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„Keine Frau sucht Bauer“: Zu seinen Liedern begleitete sich Martin Herrmann auf der Gitarre oder der „Tibetanischen Taschenharfe“.

Frauenflüsterer mit String-Kopftuch

Gelting – Der Musikkabarettist Martin Herrmann bricht in der Geltinger Kleinkunstbühne Hinterhalt bewusst Tabugrenzen.

„Depression ist die Berufsgrundlage für Kabarettisten“, behauptet Martin Herrmann. Angesichts dieses Eingeständnisses schwante einigen der rund 70 Besucher, die am Samstagabend zu seinem Auftritt in die Kleinkunstbühne Hinterhalt gekommen waren, nichts Gutes. Stand doch zunächst die Befürchtung im Raum, da würde wieder einmal ein Komiker von Betroffenheit triefende Kalauer von sich geben und bekannte Politiker durch den Kakao ziehen. Diese Befürchtungen sollten sich nicht bewahrheiten. Denn Martin Herrmann steigerte sich nach verhaltenem Start von Minute zu Minute. Dem Titel seines aktuellen Programms „Keine Frau sucht Bauer“ wurde er nicht nur äußerlich gerecht.

Nachdem Herrmann für kurze Zeit in ein Karohemd geschlüpft war und sich einen Sepplhut aufgesetzt hatte, sinnierte er über den Wertewandel in der Gesellschaft: „Auf dem Acker stehen heute immer weniger, aber viele stehen auf den Akademiker.“ Dass er sich selbst nicht getraut hat zu heiraten, liege daran, dass die Scheidungsrate in der Stadt bei 50 Prozent liegt. Nur auf dem Land herrsche Stabilität, weil es dort laut Herrmann kaum Frauen gibt: „Die sitzen alle in der Stadt und lassen sich scheiden.“ Was treibt aber eine Städterin in die Arme eines Bauern? Der Wortakrobat hatte die Antwort gleich parat: „Wenn die Frau vom Gebären zu müde ist, trägt sie der Bauer auf Händen zur Stallarbeit.“ Ein anderes Mal zog sich Herrmann als selbst ernannter „Frauenflüsterer“ ein zusammengebundenes Seil als „String-Kopftuch“ über, mit dem er zumindest in Baden-Württemberg an jeder Schule unterrichten könne, wie er behauptete.

Im weiteren Verlauf nahm Herrmann unter anderem Ärzte-, Kita-, Lehrer- und Pilotenstreiks ebenso ins Visier wie den ehemaligen Bischof Tebartz van Elst, der sich bekanntlich für 30 Millionen eine luxuriöse Residenz errichten wollte. Der verrufene Limburger Geistliche sei aber im Vergleich zum bayerischen Erzbischof Reinhard Marx nur eine kleine Nummer. „Der hat 100 Millionen mehr verbaut. Da kann man wohl zurecht sagen, dass wenn sich einer mit Kapital auskennt, dann Marx“, witzelte Herrmann. Begleitet wurden diese Ausführungen von kurzen Liedern, die Herrmann auf der Gitarre oder einem Eierschneider – der so genannten Tibetanischen Taschenharfe – spielte. Den meisten Beifall erhielt er hier für seine Version des Georg-Kreisler-Klassikers „Taubenvergiften“: Der „Anti-Liedermacher“ forderte rigoros zum „Traubenvergiften“ im Supermarkt auf. „Dann gäbe es an der Kasse wieder Platz ohne Rabatz“, sang Herrmann. Am Ende erfüllte er noch die lautstark geäußerten Wünsche nach Zugaben.

Ob Martin Herrmann mit seinem Programm auf Dauer große Hallen füllen kann, bleibt dennoch abzuwarten. Denn sein Humor überschreitet bewusst Tabugrenzen, und auch die manchmal etwas spröde wirkenden Gitarren-Einlagen treffen wohl eher den Geschmack einer überschaubaren Kleinkunst-Fangemeinde.

Peter Herrmann

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