+
Der Unglücksort: An dieser Stelle an der Isar hielt sich der 15-Jährige auf.

15-Jähriger ertrunken

Tödlicher Badeunfall: Geretsrieder Gymnasium unter Schock 

  • schließen

Geretsried - Ein 15-jähriger Jugendlicher aus Geretsried ist am Donnerstagabend in der Isar ertrunken. Die Polizei geht derzeit von einem Badeunfall aus.

Der Schüler war am Donnerstag mit seinem gleichaltrigen Spezl zu einem Ausflug an die Isar im Bereich des Isardamms aufgebrochen. Laut Polizei machte sich sein Freund gegen Abend auf den Heimweg, der 15-Jährige blieb am Fluss. Als er nicht wie vereinbart gegen 19 Uhr zuhause war, suchten seine Eltern den Ort ab, an dem sie ihren Sohn vermuteten. Nachdem sie einige persönliche Gegenstände des Buben auf einer Sandbank in der Isar entdeckt hatten, von dem Kind aber keine Spur zu finden war, alarmierten sie die Polizei.

Sofort rollte eine aufwändige Suchaktion an, an der sich rund 130 Personen, unter anderem Feuerwehrkräfte aus Geretsried, Wolfratshausen, Weidach, Ebenhausen und Hohenschäftlarn sowie die Wolfratshauser Wasserwacht, die DLRG Geretsried und die Besatzung eines Polizeihubschraubers beteiligten. Der Helikopter flog die Isar mehrfach ab. Schließlich fanden die Helfer den Jungen 300 Meter unterhalb der Sandbank leblos im Wasser liegen. „Ein Notarztteam kümmerte sich sofort nach der Bergung um das Kind und versuchte lange Zeit, den Buben ins Leben zurückzuholen. Das gelang leider nicht mehr“, berichtet Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern in Rosenheim. Ein Kriseninterventionsteam des BRK betreute die Angehörigen des Buben.

Noch in der Nacht übernahm der Kriminaldauerdienst aus Weilheim den Fall, der inzwischen vom zuständigen Fachkommissariat weiterbearbeitet wird. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es bislang laut Polizeisprecher Sonntag nicht: „Derzeit scheint ein Unfallgeschehen wahrscheinlich“. Das Thema Alkohol „ist im Moment kein Thema“, sagt Sonntag. Weitere Aufschlüsse soll eine Obduktion bringen.

Weil der 15-Jährige am Donnerstagabend alleine an der Isar war und es bislang keine Zeugen gibt, die zu den tragischen Geschehnissen Angaben machen können, bitten die Ermittler um Hinweise: Wer hat den 15-Jährigen nach 19 Uhr an der Isar, östlich des Isardamms auf Höhe des Tennisclubs Geretsried gesehen? Gesucht wird in diesem Zusammenhang ein älteres Paar. Sonntag: „Der Mann trug seine grauen Haare zu einem Zopf gebunden.“ Außerdem soll sich gegen 18.30 Uhr ein älterer Spaziergänger mit einem kleinen Hund in dem Bereich der besagten Sandbank aufgehalten haben. Auch er wird dringend gebeten, sich bei der Kripo in Weilheim unter Telefon 08 81/ 64 00 zu melden.

Bestürzung am Geretsrieder Gymnasium

Trauer und Bestürzung hat die furchtbare Nachricht am Freitagmorgen am Geretsrieder Gymnasium ausgelöst. Der Ertrunkene besuchte die achte Klasse, sein Freund, der am Freitag zuhause blieb, sitzt in der Parallelklasse. Das schulinterne Kriseninterventionsteam, speziell ausgebildete Lehrer, sowie die Schulpsychologin Jutta Söller standen den Schülern, die es wollten, zur Seite. „An Unterricht war in den achten Klassen natürlich nicht zu denken“, sagt Heinz Kiess, Geschichtslehrer und Mitarbeiter der Schulleitung. „Kein Schüler ist allein gelassen worden“, betont Kiess. Wer wollte, konnte in den Meditationsraum des Gymnasiums gehen. „Das ist ein von unseren Religionslehrern gestalteter Raum der Stille“, erläutert Kiess. Dort lag ein Kondolenzbuch für den 15-Jährigen aus, seine Mitschüler konnten eine Kerze entzünden oder auf individuelle Art und Weise Abschied nehmen. Viele hinterließen im Meditationsraum Papierhände, beschrieben mit ganz persönlichen Gedanken.

Per Mail informierte die Schulleitung die Eltern aller Achtklässler am Freitagmorgen über die tragischen Ereignisse. „Wir haben sie gebeten, ihren Kindern am Nachmittag als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen“, so Kiess. Am späten Nachmittag fand am Gymnasium die schon lange geplante Abschlusslesung des so genannten Pluskurses „Kreatives Schreiben“ unter Leitung von Anna Schwarz statt. Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute.

Der zweite Tote binnen nur einer Woche

Wolfratshausens Polizeichef Werner Resenberger hat der tödliche Unfall tief berührt. Mutmaßlich ist der junge Geretsrieder der zweite Ertrunkene binnen einer Woche. Wie berichtet riss die Isar am vergangenen Samstag einen Asylbewerber (16) mit sich, der in der Pupplinger Au ins Wasser gesprungen war. Die Polizei hat die Suche nach ihm mittlerweile eingestellt. Die Beamten gehen davon aus, dass der Afghane, der in Wolfratshausen in einer Wohngruppe lebte, tot ist.

„Ganz ehrlich: Ich würde derzeit weder in der Isar noch in der Loisach Schwimmen gehen“, sagt Resenberger. Die Isar sei ein Wildfluss, der durch die Regenfälle in den vergangenen Tagen mächtig angeschwollen sei. Auch die scheinbar harmlos dahinfließende Loisach sei nicht zu unterschätzen: „Da gibt es starke Strömungen und Unterströmungen.“

Bilder: 15-Jähriger in der Isar ertrunken

15-Jähriger in der Isar ertrunken: Bilder vom Einsatz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Polizeipräsident Kopp: "Eine überaus schreckliche und brutale Tat"
Bei einer Gewalttat im Königsdorfer Weiler Höfen sind ein Mann und eine Frau getötet worden, eine weitere Frau wurde schwer verletzt. An den Opfern sei "massiv Gewalt …
Polizeipräsident Kopp: "Eine überaus schreckliche und brutale Tat"
Kolping – „nicht im Geringsten langweilig“
Knapp 11 000 Euro hat die Kolpingfamilie im Jahr 2016 erwirtschaftet und an gemeinnützige Projekte und sozial Schwache weitergeben. „Kolping – nicht im Geringsten …
Kolping – „nicht im Geringsten langweilig“
Polizei stoppt betrunkenen Fahrer
Die Polizei stoppte am Freitag gegen 20.20 Uhr einen VW-Fahrer aus Feldkirchen im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle in Dietramszell.
Polizei stoppt betrunkenen Fahrer
Königsdorfer Bürgermeister war einer der ersten im Todeshaus
Der Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel war als Mitglied der zuständigen Feuerwehr einer der ersten am Tatort des Doppelmordes. Er hat mit uns über das schreckliche …
Königsdorfer Bürgermeister war einer der ersten im Todeshaus

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion