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Sebastian Klug hat der Kleinkunstbühne ein filmisches Denkmal gesetzt.

80 Minuten Kneipentour

Gelting: Film über Kulturbühne Hinterhalt

Gelting - Für viele Kneipengänger und Kulturinteressierte war und ist er so etwas wie ein zweites Wohnzimmer: der Geltinger Hinterhalt. Zum 25-jähriges Bestehen widmet ihm Sebastian Klug einen Film.

Sebastian Klug (36), freier Autor, Schauspieler und Texter aus Wolfratshausen, befasst sich in seiner 80-minütigen Dokumentation vor allem mit dem Verein „Kultur im Hinterhalt“, der 1992, ein Jahr nach der Eröffnung des Lokals an der Leitenstraße, gegründet wurde. Der erste Vorsitzende war Christoph Abeck, Mitglied der in der Region legendären Kabarettgruppe Narrenschaukel. Deren weitere Protagonisten Matthias „Hias“ Röttig, Claus Steigenberger, Thomas Gania und Peter Haustein kennt Sebastian Klug, seit er ein kleiner Junge ist. Sein Vater Dieter Klug unterrichtete sie am Waldramer Gymnasium St. Matthias. „Als ich vier war, durfte ich im Schlafanzug miterleben, wie die fünf jungen Männer im Wohnzimmer meiner Eltern auftraten“, erzählt Sebastian Klug.

Mit 13 Jahren trank Klug dann sein erstes Spezi im Hinterhalt, mit 17 trat er dem Trägerverein „Kultur im Hinterhalt“ bei. Er kümmerte sich um die Mischtechnik bei den Auftritten der Narrenschaukel und anderen, später um die Beleuchtung, um die Kasse und die Pressearbeit. 2000 wurde Klug zum Vorsitzenden des Vereins gewählt, der sich jedoch drei Jahre später auflöste, als der Wirt Hias Röttig den Hinterhalt aufgab.

Ebenfalls 2000 schenkte sich der filmbegeisterte Klug zum Abitur selbst eine Kamera. Relativ wahllos nahm er alles auf, was ihm vor die Linse kam. Er interviewte die Narrenschaukel-Mitglieder, drehte Szenen in der Kneipe, befragte prominente Gäste wie die Bananafishbones oder Josef Hader. 15 Jahre schlummerte dieses Material in einer Schublade. Anfang des Jahres gab sich der studierte Germanist und Kulturwissenschaftler, der aktuell für verschiedene Magazine schreibt, einen Ruck und begann, etwas aus dem Stoff zu machen. Dabei herausgekommen ist der Film „Im Hinterhalt – Erinnerungen an ein Heimatgefühl“, der am kommenden Freitag erstmals in der Kulturbühne gezeigt wird.

Die Dokumentation sei zum einen eine Verfilmung des 2001 erschienenen Buchs „Zehn Jahre Hinterhalt – Ein Extrakt“, und zum anderen dessen Fortsetzung, sagt Klug. Er beleuchte vor allem die letzten drei Jahre des Kulturvereins von 2001 bis 2003. Die Glanzzeit der Kulturbühne endete mit der Vereinsauflösung und dem Abschied von Hias Röttig als Wirt. Der Hinterhalt war „ein Treffpunkt für Alt und Jung, für Arm und Reich, für Gscheid und Bled, für Arbeiter und Professoren. Und sie waren alle da“, sagt Röttig im Film. Sie alle, das waren Schleich und Springer, Hader und Polt, Barbara Dennerlein und die Fishbones. Josef Hader beschreibt im Interview seinen ersten Eindruck vom Publikum so: „Bayern vom Land, die gern anecken.“

Auch die langjährige Bedienung Christine „Nine“ Beysel kommt zu Wort. Sie erzählt unter anderem über die „legendären Donnerstagabende“, an denen es kaum ein Durchkommen für sie gab. Für viele junge Leute sei der Hinterhalt damals ein zweites Wohnzimmer gewesen, sagt Monika Schielein, von Klug befragt. „Die Eltern waren froh, wenn sie ihre Kinder dort wussten.“ Sie und ihr Mann Gerhard gehörten von Anfang an dem Trägerverein an. Er war „das Rückgrat des Hinterhalts“, so Klug. Die Mitglieder übernahmen die Künstler-Akquise, die Technik, die Programmheft-Gestaltung, die Verhandlungen mit der Gema und die Buchhaltung.

Die Helden von Sebastian Klug waren unter anderem die Protagonisten der legendären Kabarettgruppe Narrenschaukel.

Seit 2008 betreibt Assunta Tammelleo als vierte Wirtin die Kleinkunstbühne. Sie ist die am zweitlängsten tätige Betreiberin. „Eine Leistung“, sagt Klug anerkennend. Denn die Zeiten für Kabarett und Konzerte seien deutlich schwieriger geworden. Für den 36-Jährigen ist der Film ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Sein ehrenamtliches Engagement im Verein „Kultur im Hinterhalt“ sei für ihn die „bisher erfüllendste Tätigkeit“ gewesen, sagt der Wolfratshauser.

Filmpremiere

Der Film „Im Hinterhalt – Erinnerungen an ein Heimatgefühl“ wird am kommenden Freitag, 16. Dezember, erstmals in der Kulturbühne an der Leitenstraße 40 in Gelting gezeigt. Die Vorführung beginnt um 20.30 Uhr.

Von Tanja Lühr

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