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Stolz auf 25 Jahre Tierheim: (v. li.) ) Manuela Ravara (Tierheim-Leitung), Waltraud Salberg (Mitarbeiterin, Fundgrube), Dr. Manfred Fleischer (Vorsitzender des Tierschutzvereins), Kristina Wölm (Mitarbeiterin, Tiervermittlung), Dr. Gunhild Muntau-Leitner (stellvertretende Vorsitzende) mit den „Bewohnern“ Angelina (weiß) und Adriano (schwarz).

Jubiläum

Geltinger Tierheim feiert 25. Geburtstag

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Seit 25 Jahren bietet das Tierheim in Gelting herrenlosen Hunden, Katzen und anderen Tieren ein Zuhause. Zu verdanken ist dies einer Frau aus Achmühle. Josefa Burger vererbte ihr gesamtes Vermögen dem Tierschutzverein – mit dem Vermächtnis, ein Tierheim zu bauen.

Geretsried Frau Doktor war mit ihrem Latein fast am Ende. Bei ihrer Praxis in Münsing hatte Gunhild Muntau-Leitner eine Katzenstation eingerichtet, weil der 1954 gegründete und für den Altlandkreis Wolfratshausen zuständige Tierschutzverein den „Samtpfoten“, die damals abgegeben oder verwildert aufgefunden wurden, kaum noch Herr wurde. Im Laufe von gut zehn Jahren nahm die Tierärztin mehr als 600 Katzen auf, versorgte sie und vermittelte viele weiter. Für Hunde hatte man zu der Zeit, Ende der 1980er-Jahre, im Starnberger Tierheim gegen einen Zwinger für Notfälle angemietet.

„Ich habe damals gesagt, es braucht ein Wunder, damit endlich was geschieht“, berichtet Muntau-Leitner, seit Jahrzehnten stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins. Wenig später erreichte sie ein Anruf von Johanna Fleischer. Die Mutter von Dr. Manfred Fleischer, der seit 1978 Vorsitzender ist, besetzte damals das Tierschutztelefon. „Sie sagte: Frau Doktor, Ihr Wunder ist passiert.“ Josefa Burger, eine alleinstehende alte Dame aus Achmühle, die mit 91 Jahren verstorben war, hatte ihr gesamtes Vermögen und ihr Anwesen dem Tierschutzverein vererbt, mit dem Vermächtnis, ein Tierheim zu bauen.

„Die Freude war natürlich riesengroß“, erinnert sich Muntau-Leitner an die Geburtsstunde der Tierherberge auf dem weitläufigen Anwesen an der Leitenstraße, das nach seiner Gönnerin benannt ist. Mit Unterstützung des damaligen Geretsrieder Bürgermeisters Gerhard Hasreiter konnte das Grundstück am Rande des Gewerbegebiets erworben werden. 1994 wurde das Tierheim eröffnet. Die vom Wolfratshauser Architekten Wolfgang Adldinger entworfene Anlage bestand aus einem Haupthaus, in dem neben der Verwaltung auch ein Zimmer für Kleintiere, eine Quarantäne-Station, die Futterküche, ein Versammlungsraum, ein Behandlungszimmer sowie eine „Mutter-Kind-Station“ untergebracht sind. Daran schließen sich die mit Fußbodenheizung ausgestatteten Hundehäuser an. Rundherum reihen sich vier weitere blaugestrichene Häuser, die überwiegend Katzen beherbergen.

„Der Großteil sind Patentiere“, erzählt Tierheim-Leiterin Manuela Ravara. Denn längst nicht alle Katzen, derzeit leben hier rund 30, finden neue Besitzer. „Viele sind nicht vermittelbar. Eine hat nur drei Beine, eine nur ein Auge, eine andere ist blind. Sowas will keiner zu Hause haben“, sagt die geprüfte Tierpflegerin. Auch halbwilde Katzen, mit denen sie sich immer öfter beschäftigen muss, sind in ihrer „Villa Kunterbunt“ mit viel Auslauf am Waldrand besser aufgehoben, als in irgendwelchen Stadtwohnungen.

Für solche Tiere, die „Wohnrecht auf Lebenszeit“ genießen, werden ständig „Paten“ gesucht, die mit ihrer Spende das Tierheim unterstützen. Drei Mal in der Woche können sie ihre Lieblinge besuchen, nämlich mittwochs, freitags und samstags von 13 bis 16 Uhr. Zu diesen Öffnungszeiten ist die Anlage für jedermann zugänglich.

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Dabei machen die Besucher auch Bekanntschaft mit anderen „Insassen“ des Tierheims, wie dem verliebten Gänsepaar Gustav und Friedl oder den Ziegen Oskar und Rolf. Die Brüder, „gebürtige Höhenrainer“, sollten geschlachtet werden, als das Tierheim zufällig von ihnen erfuhr, erzählt Gunhild Muntau-Leitner. Seither sind die zwei Burenziegenmischlinge vor allem für Kinder eine Attraktion.

Der Tierschutzverein zählt derzeit zirka 500 Mitglieder. Doch mit den Mitgliedsbeiträgen allein, ist der Unterhalt des Tierheims, das zwischenzeitlich von der Schließung bedroht war, nicht zu finanzieren. Das funktioniert nur dank diverser Spenden und Schenkungen. Eine weitere Einnahmequelle ist die von Waltraud Salberg und Bernhard Wahler eingerichtete Fundgrube, wo jeden zweiten Samstag im Monat von 13 bis 16 Uhr gegen Spenden, Kaffee und Kuchen sowie verschiedenste Artikel mit Tiermotiven angeboten werden.

Wie in so vielen Lebensbereichen spüre man auch im Tierheim die Auswirkungen der digitalen Welt. „Seit es Internet gibt, kommen weniger Leute her, um sich hier inspirieren zu lassen. Sie klicken nur die Bilder an“, bedauert Gunhild Muntau-Leitner. Dabei sei doch der persönliche Kontakt so wichtig – speziell bei Hunden. „Wenn die mit dem Schwanz wedeln oder eine so treu anschauen, entscheidet man sich doch viel leichter.“

rst

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