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Auf dem Weg in die ABU: Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (vorne, 2. v. re.) und der Bürgermeister von Chamalières, Louis Giscard d’Estaing (vorne re.)

Besuch in ABU

Gäste aus Frankreich besuchen Asylbewerberunterkunft

Geretsried – 20 Franzosen und 30 Geretsrieder besuchten die Asylbewerberunterkunft am Robert-Schumann-Weg. Die Integrationsleistung der Stadt stößt auf Bewunderung. 

Die Abordnung aus Chamalières zeigte sich beeindruckt. Darüber, wie gut die Partnerstadt Geretsried die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen organisiert hat und darüber, wie reibungslos das Zusammenleben in einer Sammelunterkunft funktionieren kann. Rund 20 Franzosen und 30 Einheimische hörten sich am Samstagvormittag einen Vortrag von Bürgermeister Michael Müller zum Thema Asyl im Rathaus an und fuhren anschließend zur Asylbewerberunterkunft (ABU) am Robert-Schumann-Weg.

Michael Müller: Sind als Gemeinde für Flüchtlinge zuständig

Müller erläuterte, wie Asylbewerber in Deutschland verteilt werden, welche Unterkünfte es für sie gibt, wie viel Geld sie vom Staat zum Leben bekommen und wie es nach der Anerkennung oder Duldung weitergeht. „Sobald die Menschen ein Aufenthaltsrecht haben, sind wir als Gemeinden für sie zuständig“, sagte Müller. In Geretsried würden derzeit rund 250 Asylbewerber leben, in Wohnungen und in den beiden Sammelunterkünften am Robert-Schumann-Weg und an der Blumenstraße. Es sei Platz für weitere 300 Personen. Drei hauptamtliche Mitarbeiter und zahlreiche Ehrenamtliche würden sich um die Integration der Flüchtlinge bemühen.

Im Rathaus seien zwei Stellen geschaffen worden, eine weitere sei beim Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit angesiedelt und werde von der Stadt finanziert. Die Kommune habe in der Vergangenheit außerdem sieben zusätzliche Schulklassen mitfinanziert und zwei Kindergartengruppen nur für Asylbewerberkinder geschaffen. Eine große Herausforderung sei es, Wohnungen für die anerkannten Flüchtlinge bereitzustellen. Man plane verteilt über das Stadtgebiet mehrere Wohnanlagen mit einer gemischten Bewohnerstruktur, um keine Ausländerghettos zu bekommen. Der Bürgermeister von Chamalières, Louis Giscard d’Estaing, äußerte sich voller Bewunderung über die Integrationsleistung der Partnerstadt: „C’est un magnifique example de solidarité“ (Das ist ein großartiges Beispiel für Solidarität). Er rechtfertigte die Tatsache, dass Frankreich im Gegensatz zu Deutschland nur einen Bruchteil an Asylbewerbern aufnehme mit der schwachen Wirtschaft seines Landes.

"Bienvenue"-Plakate in Tricolore heißen Franzosen willkommen 

Im ABU hatten sich die Bewohner zusammen mit ihren ehrenamtlichen Betreuern große Mühe gegeben, die Delegation willkommen zu heißen. „Bienvenue“-Plakate in Blau-Weiß-Rot hingen am Eingang, die Asylbewerber hatten gebacken und zeigten gerne ihre Zimmer in dem Wohncontainer. Der Französisch sprechende junge Bocar Traore aus Mali unterhielt sich mit Giscard d’ Estaing. Er fühle sich gut aufgenommen in Deutschland, sagte der Westafrikaner. Nachdem er inzwischen eine Anstellung bei einer Geltinger Firma für Glückwunschkarten gefunden habe, könne er sich eine Wohnung zusammen mit zwei anderen Männern am Kirchplatz leisten, erzählte der einstige ABU-Bewohner stolz.

Sogar Thomas Bigl, der Leiter der Sozialabteilung am Tölzer Landratsamt, war zu der Führung in die ABU gekommen. Grundsätzlich gelinge die Integration von Flüchtlingen in dezentralen Unterkünften, also in Wohnungen Tür an Tür mit Einheimischen, besser als in Sammelcontainern, sagte er. Die ABU bilde eine positive Ausnahme. Das sei der Betreuung durch die Ehrenamtlichen zu verdanken: „Die Leute werden hier nicht irgendwo reingesteckt und alleine gelassen.“

Als weniger glücklich hatte Bürgermeister Michael Müller zuvor die vorübergehende Notbelegung der Turnhalle der Mittelschule Ende vergangenen Jahres bezeichnet. Es sei dort zu sexuellen Belästigungen der Frauen und zu internen Konflikten gekommen – wohl auch, weil dort ehrenamtliche Helfer von Seiten des Landkreises nicht erwünscht waren, sagte Müller. Seiner Meinung nach lohnt sich jede Investition in Integrationsarbeit. Sie sei die beste Prävention, um den sozialen Frieden in einer Kommune zu bewahren. 

Tanja Lühr

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