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Brandschutz anno 1951: Weil die Zentralheizung im Rathaus außer Betrieb war, wurden in den Zimmern Öfen aufgestellt und deren Kaminrohre durch Wanddurchbrüche ins Freie geführt.

Das historische Foto der Woche

Im Trauungszimmer gab's Frischfleisch

Geretsried - Das Geretsrieder Rathaus könnte eine Menge Geschichten erzählen - unser historisches Foto der Woche.

Zum 70. Jahrestag der Ankunft der ersten Vertriebenen passt diese Aufnahme des Geretsrieder Rathauses. Sie entstand um das Jahr 1951 und stammt aus der Fotosammlung von Walter Holzer vom Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG). Wie kaum ein anderes Gebäude in Geretsried, so schreibt der AHG in seinem Begleitheft zum Weg der Geschichte, „versinnbildlicht das Rathaus den segensreichen Wandel einer für Krieg und Zerstörung geschaffenen Einrichtung zu einem Ort des friedlichen Für- und Miteinanders.“

Das heutige Rathaus wurde 1939 erbaut und diente bis Kriegsende als Verwaltungsgebäude der Dynamit Aktiengesellschaft (DAG). Nach der kampflosen Übergabe des Rüstungswerks an die US-Armee quartierten sich dort bis zum Frühjahr 1946 amerikanische Soldaten ein.

Mehrere Familien teilten sich einen Raum

Im Juli 1946 erreichte der zweite Transport von Heimatvertriebenen das Lager Buchberg auf der heutigen Böhmwiese. Weil die Baracken überfüllt waren, wurden 137 Menschen aus Tachau im Egerland in dem noch mit Tarnanstrich angemalten Verwaltungsgebäude untergebracht – im Volksmund fortan „Steinhaus“ genannt. „In der Anfangszeit mussten sich mehrere Familien einen Raum teilen“, berichtet der Arbeitskreis. Die Zentralheizung war außer Betrieb. Deshalb wurden Öfen aufgestellt und deren Kaminrohre durch Fenster und Wanddurchbrüche ins Freie geführt.

Silvesterball auf dem Dachboden

Trotz Überbelegung begann bereits Ende 1946 im Steinhaus das öffentliche Leben. Im heutigen Trauungszimmer feierten die Vertriebenen die ersten katholischen Gottesdienste. Einmal in der Woche wurde im selben Raum Fleisch verkauft. Auf dem Dachboden fanden der erste Silvesterball sowie andere Tanz- und Theaterveranstaltungen statt. Der Lehrer Karl Kugler sen. hielt dort seine Singstunden ab, sein Sohn Karl bastelte im Keller mit einer Jugendgruppe Segelflugmodelle. Im heutigen kleinen Sitzungssaal war ab 1947 der erste Caritas-Kindergarten untergebracht. Im nördlichen Garagenanbau (heute Ratsstuben) etablierten sich im Herbst 1948 das Obst- und Gemüsegeschäft Franz Tobisch und der Lebensmittelladen Felix Schwab.

Postamt und Polizeistation

Mit der Gemeindegründung am 1. April 1950 wurde das Steinhaus als Rathaus ausgewählt. Doch erst am 10. Juli konnte die Gemeindekanzlei den ersten Raum beziehen. Es folgten im Oktober das Standesamt und gegen Ende des gleichen Jahres die Volksbücherei. „Die völlige Belegung durch die Gemeindeverwaltung dauerte noch mehrere Jahre“, schreibt der AHG. In dieser Zeit beherbergte das Gebäude vorübergehend auch das Postamt, eine Zahnarztpraxis und die Polizeistation.

Sabine Schörner

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