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Der Bohrturm in Gelting.

Bundeswirtschaftsministerium fördert Geothermie-Projekt

Geothermie in Gelting: Ab Jahresende wird wieder gebohrt

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Gelting – Für Enex geht ein Traum in Erfüllung: Das vor drei Jahren fehlgeschlagene Geothermieprojekt bei Gelting bekommt eine zweite Chance. Mit einem Millionenbetrag fördert das Bundeswirtschaftsministerium dort ein Forschungsprojekt.

Ende des Jahres soll auf dem Hofgut Breitenbach wieder nach heißem Thermalwasser gebohrt werden.

Den beiden Geschäftsführern der Enex Power Germany, Dr. Robert Straubinger (63) und Andreas Gahr (43), ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Vor ein paar Tagen haben wir die schriftliche Förderzusage erhalten“, sagt Straubinger beim Redaktionsbesuch. „Das freut uns sehr.“ Wissenschaftliche Partner sind die Technische Universität (TU) München und das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) aus Hannover sowie zwei geologische Ingenieurbüros.

Enex hatte jahrelang darum gekämpft, das bislang 35 Millionen Euro teure Projekt auf dem Hofgut Breitenbach zu retten. Seit aus dem rund 5000 Meter tiefen und mehr als 6000 Meter langen Bohrloch nicht die erhoffte Menge heißes Wasser sprudelte, versuchte das Unternehmen Geld für eine Ablenkbohrung aufzutreiben. Geplante Nachbarprojekte in Wolfratshausen und Königsdorf stagnierten in dieser Zeit – Firmen und Investoren warteten die Entwicklung in Gelting ab.

Dr. Robert Straubinger von Enex Power Germany

Dort will man Ende des Jahres mit der geplanten Ablenkbohrung loslegen. Sieben Millionen Euro kostet das Enex noch einmal. Vorher soll aber das bestehende Bohrloch – es ist seit der fehlgeschlagenen Bohrung mit einem Stutzen verschlossen – mit einer Sonde untersucht und nachvermessen werden. „Wir wollen die Daten, die wir bereits haben, noch einmal abgleichen“, erklärt Geschäftsführer Andreas Gahr. Anhand dieser Daten soll ein neuer idealer Bohrpfad festgelegt werden. Diese wissenschaftliche Vorarbeit wird zwischen drei und fünf Monaten dauern, schätzt Gahr. Anschließend wird der Bohrplatz wieder hergerichtet und die Bohranlage aufgebaut. Dann kann sich der Bohrmeißel wieder in die Tiefe schrauben. Für den so genannten „Side Track“ wird das bestehende Bohrloch bis zu einer Tiefe von etwa 3000 Metern genutzt. Hier zweigt der neue Bohrpfad ab und wird sich 2500 Meter weit einen anderen Weg durchs Erdreich fräsen. In einer Tiefe von mehr als 4800 Metern hofft Enex, auf heißes Wasser zu stoßen. „Bis zum zweiten Quartal 2017 erwarten wir ein Ergebnis“, sagt Straubinger.

Wo setzt bei der Bohrung die Wissenschaft an? Beim ersten misslungenen Bohrversuch wurde vermeintlich poröses Gestein angebohrt, das sich im Nachhinein als äußerst kompakt herausstellte. Jetzt will man zu Bereichen mit größeren tektonischen Verwerfungen vordringen. Das sind Kluftzonen, ähnlich wie sichtbare Risse im Felsgestein. Ist dieses Gebiet erreicht, beginnt das Forschungsprogramm, für das es einen Zuschuss im mittleren siebenstelligen Bereich gibt. Die Wissenschaftler wollen eine ganze Reihe von Bohrkernen ziehen, um neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit der wasserführenden Schicht zu erhalten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen sich auch auf weitere Projekte in der Region anwenden. Straubinger: „In Traunreut wurde 2013 zunächst das gleiche Gestein wie in Gelting erbohrt.“ Allerdings wurden auch Kluftzonen erschlossen – mit einem phänomenalen Ergebnis, wie der Physiker sagt. „Warum sollen wir dann nicht auch fündig sein?“

Die erste Bohrung in Gelting sicherte die Münchner Rück mit einer Fündigkeitsversicherung ab. Inzwischen ist kein Versicherer mehr bereit, dieses Risiko zu tragen. Immerhin: Das bohrtechnische Risiko lässt sich zumindest über eine Bohr-Risiko-Versicherung absichern. Das machte auch die Marktgemeinde Holzkirchen, die ebenfalls im zweiten Versuch nach heißem Wasser bohrt. Anfang Juni soll es soweit sein. Geschäftsführer Straubinger ist sehr gespannt: „Das Ergebnis ist enorm wichtig für uns und alle anderen Geothermie-Entwickler in der Region."

nej

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