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Lebkuchenherzen und Kugelschreiber: In Gelting startete am Samstag die Tour „Dein Geretsried – Dialog direkt“ von Bürgermeister und Stadträten.

Auftakt der Reihe „Dein Geretsried – Dialog Direkt“ 

Geltinger sorgen sich um Radwege und S7-Verlängerung

Die Reihe „Dein Geretsried – Dialog Direkt“ hat am Samstag in Gelting begonnen. Bürgermeister Michael Müller trat in Kontakt mit den Stadtteilbewohnern. Sie trugen Ideen und Wünsche an ihn heran - übten aber auch Kritik.

Gelting Auf dem Platz vor dem Dorfladen steht ein Zelt, in dem etliche Info-Faltblätter auf Biertischen ausliegen. Daneben Tabletts mit kalten Getränken, Wurstsemmeln und Butterbrezen. Draußen an den Stehtischen haben sich Bürgermeister Michael Müller (CSU) und seine Entourage aus Rathaus-Mitarbeitern und Stadträten verteilt. Man bewundert die Lebkuchenherzen mit Geretsrieder Wappen, die die Kommune eigens für die Reihe „Dein Geretsried – Dialog direkt“ hat backen lassen.

Anfangs scheint es, als würden die offiziellen Vertreter an diesem schönen Frühlingsvormittag unter sich bleiben. Doch schon bald kommen die Geltinger und gehen gezielt auf den Bürgermeister zu, um ihm ihre Anliegen zu unterbreiten. Einer wünscht sich die barrierefreie Gestaltung des Gehwegs gegenüber dem Alten Wirth. Müller verspricht eine Begehung zusammen mit dem Sozialverband VdK. Ein anderer bedauert, dass die Leitenstraße, die gerade für 1,6 Millionen Euro ausgebaut wird, keinen begleitenden Radweg erhält. Auch hier sagt Müller zu, Radwegelücken künftig soweit wie möglich zu schließen. Ein altbekanntes Problem sind für ihn die parkenden Autos am Ende der Pfaffenriedstraße gegenüber dem Temenos-Kindergarten. Die Fahrzeuge würden so nah an der Einmündung in die Buchberger Straße stehen, dass man kaum hinauskomme, klagt ein Anwohner.

Lange diskutieren Michael Müller und sein Stellvertreter Hans Hopfner (SPD) mit Martin Goder. Es geht um die geplante S-Bahn-Trasse und den Bahnhof in Gelting auf Höhe des Kindergartens. Die Streckenführung und den Bahnhofstandort lege die Deutsche Bahn fest. Die Stadt habe kaum Einflussmöglichkeiten, erklärt Müller. Weil die Bahn die höher gelegten Gleise relativ nah am Rand des Wohngebiets am Aufeldweg vorbeiführen möchte, regt Goder einen Lärm- und Sichtschutzwall in dem Bereich an. Der Rathauschef sagt, die Stadt sei sich des „Spannungsfelds Gelting“ in puncto S 7-Verlängerung bewusst. Zeitnah solle deshalb ein Masterplan für den Stadtteil erstellt werden. „Bei der Eingemeindung Geltings vor 40 Jahren hat Geretsried versprochen, den dörflichen Charakter nicht zu zerstören. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst“, sagt Müller. Ihm schwebe ein Grüngürtel rund um den Ort vor – „eine Art Wagenburg“. Das könne ein Park, ein Bannwald oder eine Obstwiese sein. Das bedeute jedoch für Grundstücksbesitzer, dass sie dort nicht mehr bauen könnten. Ein Wachstum Geltings sei dann nur noch in Form von Nachverdichtung möglich. Insgesamt, so berichtet Müller, werde Geretsried in den nächsten 20 Jahren eine Einwohnerzahl von 32.000 bis 38.000 erreichen. „Wir wollen nicht wachsen, wir werden wachsen“, stellt er fest.

Lesen Sie auch: So soll die „Neue Mitte“ aussehen: Bürgermeister Michael Müller im Interview

Der Wolfratshauser Heinz Wensauer sorgt sich in diesem Zusammenhang um den Verkehr. Er befürchtet, dass die Loisachstadt durch die Entwicklung Geretsrieds und den geplanten, streckenweisen vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 11 noch mehr im Autoverkehr ersticken wird. Hans Hopfner widerspricht: Die meisten Probleme Wolfratshausens seien hausgemacht und hätten nichts mit dem geplanten B 11-Ausbau im Bereich Geretsried-Gartenberg zu tun.

Müller beteuert, er arbeite mit den Fraktionssprechern von Wolfratshausen an einer Lösung des Verkehrsproblems. Er scheint ganz froh zu sein, die Debatte beenden zu können, als zwei neunjährige Mädchen ihren Wunsch an ihn herantragen. Tabea Wustlich und Valentina Rottmüller möchten einen Spielplatz mit Geräten, die auch ältere Kinder und Jugendliche ansprechen. Eine Tischtennisplatte oder ein Basketballkorb wären schön, meinen sie.

Bauamtsmitarbeiter Jan Klinger bittet die beiden, ihm Standortvorschläge zu machen und aus dem Internet Fotos von Spielgeräten herauszusuchen. Er lädt sie ein, ins Rathaus zu kommen, um über das Projekt zu reden. „Wow“, entfährt es Tabea, die wohl nicht mit solch spontanem Entgegenkommen gerechnet hat. „So etwas hat die Stadt ja selbst in der Hand. Da braucht sie weder die Bahn noch den Freistaat. Da lässt sich bestimmt was machen“, bestärkt Müller die Mädchen. Nach zwei Stunden verlässt er zufrieden den Dorfplatz und sagt, er könne sich eine Wiederholung der Veranstaltung gut vorstellen

Info

Die nächste Bürgerbeteiligung unter dem Motto „Dein Geretsried – Dialog direkt“ findet am Freitag, 13. April, von 16 bis 18 Uhr am Neuen Platz statt.

Tanja Lühr

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