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Nach sieben Minuten wurde durchgewechselt: Zum Speeddating mit ihren Stadtratskandidaten hatten die Freien Wähler in die Ratsstuben eingeladen.

Experiment in den Ratsstuben

Freie Wähler Geretsried: Herzklopfen beim Polit-Speeddating

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„Etwas aufgeregt“ waren die die Organisatoren vor dem ersten Polit-Speeddating der Freien Wähler in den Geretsrieder Ratsstuben. 36 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich gegenseitig zu kennenzulernen.

Geretsried – Speeddating: Dieser Begriff hat nach Ansicht von Ex-Stadtrat Robert Lug etwas Anrüchiges. Schließlich geht es für gewöhnlich darum, in kurzer Zeit neue Flirtpartner zu finden, gemeinsame Hobbys, Interessen und eventuelle Kinderwünsche abzuklären. Zu einem komplett anderen Speeddating hatten jetzt die Freien Wähler Geretsried in die Ratsstuben eingeladen: Im Schnelldurchlauf konnten Interessierte die designierten Stadtratskandidaten der Freien Wähler (FW) kennenlernen. Und dieses Angebot kam gut an: 36 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschnuppern.

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Für die FW-Ortsvorsitzende Ann-Kathrin Güner fühlte sich das politische Speeddating ein bisschen wie ein „richtiges“ Speeddating an: „Das ist ein Experiment, was Neues. Wir sind alle etwas aufgeregt.“ Etwas aufgeregt waren auch die drei Dutzend Teilnehmer, die nur ansatzweise wussten, was auf sie zukommt. Sie nahmen an den Tischen Platz. Jeweils nach sieben Minuten forderte Altbürgermeisterin und Kreistagskandidatin Cornelia Irmer die Teilnehmer auf, die Plätze zu wechseln. Damit sich niemand fürchten musste, einem Fremden schweigend gegenüber zu sitzen, drückten die Organisatoren allen ein Blatt mit möglichen Fragen in die Hand. „Es geht aber nicht darum, sein Innerstes nach außen zu kehren“, beruhigte Robert Lug.

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Geschwiegen wurde an diesem Abend nicht – ganz im Gegenteil: Wenn 36 Menschen gleichzeitig in einem vergleichsweise kleinen Raum reden, entwickelt sich ein beachtlicher Geräuschpegel. „Ich hör’ schlecht und hab mir sicherheitshalber ein Hörgerät reingetan“, sagte Lug schmunzelnd: „Das war ein Fehler.“

Helga Napierala wollte beispielsweise von Stadtrat Wolfgang Möckel wissen, warum er von der CSU zu den Freien Wählern gewechselt ist. Details wollte Möckel nicht preisgeben, nur so viel: „Mir gefällt an den Freien Wählern, dass sie offener und herzlicher sind.“ Die Werte, die die CSU und die Freien Wähler vertreten, lägen ja nicht weit auseinander. Ebenso erfuhr Napierala, dass sich Möckel gerne mal mit dem 2012 verstorbenen Neil Armstrong unterhalten hätte. Und dass er die schlechte Angewohnheit habe, „ab und zu nicht gescheit zuzuhören“.

Maximilian Strasser sagte, er habe sich den Freien Wählern angeschlossen, weil er der Meinung ist, dass auch junge Leute dem Stadtrat angehören sollten. „Außerdem will ich meine Meinung vertreten und will mir nicht von einer Partei was aufdrücken lassen.“

Stadtrat Manfred Freiseisen ließ sein Gegenüber wissen, dass er pünktliche und aufgeschlossene Menschen schätzt, dass er gerne auf Schiffen unterwegs ist und dass ihn Amerika immer wieder interessiert. Von FW-Vorstandsmitglied Jennifer Kübler war zu erfahren, dass sie sich liebend gerne mal mit Napoleon unterhalten hätte. Der Grund: „Die Kinder behandeln Napoleon in der Schule. Und ich habe ganz andere Dinge über ihn in Erinnerung.“

Robert Lug war mit dem Ablauf des Experiments zufrieden: „Zwei Handvoll Menschen hatte ich zuvor noch nie gesehen – zu unseren Stammtischen kommen meist nur 20 bis 25 Leute.“ Cornelia Irmer sah noch weitere Vorteile eines solchen Speeddatings: „Das ist eine gute Vorbereitung auf die Arbeit an Info-Ständen. Die Kandidaten lernen, wie sie ihre Gedanken formulieren können und kommen auf neue Ideen.“

Info

Offiziell nominiert werden die Stadtratskandidaten der Freien Wähler an diesem Freitag, 29. November. Die öffentliche Aufstellungsversammlung im Gasthof Geiger beginnt um 19 Uhr.

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