Huldigten dem Blues: Gitarrist Nick Woodland (re.) und seine Bandkollegen (v. li.) Klaus Reichardt, Manfred Mildenberger und Tom Peschel.
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Huldigten dem Blues: Gitarrist Nick Woodland (re.) und seine Bandkollegen (v. li.) Klaus Reichardt, Manfred Mildenberger und Tom Peschel.

Blues-Konzert

Nick Woodland und Band erobern die Herzen des Hinterhalt-Livestream-Publikums

  • vonPeter Herrmann
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Zylinder, Blues und weiße Rosen: Gitarrist Nick Woodland und seine Bandkollegen waren zu Gast in der Kulturbühne Hinterhalt. Ihr Auftritt kam gut an.

Gelting – Allein in seinem Gesicht spiegelt sich ein halbes Jahrhundert Bluesgeschichte wider. Unter dem schwarzen Zylinder schauen ein paar müde Augen in den leeren Zuschauerraum der Kulturbühne Hinterhalt. Doch spätestens als Kameramann Thorsten Thane und Tontechniker Hendrik Noeller die mittlerweile 56. Livestream-Aufzeichnung des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) starten, ist es vorbei mit der Zurückhaltung.

Nick Woodland, der schon mit so unterschiedlichen Künstlern wie der amerikanischen Discoqueen Donna Summer, dem britischen Punkrocker Joe Strummer und dem bayerischen Liedermacher Georg Ringsgwandl musizierte, hat auch einen Monat nach seinem 70. Geburtstag nichts verlernt. Sein virtuoses Gitarrenspiel unterlegte er am Freitagabend erneut mit einer rauen Stimme, die mal an die nordirische Blues-Größe Van Morrison, mal an Bob Dylan erinnerte. Letzterem widmete der Fan des englischen Fußballvereins Tottenham Hotspur seine Coverversion „New Pony“, die noch harmonischer und eindringlicher als das Original daherkam.

Bei der einst von Warren Zevon gesungenen Nummer „Play It All Night Long“ kam die Bassgitarre von Tom Peschel besonders stark zur Geltung. Andere Stücke gewannen durch das treibende Schlagzeugspiel von Manfred Mildenberger an Fahrt. Und am Ende der Livestream-Aufzeichnung war sogar noch Zeit für ein Keyboardsolo von Klaus Reichardt, der vor einigen Wochen bereits bei einer Sonntagsmatinee mit Claudia Sommer und Karsten Gnettner in der Kulturbühne Hinterhalt zu überzeugen gewusst hatte.

Mit längeren Ansagen zu seinen Eigenkompositionen hielt sich der in 1951 in London geborene und seit vielen Jahren in München lebende Woodland zurück. Es dominierten die Bluesklänge. Als ihm die Damen des KIL nach dem Konzert weiße Rosen überreichten, huschte das erste Mal ein verlegenes Lächeln über das faltige Gesicht des 70-Jährigen. Wie schon so oft in seiner langen Karriere hatte er die Herzen des Publikums erreicht. Dies zeigte sich auch im Chat zum Livestream. Eine Frau schwärmte: „Ich liebe den Blues, er erinnert mich an meine Schwabinger Kneipenzeit in den 80er-Jahren: Was für die Seele.“ ph

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