ist Standort zahlreicher Chemiefirmen.  Am Donnerstag probt die Firma Pulcra Chemicals für den Ernstfall.

Der jüngste Chemieunfall in Geretsried liegt über drei Jahre zurück. Kurz nach Ostern 2013 war bei der Firma „bene pharma Chem“ an der Bayerwaldstraße ein Tank mit Chlorschwefelsäure havariert. Diese ätzende Säure ist hoch reaktiv. Alle Sicherheitsmaßnahmen griffen, Menschen kamen nicht zu Schaden. Das Unternehmen sei „sehr gut auf solche Fälle vorbereitet“ gewesen, berichtete Geretsrieds Feuerwehrkommandant Martin Kagerer später im Stadtrat.

Die Sicherheit der Mitarbeiter und Anwohner hat für die Geretsrieder Chemie-Unternehmen höchste Priorität: „Für die Betriebe gibt es einen besonderen Alarmierungsplan“, berichtet Kreisbrandrat Karl Murböck auf Nachfrage unserer Zeitung.“ Bei Unfällen mit hochsensiblen Gefahrenstoffen – zum Beispiel Gas – gibt es eine detailliert festgelegte Vorgehensweise. „Dazu zählt zum Beispiel eine umgehende Warnung an die Bevölkerung“, erläutert der Lenggrieser.

Die Unternehmen in Deutschland sind – gesetzlich vorgeschrieben – in verschiedene Gefahrenkategorien eingeteilt. Je nach Einstufung müssen die Betriebe ganz bestimmte Sicherheitsvorgaben erfüllen. Murböck: „Die höchste Kategorie in Geretsried haben die Firmen Pulcra und Tyczka Totalgaz.“ Außerdem unterliegt die Firma Rudolf der so genannten Störfallverordnung. Sollte es in einem dieser Betriebe zu einem Unglück kommen, greifen vorbestimmte Maßnahmen. Zunächst wird ein spezieller Alarm ausgelöst. Dadurch wissen die Rettungskräfte sofort Bescheid, dass sie am Einsatzort mit Gefahrenstoffen konfrontiert werden.

Die Geretsrieder Feuerwehr ist für solche Szenarien trainiert. „Viele Einsatzkräfte haben eine Spezialausbildung, um im Ernstfall angemessen reagieren zu können“, berichtet der Kreisbrandrat. Ehrenamtliche Feuerwehrkameraden aus umliegenden Kommunen müssen solche Kurse laut Murböck nicht belegen. „Das betrifft nur die Wehren, in deren Schutzgebiet es solche Unternehmen gibt.“

Der Kommandant der Geretsrieder Wehr, Martin Kagerer, sieht seine Truppe gut aufgestellt. „Wir sind extrem gut vorbereitet und können sehr schnell reagieren“, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Gerätehaus der Geretsrieder Feuerwehr stehen eine besondere Ausrüstung und Schutzkleidung für Chemieunfälle bereit. Für jeden potenziellen Einsatz in einem der genannten Betriebe liegen bereits fertige Einsatzpläne in der Schublade. Darin ist laut Kagerer genau festgelegt, wie vorzugehen ist und welche Ausrüstung benötigt wird. „Jeder Feuerwehrmann weiß genau, was er zu tun hat, wenn es soweit kommen sollte.“ Alle Maßnahmen sind mit den ortsansässigen Chemieunternehmen beziehungsweise dem Flüssiggas-Anbieter Tyczka Totalgaz besprochen. „Die sind bis ins kleinste Detail abgestimmt“, betont Kommandant Kagerer.

Die Feuerwehr arbeitet kontinuierlich mit den Unternehmen zusammen, die der Störfallverordnung unterliegen. „Alle Firmen sind sehr daran interessiert, ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten“, lobt Kagerer die Verantwortlichen. „Das Thema hat hier in Geretsried einen sehr hohen Stellenwert.“

Auf den jeweiligen Betriebsgeländen kennen sich die Einsatzkräfte in der Regel gut aus: „Wir schauen uns regelmäßig die Örtlichkeiten an und richten dort auch Übungen aus, bei denen wir den Ernstfall simulieren“, berichtet Kagerer. Die nächste findet Donnerstagabend statt. Zwischen 19 und 21 Uhr trainieren die Einsatzkräfte auf dem Betriebsgelände der Firma Pulcra Chemicals am Isardamm. Daran beteiligen sich auch das Bayerische Rote Kreuz sowie die Betriebsfeuerwehr des Unternehmens. Sinn der Übung ist es, die Zusammenarbeit zwischen den externen und den betrieblichen Einsatzkräften zu optimieren.

Für die Anwohner gibt es seit April 2011 eine Infomappe der Firma Pulcra Chemicals. Darin sind Verhaltenstipps im Ernstfall aufgeführt. Die Broschüre gibt’s kostenlos an der Pforte der Firma. In einer Pressemitteilung weist das Unternehmen darauf hin: „Der Probealarm sollte für die Anwohner ein Anlass sein, die Broschüre zu studieren, um sich die Alarmsignale und das richtige Verhalten in Erinnerung zu rufen.“

dst

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