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Fotokünstler fordert Bild von CSU zurück: „Mir de facto Berufsverbot erteilt“

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Von: Doris Schmid

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Michael von Hassel © © Jessica Kassner / jmk-photography

Michael von Hassel hat der CSU ein Bild überlassen. Jetzt fordert der Fotokünstler die Leihgabe zurück. Seine Gründe teilt er CSU-Chef Dr. Markus Söder in einem Brief mit und kritisiert darin dessen Corona-Politik aufs Schärfste.

Geretsried/München – Es heißt „Himmel der Bayern“ und hängt gegenüber des Büros des CSU-Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Es ist ein stattliches Bild und zeigt das Hacker-Zelt auf dem Münchner Oktoberfest. Es stammt von Michael von Hassel. Der 43-Jährige, der in Geretsried aufgewachsen ist, hat es der CSU-Landesleitung als Leihgabe überlassen. Jetzt fordert es der Fotokünstler zurück. In einem vierseitigen Schreiben an den CSU-Parteichef legt von Hassel seine Gründe dafür dar und kritisiert Söder und seine Corona-Politik aufs Schärfste.

Umsatzeinbußen von etwa 350.000 Euro durch Corona

„Zunächst einmal haben mich die diversen Corona-Maßnahmen der Politik etwa 350.000 Euro geplanten, vertraglich vereinbarten Umsatz gekostet“, schreibt er. Im zweiten Lockdown habe man Kulturschaffenden und Künstlern wiederholt versprochen, dass sie eine Entschädigung erhalten werden. „Das Ergebnis war bei vielen meiner Kollegen und mir selbst das krasse Gegenteil“: Unterstützungszahlungen seien mit dem Argument abgelehnt worden, er sei ein „Mischbetrieb“. Er hätte ja arbeiten können.

Die Politik hat Künstlern wie mir de facto Berufsverbot erteilt, hat Kompensation versprochen und nichts eingehalten. Das ist unanständig.

Fotokünstler Michael von Hassel

Die Antwortschreiben tragen laut von Hassel noch nicht einmal eine Unterschrift, sondern wurden maschinell erstellt. „Es hatte also niemand den Schneid, sich hinzustellen und zusagen, ,das habe ich abgelehnt‘“, kritisiert der Schreiber. „Das ist frech, herzlos und eben nicht das, was Sie versprochen hatten“, geht er den CSU-Parteichef an. „Die Politik hat Künstlern wie mir de facto Berufsverbot erteilt, hat Kompensation versprochen und nichts eingehalten. Das ist unanständig.“

Eine Politik der Spaltung und Ausgrenzung

Weit wichtiger als sein eigenes Schicksal sei Söders „unerträgliche Politik“ der Spaltung und Ausgrenzung. Von Hassel bezichtigt den Landesvater der Lüge: Monatelang sei versprochen worden, dass es keine Impflicht geben werde. „Dann arbeiten Sie doch genau darauf hin.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung betont der Fotokünstler, dass er kein Gegner von Impfungen sei. Auch Corona wolle er nicht verharmlosen. „Es ist mir bewusst, dass Menschen daran versterben.“ Er selbst habe eine Infektion mit einer mittelschweren „Erkältung“ überstanden. Aber eine Impfung gegen das Coronavirus scheint für ihn nicht in Frage zu kommen. Mehrere Familienmitglieder seien an einem Herzinfarkt gestorben. Er behauptet: „Drei Kardiologen sagten mir, ich soll den Impfstoff verweigern.“

Brief schlägt in sozialen Medien hohe Wellen

Von Hassel schickte den Brief an die CSU-Landesleitung im Dezember ab, am Donnerstag veröffentlichte er ihn in sozialen Netzwerken. Dort schlug er – für den Autor überraschend – hohe Wellen und sorgte für zahlreiche, in der Mehrheit zustimmende Kommentare. „Vielleicht nimmt man ihn zum Anlass, etwas zum Besseren zu verändern“, hofft der 43-Jährige.

Termin für Rückgabe vereinbart

Die CSU habe sich inzwischen bei ihm gemeldet: Man habe Bedauern ausgedrückt und einen Termin mit ihm vereinbart: Nächsten Dienstag wird der Fotokünstler den zwei Meter auf 1,25 Meter großen „Himmel der Bayern“ abholen.

nej

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