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Geothermie am Hofgut Breitenbach: Bauarbeiten sollen Ende des Jahres beginnen

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Geothermie in Holzkirchen
Ähnlich wird die Geothermie-Anlage auf dem Hofgut Breitenbach aussehen. Das Foto zeigt das Kraftwerk in Holzkirchen.  © zeigt das Kraftwerk in Holzkirchen. Foto: tp/Archiv

Die Planungen und Genehmigungen für den nächsten Anlauf in Sachen Geothermie in Gelting laufen. Die Bauarbeiten am Bohrplatz sollen Ende des Jahres beginnen.

Geretsried – Kurz vor der Autobahnauffahrt in Holzkirchen vermittelt das Geothermieprojekt der dortigen Gemeindewerke einen Eindruck, wie die Kraftwerksanlage am Geltinger Hofgut Breitenbach in etwa aussehen könnte. Der Bauausschuss erteilte dem Vorhaben am Dienstag das gemeindliche Einvernehmen. Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl, der die Sitzung leitete, nannte den Bauantrag mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie „erfreulich, gerade in diesen Tagen“.

Damit das kanadische Unternehmen Eavor in Zusammenarbeit mit der Firma Enex Power Germany, die bereits zwei gescheiterte Bohrversuche in Gelting unternommen hat, Erdwärme fördern darf, sind diverse Genehmigungen nötig. „Der Hauptbetriebsplan für den Bau der Bohrplätze und die Durchführung der Bohrungen ist vom Bergamt Südbayern genehmigt“, erklärte Andreas Gahr, einer der beiden Enex-Geschäftsführer. Dabei handelt es sich um die beiden größten Flächen der Anlage. In der Mitte der beiden Bohrplätze werden zwei längliche Hallen errichtet. Dafür braucht Enex eine Baugenehmigung. In den Gebäuden kommen Anlagen wie Turbine, Generator, Verdampfer und Vorwärmer unter. „Sie werden aus schallschutz- und brandschutzgründen eingehallt“, erläuterte Gahr. Damit sich die Baukörper gut in die Umgebung einfügen, sei eine Dachbegrünung vorgesehen.

Loop-Technologie aus Kanada soll in Geretsried zum Einsatz kommen

Darüber hinaus gehören zum Projekt luftgekühlte Kondensatoren, ein lang gezogenes Tanksystem mit 14 Meter hohen Türmen. „Die Bauform gleicht der in Holzkirchen“, so der Geschäftsführer. Der Bauausschuss hatte auch hier keine Einwände. Meinl zollte den Investoren Respekt für den Mut, „zig Millionen im Voraus“ in das Projekt zu stecken. „Glück auf“, wünschte er.

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Bei den beiden gescheiterten Bohrversuchen war Enex zwar auf ausreichend hohe Temperaturen, aber zu wenig Wasser gestoßen. Dieses Risiko besteht nicht bei der Technologie, die die Kanadier entwickelt haben und die sie in Geretsried – in der ersten kommerziellen Anlage dieser Art – umsetzen wollen. Über sogenannte Loops im Erdreich (Wärmeschleifen) sollen wie berichtet die sehr hohen Temperaturen in der Tiefe genutzt werden. In diesem geschlossenen Kreislauf, ähnlich einer Fußbodenheizung, wird kühles Wasser eingebracht, das durch die Wärme aus dem Untergrund erhitzt wird. Diese Wärme soll verstromt werden. Ursprünglich wollte Enex das Projekt am Buchberger Zipfel umsetzen. Damit war der Stadtrat aber nicht einverstanden. Das Unternehmen plante um und bleibt somit auf dem bestehenden Bohrplatz auf dem Hofgut Breitenbach, wodurch keine Bäume gerodet werden müssen.

Zeitplan für Geothermie in Geretsried hängt von geopolitischer Lage ab

In Arbeit ist ein weiterer bergrechtlicher Antrag, damit Enex die geschlossenen Kreislaufleitungen in Betrieb setzen darf, so Gahr. Auch strebe man eine Nutzungsänderung bestehender Gebäude an. „Unser Ziel ist, im vierten Quartal mit den Bauarbeiten am Bohrplatz zu beginnen und 2023 mit den Bohrarbeiten“, erläuterte der Geschäftsführer den Zeitplan. Eine Inbetriebnahme der ersten Wärmekassette wäre 2024 möglich – vorbehaltlich der aktuellen geopolitischen Situation. „Lieferschwierigkeiten und anderes sind nur schwer vorhersehbar.“

sw

Alle Infos zum Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen in Bayern lesen Sie hier auf unserer Themenseite Ukraine-Flüchtlinge.

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