+
Als Merlin empfing Bürgermeister Müller (Mitte) die Urzeln.

Brauch für Klein und Groß

Gegen die bösen Geister im Rathaus: Merlin und die Urzeln

  • schließen

Gegen die bösen Geister: „Merlin“ Michael Müller empfängt 40 Urzeln im Alter zwischen sechs Monaten und 76 Jahren im Rathaus. Danach geht es zum Faschingstreiben – diesmal in den Innenhof.

Geretsried – Der jüngste Urzel trägt zwar keine Peitsche, Schelle und Quetsche, dafür aber ein Kostüm wie die Großen. Tamina ist mit ihren sechs Monaten zum ersten Mal unter den 40 Urzeln, als die am Faschingsdienstag traditionell die bösen Geister aus dem Rathaus vertreiben. Keine Frage, dass sie den Brauch – über und über mit schwarzen Zotteln bekleidet – auf dem Arm von Mama Marina (31) verfolgt. Papa Hermann (40) gehört ebenfalls von Klein auf zur Zunft.


Der Besuch im Rathaus ist für die Siebenbürger eine von sieben Stationen an diesem Tag. Bürgermeister Michael Müller erwartet die maskierten Männer und Frauen bereits. Er selbst trägt einen Zauberumhang samt langem, weißen Bart. „Ich freue mich, dass die Urzeln das Rathaus geisterfrei halten“, sagt Merlin im Foyer. Wobei die Frage sei, ob er als Zauberer die Geister beherrsche oder sie rief und nicht mehr los wurde. Sei’s drum, die Urzeln verscheuchen sie mit Trompetenmusik und Radau.

Zunftmeister der Urzeln ist seit vergangenem Jahr Peter Wagner (46), der das Amt vom Vater Horst (76) übernommen hat. „Mein Vater hat auch mit 45 Jahren angefangen“, erklärt Peter Wagner, der schon Teil der Urzeln war, als sein Vater den Agnethler Brauch vor 32 Jahren in Geretsried mitbegründet hat. Der Zunftmeister ist zuständig für die Organisation, vom Urzelkrautessen am Freitag bis zum Ablauf der sieben Stationen. Seine Familie packt mit an: Die Söhne Moritz (17) und Felix (11) als Urzeln, ebenso wie Vater Horst Wagner, der als ältester Urzel „so lange wie der liebe Gott will“ dabei sein möchte.

Tochter Maria übernimmt die ehrenvolle Aufgabe des Reifenschwingens im Rathaus. Der Reifen symbolisiert den Ring, der ein Fass zusammenhält. Darin balanciert sie drehend drei Schnapsgläser. „Es braucht ein bisschen Übung, aber wenn man es einmal drin hat, geht es locker von der Hand“, sagt die 14-Jährige. Aus Rücksicht auf die niedrige Decke im Foyer zelebriert sie den Brauch der Faßbinder so vorsichtig wie gewohnt. Für dieses Jahr hat sie aber auch eine neue Technik einstudiert. „Wir waren bei Verwandten in Sachsen, die uns gezeigt haben, wie sie es machen“, erklärt Maria. Diese Methode kommt zum Zug, nachdem die Urzeln bimmelnd und peitschend zum Faschingstreiben in den Rathaus-Innenhof gezogen sind. Dort steht die 14-Jährige gegenüber ihrer Mutter Kerstin. Beide drehen die Reifen synchron hoch in die Luft. Die neue Choreografie sitzt, die Schnapsgläser bleiben sicher im Reifen stehen.

„Wilde Hennen“: Sandra Frankenberger und Katharina Höpler.

Eins davon bekommt Merlin Müller. „Trinken wir auf die Narren, die nicht dabei sind, denn das sind die eigentlichen“, sagt er und führt schließlich die Polonaise der Urzeln an. Einhörner, Tiger und Teufelchen reihen sich ein. Die Stimmung im Rathaus-Innenhof ist gut. Im Vergleich zum Karl-Lederer-Platz, wo gerade bekanntlich gebaut wird, sei es am Nachmittag allerdings ziemlich schattig, finden Katze Melanie und Obelix Christian Winkelmeier. Das sehen die „wilden Hennen“ Katharina Höpler und Sandra Frankenberger genauso. Immerhin: „Hier verläuft es sich dafür nicht so.“

Fotos: Die Urzeln läuten das Faschingstreiben ein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit Fantasie zum Erfolg: Geretsrieder Floristin wird Dritte bei Deutscher Meisterschaft
„Be real“ war das Thema der Deutschen Meisterschaft der Floristen. Franziska Strobl aus Geretsried ist dem Motto und sich selbst treu geblieben – und hat es so auf Platz …
Mit Fantasie zum Erfolg: Geretsrieder Floristin wird Dritte bei Deutscher Meisterschaft
Für die Ickinger Brandopfer kommen 2330 Euro zusammen
Willi Sommerwerk, Myriam Kalipke und Assunta Tammeleo sammeln unbürokratisch Geld für die Opfer der Ickinger Feuerkatastrophe.
Für die Ickinger Brandopfer kommen 2330 Euro zusammen
Spaß in Tölz, Frust in Anaheim: NHL-Profi Korbinian Holzer (30) im Interview
Seit acht Jahren spielt der ehemalige Tölzer Korbinian Holzer in Nordamerika Eishockey. In Anaheim  musste sich der Crack mit Geretsrieder Wurzeln zuletzt mit 16 …
Spaß in Tölz, Frust in Anaheim: NHL-Profi Korbinian Holzer (30) im Interview
Geretsrieder Eisstadion wird umgebaut: Ein Rundgang auf der Baustelle
Der Kabinentrakt des Heinz-Schneider-Eisstadions in Geretsried wird derzeit umgebaut, danach erhält die Sportstätte erhält ein neues Dach. Wir haben uns auf der …
Geretsrieder Eisstadion wird umgebaut: Ein Rundgang auf der Baustelle

Kommentare