Josef Hurnaus von den Freunden Djibos
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Josef Hurnaus von den Freunden Djibos

Ein Gespräch mit Josef Hurnaus, Schriftführer des Vereins

Freunde Djibos: Geld geht direkt an die Familien in Westafrika

Der Verein Freunde Djibos ist noch mehr als andere auf Spenden angewiesen, um seine Projekte in der Stadt Djibo im westafrikanischen Burkina Faso fortführen zu können. Aufgrund des aktuellen Lockdowns konnte die wichtigste alljährliche Veranstaltung, der Weihnachtsmarkt in der Geltinger Turnhalle, 2020 nicht stattfinden.

Gelting – Die aktuell 30 Mitglieder und andere Dorfbewohner verkaufen dort seit 35 Jahren selbst hergestellte Produkte wie Marmeladen, Mützen oder Adventskränze sowie handwerkliche Kunst aus Burkina Faso. Der Erlös fließt jedes Mal zu 100 Prozent nach Djibo, wo Projekte nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ finanziert werden. Unsere Mitarbeiterin Tanja Lühr sprach mit Schriftführer Josef Hurnaus über die Situation im Verein und in der von ihm unterstützten Stadt.

Herr Hurnaus, fehlen dem Verein viele Spenden durch den ausgefallenen Weihnachtsbasar?

Josef Hurnaus: Nein, zum Glück gar nicht. Wir haben die Bürger zur Adventszeit auf Plakaten gebeten, an Weihnachten für Afrika zu spenden. Und stellen Sie sich vor: Es kam mehr Geld rein als sonst. Unter den Spendern waren Menschen, die unseren Basar und unseren Verein gar nicht kannten, aber trotzdem etwas Gutes tun wollten. Das hat uns sehr gefreut. Ein bisschen etwas konnten wir noch an den zwei Adventssamstagen an unserem Stand auf dem Geretsrieder „Isar-Winter“ verkaufen, der dann aber coronabedingt eingestellt werden musste.

Wie geht es den Freunden in Djibo? Gibt es ein bestimmtes Projekt dort, das mit dem Geld unterstützt wird?

Josef Hurnaus: Wir helfen damit einheimischen Familien, die Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen haben. Aktuell gibt es in der Stadt Djibo mit seinen rund 60 000 Einwohnern 160 000 Flüchtlinge. Sie wurden vertrieben von Terroristen, islamistischen Extremisten und militanten Regionalgruppen. Eine Million Binnenflüchtlinge sind im Moment in Burkina Faso unterwegs. Jeder versucht, bei der Verwandtschaft unterzukommen, auch wenn man noch so entfernt miteinander verwandt ist.

Das Geld kommt also direkt den Familien zu Gute?

Josef Hurnaus: Ja. Die Bauern wurden teilweise auf ihren Feldern erschossen. Weil die Felder nicht mehr bestellt werden, muss etwa das Grundnahrungsmittel Hirse teuer unter Militärbegleitung importiert werden. Unser Koordinator vor Ort sorgt mit unseren Spenden dafür, dass die Familien Lebensmittel für sich und die bei ihnen wohnenden Flüchtlinge bekommen.

Ist Corona ein Problem in der westafrikanischen Patenstadt?

Josef Hurnaus: In Burkina Faso hat sich das Virus noch nicht so breit gemacht wie in Europa. Offenbar verträgt es die Hitze nicht so gut. Der Terrorismus ist das alles überschattende Problem. Auch in der von uns mit aufgebauten und unterstützten Schule kann im Moment kein Unterricht stattfinden, aber nicht wegen Corona, sondern weil die Lehrer vertrieben wurden. Die lokale Politik ist viel zu schwach, um gegen den Terrorismus anzukämpfen.

Weitere Spenden wären sicher willkommen?

Josef Hurnaus: Auf jeden Fall. Wir freuen uns über Spenden auf unsere Konten, die auf unserer Homepage veröffentlicht sind: www.freunde-djibos.de. Außerdem freuen wir uns über neue, gerne jüngere Mitglieder. Meine Frau (Vorsitzende Irmgard Hurnaus, Anm. d. Red.) und ich, wir sind inzwischen beide 83. Auch die anderen Mitglieder sind mittlerweile in die Jahre gekommen.

In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

tal

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