Die Fläche gegenüber dem Tierheim in Gelting
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Hier könnte gebohrt werden: Die Fläche gegenüber dem Tierheim ist für ein Geothermie-Modellprojekt im Gespräch.

Baugrunduntersuchung im Ausschuss umstritten

Geothermie-Projekt in Gelting: Sorge um „Buchberger Zipfel“

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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In Gelting könnte ein Geothermie-Modellprojekt verwirklicht werden. Dafür werden Baugrunduntersuchungen durchgeführt. Manche Stadträte sehen das kritisch.

Geretsried – Die Projektgesellschaft Eavor Erdwärme Geretsried darf eine Baugrunduntersuchung am sogenannten Buchberger Zipfel durchführen. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag entschieden. Was das damit verbundene Geothermie-Projekt angeht, ist jedoch längst nicht das letzte Wort gesprochen.

Wie berichtet hat sich die Firma Enex, die zuletzt mit ihrem zweiten Bohrversuch am Hofgut Breitenbach gescheitert war, mit der kanadischen Firma Eavor zusammengetan. Die daraus entstandene Projektgesellschaft will mit einer neuen Technologie zur geothermischen Wärmeerschließung, den sogenannten Eavor-Loops, mehr als den gesamten Fernwärmebedarf der Stadt Geretsried decken. Am Bohrplatz gegenüber dem Tierheim Gelting würden für das Modellprojekt ein unterirdisch geschlossener Wasserkreislauf, eine Wärmeübergabestation und zwei kleine ORC-Kraftwerke entstehen.

Das Projekt hatten Dr. Robert Straubinger und Andreas Gahr von Enex dem Stadtrat vor der Sommerpause vorgestellt. Das Gremium hatte den Vortrag zur Kenntnis genommen und den Arbeitskreis (AK) Klima beauftragt, sich mit dem Thema zu befassen.

Dass nun eine Baugrunderkundung stattfinden soll, noch bevor der AK Klima getagt hat, sorgte bei Martina Raschke (Grüne) für Unverständnis. „Ich halte das für verfrüht, wir sollten uns erstmal Zeit zur Meinungsfindung lassen“, sagte sie. Auch Sabine Lorenz (CSU) plädierte dafür, erstmal zu entscheiden, „ob wir das Projekt überhaupt wollen oder nicht“.

Mit der Baugrunduntersuchung seien Bohrungen verbunden, erklärte Rathausmitarbeiterin Nadine Zikeli. Sie würden zwei bis drei Tage dauern. Konkret müssten sechs Kleinbohrungen mit 60 bis 80 Millimetern Breite sechs Meter tief durchgeführt werden sowie zwei Kleinbohrungen derselben Breite in drei Meter Tiefe und sieben Rammsondierungen. „Dafür sind keine Rodungsarbeiten nötig“, so Zikeli. Stadtarchitekt Christian Müller ergänzte, dass eine Baugrunduntersuchung alles andere als ungewöhnlich sei. Auch Heiko Hawla (Freie Wähler) betrachtete dies als „relativ unkomplizierte Sache“. Dass damit noch nicht für oder gegen das Projekt entschieden werde, betonte Bürgermeister Michael Müller. „Es geht nur darum, Daten und Fakten zu sammeln“, so der Rathauschef.

Volker Reeh (Geretsrieder Liste) sagte, er hätte generell nichts gegen eine Bohrplatz-erkundung. „Aber generell ist der Bohrplatz dort ungeeignet.“ Wenn das Projekt umgesetzt wird, müsste zwei Jahre lang gebohrt werden. „Das geht nicht mit dem Tierheim gegenüber“, so Reeh. Die Vertreter von Enex hätten ihres Wissens mit dem Tierheim über Schallschutzmaßnahmen gesprochen, berichtete Vize-Bürgermeister Sonja Frank.

Angesichts des Baumbestands am „Buchberger Zipfel“ plädierte Ewald Kailberth (CSU) dafür, nach einem anderen Standort zu suchen. „Das ist so ein schönes Waldstück“, sagte er. Auch sein Fraktionskollege im Stadtrat Franz Wirtensohn, der dem Ausschuss nicht angehört, kämpfte für das Areal: „Welchen Sinn hat es, den Baugrund zu untersuchen, wenn wir da gar nicht abholzen wollen. Da muss man vorsichtig sein.“

Das Gremium erteilte sein Einverständnis zur Baugrunduntersuchung. Lorenz, Raschke, Kailberth und Hans Hopfner (SPD) stimmten dagegen.

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