Weihnachten im Dorfladen: Teamleiterin Eva Kirchner dekoriert das Sortiment für den Advent.
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Weihnachten im Dorfladen: Teamleiterin Eva Kirchner dekoriert das Sortiment für den Advent.

Er hat unruhige Zeiten hinter sich

Gelting: Wie sich die Corona-Pandemie auf den Dorfladen auswirkt

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Ab diesem Wochenende gibt es eine große Auswahl an weihnachtlichen Produkten im Geltinger Dorfladen. Er hat die unruhigen Zeiten überstanden und trotzt der Corona-Pandemie.

Gelting – Seifen, Plätzchen, Karten, Bier und andere Geschenke finden sich auf einem eigenen Tisch im Dorfladen. Pünktlich zum Nikolauswochenende soll es noch ein bisschen mehr werden, kündigt Martin Goder, kommissarischer Vorstand, an. Da draußen auf dem Dorfplatz wegen der Corona-Pandemie kein Christkindlmarkt stattfinden kann, soll es wenigstens drinnen ein wenig weihnachten. Und wer dort heuer nicht verkaufen kann, habe so eine Alternative, ergänzt Teamleiterin Eva Kirchner. „Es ist wichtig, dass man sich gegenseitig ein bisschen hilft.“

Unterstützung hat der Dorfladen in diesem Jahr ebenfalls erfahren. Zuvor hatte das genossenschaftlich organisierte Geschäft ein paar Schwierigkeiten. 2019 verließen einige Mitarbeiterinnen und die frühere Teamleitung den Laden. Die Personalsuche war schwierig, die Öffnungszeiten mussten zwischenzeitig reduziert werden, was sich auch finanziell auswirkte. Unter Kirchners Leitung kehrte wieder Ruhe ein (wir berichteten).

„Im Januar, Februar hatten wir zu kämpfen, es stand auf des Messers Schneide“, erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau. Dann brach die Corona-Pandemie aus. „Das ist uns fast zugutegekommen“, sagt Kirchner. Die Leute hätten den Dorfladen unterstützt, sie mieden größere Supermärkte. „Ostern war noch nie so gut wie dieses Jahr.“ Man könne nicht mit Geld um sich werfen, doch sei auf einer guten Linie. „Es geht bergauf.“

Das bestätigt der kommissarische Vorstand Goder. Konkrete Zahlen möchte er in der Generalversammlung bekannt geben. Sie konnte in diesem Jahr noch nicht durchgeführt werden, Goder hofft aber auf eine Möglichkeit kurz vor Jahresende. Ansonsten müsse dies per Briefumlaufverfahren geschehen. „Das wäre ein riesiger Aufwand, und eine Aussprache wäre natürlich viel besser.“ Zumal die turnusmäßige Wahl des Aufsichtsrats ansteht und der Vorstand verstärkt werden soll. In der Versammlung möchte er sich auch bei den Mitgliedern bedanken. „Gott sei Dank haben viele gut eingekauft“, sagt Goder mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Obwohl der Dorfladen also verhältnismäßig gut über das Jahr gekommen ist, blickt Teamleiterin Kirchner dem Weihnachtsgeschäft wenig optimistisch entgegen. „Durch den zweiten Lockdown sind die Menschen sehr verhalten und psychisch angespannt“, beobachtet sie. Auch schätzt sie, dass an Heiligabend und den Feiertagen keine großen Familienessen veranstaltet werden und dementsprechend weniger eingekauft wird.

Schade sei außerdem, dass das Café wie alle Gastronomiebetriebe geschlossen bleiben muss. „Wir haben zum Beispiel eine nette Gruppe von Damen, die sich eigentlich jede Woche bei uns getroffen und eine Flasche Sekt geöffnet hat“, sagt Kirchner. Auch über den Sommer habe der Dorfladen gute Umsätze im Biergarten erzielt. Jammern möchte Kirchner aber nicht. „Es trifft uns nicht alleine, und andere sind noch schlechter dran“, betont die Teamleiterin. Der Dorfladen könne zumindest das normale Geschäft aufrechterhalten.

Mit Blick auf die Mitarbeiter sagt Kirchner: „So, wie wir jetzt aufgestellt sind, passt es ganz gut.“ Das Team bestehe derzeit aus fünf Teilzeitkräften und fünf 450-Euro-Kräften. Zudem komme jede Woche eine Frau, die den Dorfladen ehrenamtlich unterstützt. „Das ist ganz toll“, so Kirchner.

So mancher Bewerber sei nach dem Probearbeiten wieder abgesprungen. „Vielen war es zu anstrengend, die wollen lieber am Computer sitzen“, sagt die Teamleiterin. Verstehen kann sie das nicht. „Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit, sie ist wie mein Lebensinhalt.“ Besonders mag Kirchner der Kontakt zu den Kunden. Der Laden sei wichtig, besonders für ältere Menschen im Ort. „Ich hoffe, wir können auf diesem Wege die nächsten Jahre gut bestreiten.“

sw

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