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Vor ihren Augen starb ein Motorradfahrer: Frau startet Petition gegen gefährliche Kreuzung

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Neuralgische Stelle: Bei einem Unfall im Bereich Staatsstraße 2369/Breslauer Weg/Isarradweg verlor ein 64 Jahre alter Motorradfahrer am vergangenen Samstag sein Leben. Eine Radfahrerin (76) aus Geretsried wurde schwer verletzt. Nicht zum ersten Mal werden nun Forderungen laut, an der Stelle für mehr Sicherheit zu sorgen.
Neuralgische Stelle: Bei einem Unfall im Bereich Staatsstraße 2369/Breslauer Weg/Isarradweg verlor ein 64 Jahre alter Motorradfahrer am vergangenen Samstag sein Leben. Eine Radfahrerin (76) aus Geretsried wurde schwer verletzt. Nicht zum ersten Mal werden nun Forderungen laut, an der Stelle für mehr Sicherheit zu sorgen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

In Geretsried quert ein Radweg die Staatsstraße. Dadurch kam es schon zu mehreren Unfall - auch mit Toten. Eine Unfallbeteiligte will verhindern, dass so etwas wieder passiert.

Geretsried – Es war nicht der erste folgenschwere Unfall in dem Bereich: Am vergangenen Samstag verlor ein Motorradfahrer aus Gauting bei der Kollision mit einer Radfahrerin auf der Staatsstraße 2369 (Breslauer Weg/Querung Isarradweg) sein Leben (wir berichteten). Die Geretsriederin (76) erlitt schwerste Verletzungen. Jetzt werden Rufe laut, den Kreuzungsbereich besser zu sichern. Auch nicht zu ersten Mal.

Tödlicher Unfall: Autofahrerin wird die furchtbaren Bilder nicht los

Es war einer der schlimmsten Momente ihres Lebens: Die 33-jährige Wolfratshauserin bremste ihren Volkswagen ab, als sie sah, dass eine Fahrradfahrerin die Staatsstraße überqueren will. Ein Motorradfahrer, der hinter dem VW fuhr, setzte laut Polizei trotzdem zum Überholen an. Die traurige Bilanz des Unfalls: ein Toter, eine Schwerstverletzte. Die Autofahrerin kommt mit dem Schrecken davon, doch die furchtbaren Bilder des Geschehens wird sie nicht los. „Ich schrie auf, und mein Mann rief nur noch ,Fahr nach rechts!‘“, erinnert sich die 33-Jährige an die letzten Sekunden vor der Kollision des Kawasaki-Fahrers mit der Radlerin. Jetzt hat die Wolfratshauserin auf der Plattform change.org eine Online-Petition gestartet. Das Ziel der digitalen Unterschriftenaktion: eine sichere Querungshilfe für Radfahrer und Fußgänger („vielleicht eine Unterführung?“) an der Kreuzung Staatsstraße 2369/Isarradweg, dazu ein Tempolimit von 60 km/h und Warnschilder. Darüber hinaus hat die 33-Jährige den Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim – die Behörde ist umgangssprachlich formuliert verantwortlich für die Staatsstraßen – angeschrieben: „Ich habe ihn zu einer Radtour eingeladen, um ihm zu zeigen, was an besagter Stelle los ist.“ Auch Geretsrieds Rathauschef Michael Müller hat sie kontaktiert – der Bürgermeister reagierte auf das aktuelle Geschehen bereits in der Stadtratssitzung am Dienstagabend (siehe Bericht unten).

Motorradfahrer stirbt: Schock sitzt bei der Unfallbeteiligten tief

Der Schock sitzt bei der Unfallbeteiligten, die auf dem Heimweg nach Wolfratshausen war, tief: „Man fragt sich die ganze Zeit, ob man etwas anders hätte machen können – aber weiß einfach nicht was.“ Ihr geht es jetzt vor allem darum, ihren Teil dazu beizutragen, dass Unfälle an besagter Stelle verhindert werden. Sie will die Behörden wachrütteln: „Wie viele Tote braucht es, um sich zu einem einfaches Bauprojekt in dem Bereich durchzuringen?“ Die 33-Jährige selbst will die Staatsstraße 2369 künftig meiden und die Route über Königsdorf nach Bad Tölz nehmen. „Wenn einem so etwas passiert ist, kann man das nicht einfach vergessen.“

Petition zur Entschärfung der Gefahrenstelle: Bislang haben 39 Bürger unterschrieben

Bereits in der Vergangenheit haben sich an der neuralgischen Stelle schwere Unfälle ereignet. Hier kreuzen zwei überregionale Wege die Staatsstraße: Zum einen der Radweg von und nach Bad Tölz, zum anderen die Via Bavarica Tyrolensis (zugleich ein Abschnitt des Fernradweges München-Venedig). Nachdem im April 2009 ein 56-jähriger Geretsrieder, der sein Fahrrad über die Staatsstraße schob, von einem VW-Bus erfasst und tödlich verletzt worden war, forderten viele Bürger vehement eine sichere Querungshilfe. Aber: Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels in dem Bereich wäre der Bau einer Unterführung sehr teuer. Andere Vorschläge (eine Ampelanlage, eine Verkehrsinsel) wurden aus verschiedenen Gründen nicht in die Tat umgesetzt.

Stand der Dinge: Zwei Warnschilder weisen Pkw-, Lkw- und Motorradfahrer auf kreuzende Radler hin. Den Fahrradfahrern wiederum wird ein „Stop“ verordnet, zudem machen eine Umlaufsperre und Schranken auf die drohende Gefahr aufmerksam. Die 33-jährige Unfallbeteiligte stellt dazu fest: „Das reicht nicht.“

Bis Redaktionsschluss hatten 39 Bürger die Petition unterzeichnet.

Die Online-Petition

ist im Internet zu finden
unter https://chng.it/QZgfDVHMW6

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Bürgermeister Müller schlägt mehrere Sofortmaßnahmen vor

Nach dem tödlichen Unfall auf der Staatsstraße 2369 auf Höhe des Breslauer Wegs fordert Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller das Landratsamt und das Straßenbauamt in Weilheim auf, die Situation schnellstmöglich zu entschärfen. „Wir müssen hier gemeinsam eine kurzfristige Verbesserung schaffen“, sagte er am Dienstagabend im Stadtrat. Deshalb habe er sich sowohl an das Landratsamt als zuständige Verkehrsbehörde als auch an das Staatliche Bauamt in Weilheim als für die Straße zuständige Behörde gewandt.

Bei dem folgenschweren Unfall hat wie berichtet am Samstag ein Motorradfahrer bei einer Kollision mit einer querenden Radfahrerin aus Geretsried sein Leben verloren. Auch die Radfahrerin wurde schwer verletzt. Bereits im Frühjahr 2009 hatte sich an derselben Stelle ein tödlicher Unfall ereignet, ein Jahr später ein weiterer schwerer Unfall mit mehreren Verletzten.

In den vergangenen Jahren wurden bereits unterschiedliche Varianten für den Bau einer Radwegunterführung untersucht. Doch das Vorhaben scheiterte bislang an der schwierigen Grundwassersituation, der Spartendichte sowie naturschutzfachlichen, eigentumsrechtlichen und förderrechtlichen Fragen. Die Diskussion über eine alternative Führung des Radweges nördlich der Staatsstraße bis zur Tattenkofener Brücke mit Unterquerung der Brücke ist bislang noch nicht abgeschlossen, da man dafür im Naturschutzgebiet bauen müsste. Kurzfristig schlägt Müller in dem Brief ans Staatliche Bauamt, der unserer Zeitung vorliegt, vier Maßnahmen vor: Auf der gesamten Strecke zwischen Tattenkofener Brücke und Ortseingang Geretsried soll künftig Tempo 60 statt bisher 100 gelten. Außerdem soll für die gesamte Strecke ein Überholverbot angeordnet werden. Die Sichtdreiecke, die durch den starken Bewuchs mit Bäumen und Sträuchern teils verdeckt sind, sollen freigeschnitten werden. Um die Querung für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen, soll kurzfristig eine Bedarfsampel (Knopfdruckampel) aufgestellt werden. ln diesem Zusammenhang weist der Bürgermeister darauf hin, dass der Bau einer Ampel mittelfristig im Radverkehrskonzept des Landkreises gefordert wird. Die Situation an der Staatsstraße 2369 verlange eine umgehende Lösung, die nur Hand in Hand erreicht werden könne, so Müller. Er hat die Vertreter des Landratsamts und des Straßenbauamts zu einem Runden Tisch nach Geretsried eingeladen.

Tanja Lühr

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