Feierstunde im kleinen Kreis : (v. li.) Hannelore Stanka, Gisela Lucht sowie Gerlinde Hornof vom VdK-Vorstand gratulieren Franz Stanka. Foto: Arno Bock/VdK

Franz Stanka ist seit 70 Jahren Mitglied des VDK

Franz Stanka ist seit 70 Jahren Mitglied des VDK: „Da bin ich hin und geblieben“

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Ein Mitglied der ersten Stunde: Franz Stanka ist seit 70 Jahren beim VdK. Er wurde im Krieg von zwei Granaten verletzt.

Geretsried – Zwei Granaten verletzten Franz Stanka (92) im Zweiten Weltkrieg. Die Wunde an seinen Füßen begleitet ihn sein ganzes Erwachsenenleben – fast ebenso lange gehört er zum Sozialverband VdK. Stanka ist seit 70 Jahren Mitglied. Vergangenes Jahr feierte der VdK-Geretsried 70. Geburtstag. Insofern kann Stanka als Mitglied der ersten Stunde bezeichnet werden – auch wenn er erst später nach Geretsried zog.

Der 92-Jährige erinnert sich noch genau, wie er in seiner Firma gefragt wurde, ob er beitreten möchte. „Das muss man schon machen“, war der Tenor in diesem Gespräch. „Also bin ich dahin und bis heute geblieben“, sagt Stanka. Er liegt in seinem Pflegebett, das im Wohnzimmer steht. Seine Frau Hannelore, eine patente und fröhliche 77-Jährige, kümmert sich um ihn, seit er nach einem Schlaganfall vor vier Jahren nicht mehr aufstehen kann.

„Meine Schuhe waren voller Blut“

Zeit seines Lebens lief er quasi ohne Fersen auf orthopädischen Schuhen durchs Leben – und dann fesselt ihn so etwas ans Bett. Franz Stanka hat dennoch seinen Lebensmut nicht verloren, er hat schon ganz anderes erlebt. Nach dem Arbeitsdienst mit 18 Jahren musste er zum Militär. Er zog mit einem Kamerad durchs Abruzzen-Gebirge in Italien. „Ein Granatsplitter ging durch meinen linken Fuß und kam im rechten wieder raus“, sagt der 92-Jährige und zeigt seine Füße in den selbstgestrickten Socken. Heute ist alles sauber verheilt, die vernarbte Haut ist glatt, aber seine Fersen sind wie eingedellt.

„Meine Schuhe waren voller Blut“, erinnert sich Stanka. Ein halbes Jahr lag er im Lazarett, bis die Wunden geschlossen waren. Bei seinem nächsten Einsatz bei Aachen traf erneut ein Granatsplitter sein Bein. Doch die Kriegsverletzungen konnten ihn nie vom Tanzen abhalten. Er lächelt wohlig, wenn er davon erzählt. „Kein Ball verging ohne uns und bei keinem Lied blieben wir sitzen“, sagt er.

Seine Frau Hannelore lernte er beim Tanz kennen. Er war Mitte 50 und auf Kur in Bad Tölz – wie alle zwei Jahre aufgrund der Kriegsverletzung. „Ein Kurschatten“, sagt die 77-Jährige lachend. Nach dem ersten Tanz fragte er, ob sie wiederkomme. Der Rest ist Geschichte. Franz Stanka zog von Pegnitz zu der Laborantin aus Geretsried.

Granatsplitter kommt 40 Jahre später wieder raus

In der oberfränkischen Stadt hatte er bis zu seiner Frührente bei einem Maschinenbauunternehmen im Büro gearbeitet. Eigentlich ist Franz Stanka gelernter Schmied. Sein Vater hatte vor der Vertreibung einen eigenen Betrieb in einem kleinen Dorf bei Marienbad im Egerland. Ein Bild von seinem damaligen Zuhause hängt noch heute über seinem Pflegebett. „Wir mussten alles zusammenpacken und das Haus verlassen. Das war schlimm“, sagt der 92-Jährige.

Zurück auf die Tanzfläche: Ein einziges Mal, an einem Silvesterabend, konnte er sie nicht betreten. Rund 40 Jahre nach seiner Verwundung im Abruzzen-Gebirge eiterte ein Granatensplitter, kleiner als ein Streichholzkopf, aus seiner Ferse heraus. Hannelore Stanka hat ihn in einem Taschentuch aufgehoben. „Er hatte plötzlich Fieber“, berichtet sie. Aber auch das meisterte sie mit ihrem „Franzerle“.

Für Menschen wie ihn wurde der VdK als Verband für Kriegsbeschädigte, -hinterbliebene und Sozialrentner gegründet. Dort sah er seine Interessen vertreten und dachte nie darüber nach, wieder auszutreten. „Ich war immer gerne bei dem Verein“, sagt Franz Stanka. sw

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