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Geld für den „IS“ gesammelt? Anklage gegen junge Mutter aus Bayern erhoben

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Von: Carl-Christian Eick

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Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe schützt die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland, indem sie terroristische Straftaten verfolgt und zur Anklage bringt. © Uli Deck/DPA

Eine Geretsriederin steht in dem Verdacht, die Terrorgruppe „IS“ unterstützt zu haben. Nun hat die Bundesanwaltschaft Anklage erhoben.

Geretsried/Karlsruhe – Beamte des bayerischen Landeskriminalamts haben Ende August eine Geretsriederin festgenommen (wir berichteten). Sie steht in dem Verdacht, die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) unterstützt zu haben. Die Mutter von drei minderjährigen Kindern sitzt seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft und muss sich voraussichtlich demnächst vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft teilte am Dienstag (16. November 2021) mit, dass sie am Oberlandesgericht Stuttgart Anklage gegen die Geretsriederin erhoben habe.

Geretsriederin soll einem „extremistisch-islamistischen Weltbild“ anhängen

Das Gericht muss die Anklage noch zulassen. Die Bundesanwaltschaft wirft der Frau, die einem „extremistisch-islamistischen Weltbild“ anhänge, vor, „die Ziele der terroristischen Vereinigung ,IS‘ und insbesondere den bewaffneten Kampf dieser Vereinigung“ gefördert zu haben. Sie soll ihren Lebensgefährten, ein Iraker, den sie nach islamischen Ritus geheiratet hat, bei der Sammlung und dem Transfer von Geldern an „IS“-Mitglieder in Syrien geholfen haben. Mutmaßlich sei es die Hauptaufgabe der Geretsriederin gewesen, Kontakt zu weiblichen Mitgliedern des „IS“ herzustellen und jene „Glaubensschwestern“ über den Stand anstehender Geldtransfers zu unterrichten, um die Frauen „in ihrer Treue zur Vereinigung zu bestärken und damit den inneren Zusammenhang der Vereinigung zu festigen“, so die Bundesanwaltschaft.

Ehemann der Geretsriederin sitzt auch in Untersuchungshaft

Der Ehemann der Beschuldigten sitzt ebenfalls seit Januar in Untersuchungshaft. Ihm wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen.

Unser Bericht vom 22. September 2021: Beamte des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) haben Ende August eine Geretsriederin festgenommen. Die junge Frau ist laut Bundesanwaltschaft dringend verdächtig, die terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) unterstützt zu haben. Mittlerweile sitzt die Mutter von drei minderjährigen Kindern in Untersuchungshaft.

Direkt im Anschluss an die Festnahme am 30. August wurde die Wohnung der Beschuldigten durchsucht. Dabei sollen nach Informationen unserer Zeitung einige Datenträger sichergestellt worden sein. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wirft der Geretsriederin, die „einem extremistisch-islamistischen Weltbild“ anhänge, vor, „die Ziele der terroristischen Vereinigung ,Islamischer Staat‘ und insbesondere den bewaffneten Kampf dieser Vereinigung zu fördern“. Die deutsche Staatsangehörige soll ihren Lebensgefährten, ein Iraker, seit Juli vergangenen Jahres bei der Sammlung und dem Transfer von Geldern an „IS“-Mitglieder in Syrien geholfen haben.

Terrorgruppe „IS“ unterstützt? Ehemann wird Vorbereitung schwerer Gewalttat vorgeworfen

Der Iraker sitzt bereits seit Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft: „Gegen den Beschuldigten besteht dringender Tatverdacht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“, so der Generalbundesanwalt.

Der Iraker war bei einem Ausreiseversuch an der deutsch-schweizerischen Grenze festgenommen worden. Er soll eine „zentrale Rolle“ bei der Geldbeschaffung für den „IS“ in Deutschland gespielt haben. „Die Gelder wurden dazu eingesetzt, ,Glaubensschwestern‘ in syrischen Flüchtlingslagern zu versorgen oder für ihre Rückkehr zum ,Islamischen Staat‘ Schlepper zu bezahlen“, so die Bundesanwaltschaft.

Kontakt zu weiblichen „IS“-Mitgliedern hergestellt: Haftbefehl gegen junge Mutter

Mutmaßlich sei es die Hauptaufgabe der Geretsriederin gewesen, Kontakt zu weiblichen Mitgliedern des „IS“ herzustellen. Sie soll jene „Glaubensschwestern“ über den Stand anstehender Geldtransfers unterrichtet haben, um die Frauen „dadurch in ihrer Treue zur Vereinigung zu bestärken und damit den inneren Zusammenhang der Vereinigung zu festigen“, stellt die Bundesanwaltschaft fest. So habe die Beschuldigte ab Juli 2020 mit einem weiblichen „IS“-Mitglied kommuniziert. Die sollte laut Erkenntnissen der Ermittler aus einem kurdischen Flüchtlingslager befreit werden, um ihr die beabsichtigte Rückkehr zum „IS“ zu ermöglichen.

Um diesen Plan in die Tat umsetzen zu können, so die Anklagebehörde, richtete die Geretsriederin ein Spendenkonto ein und verfasste einen Spendenaufruf. Im September vergangenen Jahres soll sie zudem ihren Lebensgefährten dazu veranlasst haben, einem „IS“-Mitglied in Idlib/Syrien 200 Euro zukommen zu lassen.

Laut Bundesgerichtshof (BGH) kommunizierte der Iraker, zu dessen Alter ebenso wie zum Alter der Geretsriederin keine Angaben gemacht werden, per WhatsApp mit seiner Lebensgefährtin über Spendensammlungen und Geldtransfers ins Ausland. Der Ermittlungsrichter beim BGH hat inzwischen den Haftbefehl gegen die Geretsriederin „in Vollzug gesetzt“. Das heißt, sie ist in Untersuchungshaft überstellt worden.

Unterstützung der Terrorgruppe „IS“: Mutter von drei minderjährigen Kindern zum Islam konvertiert

Die Frau war, nachdem sie den Iraker kennen gelernt hatte, zum Islam konvertiert und hatte den mutmaßlichen „IS“-Aktivisten nach islamischem Ritus geheiratet. In der Öffentlichkeit zeigte sie sich in der Regel nur noch voll verschleiert. Ihr Mann, der „unter Mitwirkung seiner Lebensgefährtin“ in vier einzelnen Tranchen mehr als 12 000 US-Dollar an den sogenannten Islamischen Staat in Syrien beziehungsweise im Libanon geschickt haben soll, lebte „zuletzt überwiegend“ bei seiner Partnerin in deren Wohnung in Geretsried.

Laut BGH ist der Mann „ der deutschen Sprache nicht mächtig, ging vor seiner Verhaftung keiner regulären Erwerbstätigkeit nach und verfügt in Deutschland über keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, sein Asylantrag wurde bestandskräftig abgelehnt“. Die Beschuldigte ist nach Informationen unserer Zeitung Mutter von drei minderjährigen Kindern. Zum Aufenthaltsort der Kinder äußern sich die Behörden nicht. Nur so viel: Deren Betreuung sei sichergestellt.

Öffentlich in Erscheinung getreten war die heute etwa 30-Jährige, als sie sich vor einigen Jahren gemeinsam mit anderen jungen Müttern für den Erhalt eines Kinderspielplatzes in Geretsried stark gemacht hatte. Die Gruppe initiierte eine Unterschriftenaktion, blieb aber letztlich erfolglos: Auf dem Spielplatzgelände steht heute eine Kinderbetreuungseinrichtung. (cce)

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