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Sanierungsbedürftig: Das Gebäude der Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße.

Freie Wähler kritisieren Haushalt der Stadt Geretsried

Eisstadion wichtiger als die Mittelschule ?

Die Freien Wähler (FW) sehen nicht ein, dass eine Pflichtaufgabe wie die Sanierung der Adalbert-Stifter-Mittelschule auf der Prioritätenliste der Stadt nach hinten rutscht und dafür die Sanierung des Eisstadions vorgezogen wird. Fraktionssprecher Robert Lug machte seinem Ärger am Stammtisch Luft.

Geretsried Am kommenden Dienstag, 31. Januar, soll der Haushaltsplan für 2017 im Stadtrat verabschiedet werden. FW-Fraktionssprecher Robert Lug, die FW-Ortsvorsitzende und Stadträtin Vera Kraus sowie Stadtrat Dominik Irmer und fünf weitere FW-Mitglieder sorgten sich bei ihrem Treffen am Donnerstagabend im Gasthaus Geiger, weil die aus ihrer Sicht dringend notwendige Mittelschulsanierung erst in etwa sieben Jahren in Angriff genommen wird.

Robert Lug Der Fraktionssprecher der Freien Wähler übt deutliche Kritik an CSU-Bürgermeister Michael Müller.

Im Haushaltsplan sind laut Lug für heuer nur noch 100 000 Euro an Planungskosten für einen Interimsbau eingestellt (2016 wollte die Stadt noch 250 000 Euro dafür ausgeben). In dieses Gebäude, für das erst 2020 ein Teil der Baukosten eingeplant ist, sollen die Schüler während der Generalsanierung ausweichen.

FW-Mitglied Hanjo Osthues nannte es unverantwortlich, dass die Stadt nicht so bald wie möglich in die „wichtigste Aufgabe“ Bildung investiere. Lug ergänzte, der Schulleitung und den Lehrern sei bei der Diskussion um Sanierung oder Neubau gesagt worden, ersteres ginge schneller. „Jetzt schauen sie in die Röhre.“

Stattdessen, so monierte Lug, werde die Sanierung des Eisstadions vorgezogen. Es sei erfreulich, wenn das beauftragte, mit dem Eissportclub (ESC) „verbandelte“ Architekturbüro nach Neuplanung von 6,5 auf vier Millionen Euro Kosten für eine Dachkonstruktion plus Einhausung des Stadions komme. Doch erstens werde es bei diesen Kosten erfahrungsgemäß nicht bleiben und zweitens sei das Eisstadion eine freiwillige Aufgabe der Stadt.

Der ehemalige Bürgermeisterkandidat Lug wirft Rathauschef Michael Müller (CSU) vor, dieser löse mit der Sanierung ein im Wahlkampf gegebenes Versprechen an die SPD ein. Es komme Müller gerade recht, dass die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt überraschend von veranschlagten 14,4 Millionen Euro auf rund 18 Millionen gestiegen sind (wir berichteten) – wobei man noch nicht sicher mit dem Geld rechnen dürfe. So könne der Bürgermeister das leidige Thema Eisstadion demnächst abhaken. Stadtrat Dominik Irmer wandte ein: „Fairerweise muss man sagen, dass der ESC auch schon lange auf eine Lösung wartet.“

Fraktionssprecher Lug blieb skeptisch. Ein Blick auf den von Kämmerer Helge Balbiani erstellten Haushaltsplan bis 2019 zeigt ihm: Die Stadt rechnet wieder mit einem Rückgang der Gewerbesteuer. Unternehmer Lug will aus Kollegenkreisen erfahren haben, dass Firmen aufgrund der Steuersatzerhöhung im vergangenen Jahr an Abwanderung denken. „Wenn sie jetzt mitkriegen, dass die angeblich für die S-Bahn-Infrastruktur und für andere wichtige Pflichtaufgaben vorgesehenen Mehreinnahmen in ein Eisstadiondach fließen, werden sie umso verärgerter sein“, glaubt er.

Auch wundert sich Lug, dass Michael Müllers „Steckenpferd“, das Bürgerhaus für Stein, in der Prioritätenliste mit 50 000 Euro Planungskosten in 2018 nach oben gewandert ist. Dieses Projekt würde Lug lieber „um zwei Jahre schieben“. Für wichtiger halten er und FW-Mitglied Alexandra Vögtle die Renovierung der Turnhalle an der Karl-Lederer-Mittelschule, die erst 2019 auftaucht. Vögtle: „Der Putz bröckelt von der Decke. Die Halle ist für die Schüler nicht mehr benutzbar.“

von Tanja Lühr

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