Nimmt Fremdenfeindlichkeit zu ?

Fremdenhass: Suzan Jarrar fühlt sich unwohl in der Stadt

Geretsried - Die Muslimin und hauptamtliche Asyl-Koordinatorin der Stadt, Suzan Jarrar, fühlt sich seit einiger Zeit nicht mehr sicher in Deutschland - und fühlt sich unwohl in Geretsried.

„Ich habe das Gefühl, mit den Augen verfolgt zu werden, wenn ich durch die Straßen in Geretsried gehe“, sagte sie am Donnerstagabend beim Freie-Wähler-Stammtisch im Gasthaus Isarwinkel.

Suzan JarrarDie Muslimin war zu Gastbeim Stammtisch der Freien Wähler.

Die Freien Wähler nahmen ihre Sorge zum Anlass, über Fremdenfeindlichkeit zu diskutieren. Kürzlich hatte ein Busfahrer in Erding einen Schwarzen als „Affen“ beschimpft und wollte ihn nicht mitnehmen. Der Bayer wurde zwar bestraft, trotzdem ist der Fall für Suzan Jarrar einer von vielen Warnzeichen in der jüngsten Zeit. Die 48-Jährige wurde im Westjordanland als Tochter einer Deutschen und eines Jordaniers geboren. Sie bekenne sich zum Islam und trage aus Überzeugung ein Kopftuch, erklärte sie. Es nerve sie, wenn sie ständig darauf angesprochen werde. „Geretsried ist meine Heimat, aber im Moment fühle ich mich fremd in dieser Heimat.“ Sie mache sich große Sorgen, dass die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) mehr Einfluss gewinnen könnte und die Stimmung in der Bevölkerung ausländerfeindlicher werde. Am Stammtisch, zu dem sie mit ihrem Mann Leith gekommen war, sagte sie: „Es reicht jetzt mit diesen Nazi-Parolen. Ich will, dass wir endlich etwas dagegen tun.“ Der Freie-Wähler-Fraktionssprecher Robert Lug glaubt, die AfD, dieser „unorganisierte Haufen“, werde sich „selber zerlegen“.

Die Partei werde von der Bildfläche verschwinden wie einst die Republikaner und andere rechte Gruppierungen, meinte Stammtisch-Besucher Ernst Walko, der in den 1990er-Jahren für die FDP noch zusammen mit Republikanern im Stadtrat saß. Nichtsdestotrotz nehmen die Freien Wähler Jarrars Bedenken ernst. Das Wichtigste sei es, die Leute wachzurütteln, sagte Ortsvorsitzende Vera Kraus. Vorurteilen und fremdenfeindlichen Parolen, wie sie vor allem in den sozialen Netzwerken geäußert würden, müsse man energisch entgegentreten.

Jugendrat Felix Leipold (17) meinte, dass viel Aufklärungsarbeit notwendig sei. In den Jugendzentren Saftladen und Ein-Stein funktioniere das gut. Fremdenhass sei dort kein Thema. Er gab zu bedenken: „Auch wir Deutsche könnten durch Krieg oder Katastrophen in die Situation kommen, im Ausland neu anfangen zu müssen. Dann wären wir froh, wenn wir freundlich aufgenommen würden.“ tanja lühr

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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